TheraTin-Projekt TU Ilmenau forscht an neuartiger Tinnitus-Therapie mit Kopfhörern

Knapp 1,5 Millionen Deutsche leiden an dauerhaftem Tinnitus. Viele empfinden die Ohrgeräusche als störend. An der Technischen Universität Ilmenau wird nun an einem Therapie-Kopfhörer geforscht.

Mann mit Hörgerät für Tests im Ohr 3 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Di 14.09.2021 19:00Uhr 02:31 min

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Forscher aus Ilmenau wollen Tinnitus-Patienten mit einem neuartigen Spezial-Kopfhörer helfen. Bei Tinnitus oder Ohrensausen hören die Betroffenen Geräusche, für die es oftmals keine ersichtlichen Quellen gibt. Mit Hilfe des neuen Kopfhörers soll es möglich werden, die Ursachen für die Geräusche herauszufinden und besser zu behandeln.

Tinnitus-Auslöser im Hirn identifizieren

Bei der Entwicklung der Kopfhörer soll die in Ilmenau mitentwickelte "plausible Raumklanganalyse" eingesetzt werden. Bei dieser Technik nimmt ein Hörer den Klang nicht mehr im Kopf, sondern im Raum wahr. Durch den Einsatz der Technik soll die Richtung ermittelt werden, aus welcher das Ohrgeräusch wahrgenommen wird.

Eine Studie hat herausgefunden, dass es immer weniger traurige Musik gibt. Im Bild ist eine brünette Frau zu sehen, die traurig in Richtung Sonne blickt und Kopfhörer auf hat.
Für das Ohrgeräusch finden sich oftmals keine ersichtlichen Quellen. Bildrechte: Colourbox.de

Gleichzeitig soll die elektrische Aktivität im Hirn mittels spezieller Sensoren gemessen werden. Ziel ist es, Indikatoren zu identifizieren, anhand derer sich die elektrischen Aktivitäten des Hörapparats eindeutig dem Tinnitus zuordnen lassen. Dadurch soll eine gezielte Behandlung erleichtert werden.

Es wird nicht leicht werden, die räumliche Richtung einer eigentlich gar nicht vorhandenen Schallquelle zu identifizieren, die für den Tinnitus verantwortlich ist. Ich bin dennoch zuversichtlich, dass uns das, wie es wissenschaftliches Vorgehen vorgibt, nachweisbar und reproduzierbar gelingen kann.

Prof. Dr.-Ing. Peter Husar, Leiter des Fachgebiets Biosignalverarbeitung der TU Ilmenau

Weil der Kopfhörer überall getragen werden kann, müssen sich die Patienten für Diagnose und Therapie nicht ständig zum Arzt oder Therapeuten begeben.

Gemeinschaftsprojekt von Universität und Brandenburg-Labs

Für das zweijährige "TheraTin-Projekt" arbeiten Wissenschaftler der Technischen Universität und des Unternehmens Brandenburg Labs zusammen, wie am Dienstag mitgeteilt wurde. Das Ilmenauer Projekt wird mit Fördergeld der EU finanziert. Brandenburg-Labs wurde 2019 auf Initiative des MP3-Erfinder Karl-Heinz-Brandenburg gegründet.

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Quelle: MDR THÜRINGEN/nis

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 08. September 2021 | 10:00 Uhr

1 Kommentar

part vor 7 Wochen

Mich stört daran etwas, das Tinnitus nur sehr oft als rein anatomische Erkrankung gewertet wird, wo ich doch auch Verbindungen in den psychischen Bereich sehe, mit Wechselwirkungen. Die Anzahl der Lärmquellen und die Lärmintensität über gewisse Zeiträume hat sich in den letzten Jahrzehnten nachhaltig verändert. Dabei ist es aber unser Gehirn, das diese Dauerbelastung erzeugt, nebenher von der gegebenen Geräuschkulisse. Tinnitus kann auch als störend empfunden werden oder ausgeblendet werden durch unsere Wahrnehmung. In Zeiten besonderer Belastung können neue, nie gekannte Arten von Tinnitus hinzutreten, die auf ganz anderen Frequenzen laufen und den Eindruck von Lärmstörungen durch die Umwelt vermuten lassen. Leider wurde dieses Erkrankungsbild in der Vergangenheit immer vernachlässigt, obwohl es sehr zur psychischen Beeinträchtigung beitragen kann.

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