Ausbildung zum Familienbegleiter Kinderhospiz sucht Ehrenamtliche für Familien mit todkranken Kindern

Ein Kind, todkrank. Was Eltern fühlen, wenn das eigene Kind unheilbar krank ist, können sich Außenstehende nicht vorstellen. Um Familien in dieser schwierigen Situation zu unterstützen, bildet der Thüringer Kinderhospizdienst Ehrenamtliche zu sogenannten "Familienbegleitern" aus. In Südthüringen startet die nächste Ausbildung Ende April.

Ein Teddybär sitzt vor einem Kind mit spinaler Muskelatrophie (SMA), das in einem Therapiestuhl sitzt.
Die Pflege eines unheilbar kranken Kindes kann für Familien sehr belastend sein. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Jana Schmidt bildet Ehrenamtliche zu Familienbegleitern aus und begleitet sie bei ihren Einsätzen. Sie ist leitende Koordinatorin des Thüringer Kinderhospizdienstes. In der Ausbildung sei es sehr wichtig, sich die eigenen Kraftquellen bewusst zu machen: "Jeder Ehrenamtliche bestimmt selbst, was er geben möchte und kann", sagt Jana Schmidt. Sie legt Wert darauf, dass eine Leichtigkeit gewahrt wird - von beiden Seiten.

Die Familien müssen keine Anträge stellen, um Unterstützung zu erhalten, es reicht zu sagen: wir haben Bedarf. Gleichzeit darf das Ehrenamt für die Freiwilligen nicht anstrengend werden: "Dann läuft irgendetwas falsch", sagt Jana Schmidt. Wichtig ist ihr auch zu betonen, dass ein Familienbegleiter kein Pflegeersatz ist: "Familienbegleiter übernehmen keine medizinischen Aufgaben."

Unterstützung im Alltag - physisch und psychisch

Viele Familien, die Jana Schmidt betreut, brauchen jemanden der im Alltag mit anpackt - das Kind waschen, es ins Auto heben. Oftmals nutzen die Eltern die Zeit, in der ein Familienbegleiter anwesend ist auch, um sich auszuruhen: "Für viele ist es die einzige Auszeit, die sie haben", sagt Jana Schmidt. Andere wünschen sich, dass der Familienbegleiter etwas mit den Geschwisterkindern unternimmt.

Neben der physischen Unterstützung kann die Anwesenheit des Ehrenamtlichen auch dabei helfen, mit Ängsten und Schmerz umzugehen, beobachtet Jana Schmidt: "Es kann gut tun, mal alle Sorgen auszusprechen." Fakt sei nämlich, dass viele der Familien sehr isoliert seien, weil die Krankheit sehr vereinnahmend ist. Krankenhausaufenthalte und Therapie kosten viel Zeit. Hinzukommt, sagt Jana Schmidt, dass viele Menschen, wenn es um das Thema Krankheit geht, gehemmt sind.

Für die Familie sei es angenehm, dass die Familienbegleiter keine Berührungsängste haben. Es tröste, trotz des dauerhaften Ausnahmezustands auch mal Normalität zu spüren, sagt Jana Schmidt. Es macht sie glücklich zu wissen, dass ihre ehrenamtlichen Schützlinge auch Multiplikatoren sind, die in die Welt hinaustragen, dass das Leben trotz Krankheit viele schöne Momente bereithält.

Das Hier und Jetzt bewusst leben

Auch wenn klar ist, dass die Kinder bald sterben werden, gibt es noch das gemeinsame Hier und Jetzt: "Ich erlebe jeden Tag ganz viel Mut und Lebendigkeit", sagt Jana Schmidt. Gerade wenn die gemeinsame Zeit begrenzt ist, sei es wichtig, die Familien zu entlasten.

Jana Schmidt möchte den Eltern ermöglichen, die gemeinsamen Momente ganz bewusst zu erleben und schöne Erinnerungen zu schaffen. Oft seien es Kleinigkeiten, die Trost spenden - Fotos aufnehmen, Fußabdrücke von dem Kind machen: "Das unterstützt auch den späteren Trauerprozess", sagt Jana Schmidt.

(v.l.n.r.) Katharina Nöthlich und Jana Schmidt vom Thüringer Kinderhospizdienst sitzen auf einer Couch
v.l.n.r.) Katharina Nöthlich und Jana Schmidt vom Thüringer Kinderhospizdienst bilden ehrenamtliche Familienbegleiter aus. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

"Das Ehrenamt erdet mich"

Katharina Nöthlich ist seit über zehn Jahren Familienbegleiterin. Das Ehrenamt erinnere sie immer wieder daran, wie fragil das Leben ist, erzählt sie. Dafür ist Katharina Nöthlich, die selbst Mutter zweier gesunde Kinder ist, dankbar: "Wenn ich von den Familien nach Hause komme und meine Jungs haben wieder irgendwas angestellt, dann denke ich: wenigstens können sie es".

So lerne man das eigene Leben mehr zu schätzen, sagt sie. Zwischen zwei und fünf Stunden in der Woche plant Katharina Nöthlich für ihr Ehrenamt ein. Dank der guten Ausbildung habe sie sich noch nie überfordert gefühlt, erzählt sie. Das Ehrenamt bedeutet für die 40-jährige aber nicht nur zu geben: "Ich schenke meine Zeit, bekomme aber ganz viel für mein Herz zurück".

Ausbildungsstart zum ehrenamtlichen Familienbegleiter Ende April

Der Kinderhospizdienst in Südthüringen sucht auch aktuell wieder Menschen, die sich zu ehrenamtlichen Familienbegleitern ausbilden lassen wollen. Die nächste Ausbildung startet Ende April und dauert etwa ein Dreivierteljahr. Sie findet berufsbegleitend an Abenden und am Wochenende statt. Interessierte können sich bei Koordinatorin Jana Schmidt telefonisch unter 0151 61314307 oder per E-Mail unter jana.schmidt@thueringer-kinderhospizdienst.de melden.

Mehr zum Thema

Der Moderator steht an einer Grünfläche 44 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Voss & Team Do 25.06.2020 20:15Uhr 43:56 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Religion

Diskussion um Pränataltests mit Video
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Religion

Ein Mann und eine Frau neben ihren Kindern; ein Junge sitzt im Rollstuhl mit Video
Bildrechte: MDR/Kirsten Kofahl

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 02. April 2021 | 18:40 Uhr

1 Kommentar

helmut57 vor 5 Wochen

Im Grunde eine feine Sache, aber eben nicht für jeden. Das braucht viel Einfühlungsvermögen und Stärke. Ich wünsche diesen Familien viel Kraft.

Mehr aus der Region Suhl - Schmalkalden - Meiningen

Mehr aus Thüringen