Wegen neuem Vorsitzenden Südthüringer CDU-Kandidat: Maaßen lässt Mitgliedschaft in Werte-Union ruhen

Der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsschutzes und Südthüringer CDU-Direktkandidat für den Bundestag, Hans-Georg Maaßen, lässt seine Mitgliedschaft in der konservativen Werte-Union ruhen. Er reagiere damit auf die Neuwahl des umstrittenen Max Otte zum Vorsitzenden der Strömung. Maaßen beobachte die Entwicklung der Strömung "mit Sorge".

Hans-Georg Maaßen, 2017
CDU-Direktkandidat Hans-Georg Maaßen lässt seine Mitgliedschaft in der Parteiströmung Werte-Union ruhen. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Nach dem umstrittenen Führungswechsel an der Spitze der konservativen Werte-Union lässt Ex-Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen (CDU) nach eigenen Angaben seine Mitgliedschaft ruhen. Die Werte-Union habe unter ihrem früheren Vorsitzenden Alexander Mitsch viel geleistet, schrieb Maaßen am Montag beim Kurznachrichtendienst Twitter. "Ich werde genau beobachten, wie sich die WU entwickelt und lasse daher meine Mitgliedschaft ruhen."

Er verfolge die Entwicklung der Werte-Union mit Sorge. Die Werte-Union sieht sich als Vertretung der konservativen Strömung in der Union, ist aber keine offizielle Parteigliederung.

Führungswechsel bei Werte-Union: Vorwurf der AfD-Nähe

Zuvor hatte der Wechsel an der Spitze der Gruppierung für Aufregung gesorgt. Der bisherige Vorsitzende Mitsch hatte bereits im März seinen Rückzug angekündigt. Zu seinem Nachfolger wurde am Wochenende der Ökonom Max Otte gewählt. Politiker etwa von Grünen, FDP und SPD warfen dem 56-Jährigen eine Nähe zur AfD vor. Otte selbst hatte 2017 in einem Interview der Wirtschaftswoche angekündigt, er wolle bei der Bundestagswahl die AfD wählen.

Maaßen: Umstrittener CDU-Direktkandidat im Südthüringer Wahlkreis 196

Maaßen schrieb bei Twitter, er wolle sich jetzt auf seine Bundestagskandidatur konzentrieren. "Oberstes Ziel ist, eine grüne Kanzlerschaft zu verhindern", schrieb er. Die Südthüringer CDU hatte den ehemaligen Bundesverfassungsschutzpräsidenten Ende April zu ihrem Direktkandidaten für die Bundestagswahl im September gewählt.

Auch Hans-Georg Maaßen gilt als umstritten. Ebenso wie Otte wurde ihm AfD-Nähe vorgeworfen, wovon Maaßen sich aber distanzierte. Während seiner Zeit beim Verfassungsschutz war er massiv in die Kritik geraten, weil er bezweifelt hatte, dass es nach der Tötung eines Deutschen in Chemnitz zu "Hetzjagden" auf Ausländer kam.

Menschen bei einer Podiumsdiskussion. 3 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Fr 14.05.2021 19:00Uhr 02:39 min

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Maaßen von Innenminister Seehofer in den Ruhestand versetzt

Im November 2018 hatte Bundesinnenminister Horst Seehofer Maaßen dann in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Zur Begründung führte Seehofer eine "inakzeptable" Rede Maaßens bei einem europäischen Geheimdiensttreffen in Warschau an, in der er sich unter anderem wegen seiner Äußerungen zu den Geschehnissen in Chemnitz verteidigt und von teilweise "linksradikalen Kräften" in der SPD gesprochen hatte.

Sächsische Werte-Union befürchtet Radikalisierung

Derweil befürchtet auch die Werte-Union in Sachsen nach der Wahl von Max Otte zum Bundeschef eine Radikalisierung im Vorstand der Strömung. Am Montag distanzierte sich der sächsische Landesvorstand geschlossen von der Wahl. "Wer eine Partei verändern möchte, muss die Akzeptanz der Parteibasis suchen. Dies erscheint uns nun kaum mehr möglich", hieß es in einer Erklärung.

Der Landesvorstand verwies auf die Otte vorgeworfene AfD-Nähe. Otte war laut Medienberichten noch bis Januar 2021 Kuratoriumsvorsitzender der AfD-nahen Desiderius- Erasmus-Stiftung.

Wer eine Partei verändern möchte, muss die Akzeptanz der Parteibasis suchen. Dies erscheint uns nun kaum mehr möglich.

Werte-Union Sachsen

"Vor diesem Hintergrund sahen die sächsischen Kandidaten für weitere Positionen im Bundesvorstand keine Möglichkeit für eine zukünftige konstruktive Zusammenarbeit und zogen, wie auch Vertreter zahlreicher anderer Bundesländer, ihre Kandidatur zurück", teilte der Vorstand mit.

Quelle: MDR THÜRINGEN/ls, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 31. Mai 2021 | 18:00 Uhr

73 Kommentare

Rotti vor 2 Wochen

Für mich ist es eine Einbahnstraße. Wer dazu kommt passt sich an und fertig. Bestes Beispiel Erzgebirge in Steinkohlezeiten. Da wurden auch hunderttausende aufgenommen aus den Ländern Europas. Die haben sich angepasst, integriert und vermischt. Hat alles geklappt. Warum sollte es nicht wieder klappen? Zu den Bedingungen der Mehrheitsgesellschaft?

Fakt vor 2 Wochen

@Rotti:

Dass Intergration keine Einbahnstraße ist, haben Sie noch nicht gehört?
Natürlich müssen die auch die geltenden Gesetze und Regeln befolgen. Darüberhinaus kann man aber nicht verlangen, dass sie ihre Sitten und ihre Kultur über Bord werfen, die in Teilen manchmal sogar erstrebenswerter ist als unsere.
Sollten Sie sich mal mit beschäftigen.

Fakt vor 2 Wochen

@Freiheit stirbt....:

Kann es sein, dass mit Ihrem Textverständnis etwas nicht stimmt oder wissen Sie selber nicht, worauf Sie antworten?
Ihr Hinweis bezüglich einer "Falschaussage" bezog sich auf den Beitrag von martin. Und dessen Aussage war eben keine "Falschaussage.

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