Schmalkalden-Meiningen Jüdisches Erbe: Begegnungsstätte für Jugendliche unterschiedlichen Glaubens in Berkach geplant

Im südthüringischen Berkach soll ein Begegnungszentrum für Jugendliche unterschiedlichen Glaubens entstehen. Die Idee wurde bei einer Veranstaltung im Rahmen des Themenjahres "Neun Jahrhunderte Jüdisches Leben in Thüringen" in der Synagoge in Berkach vorgestellt.

Berkach Jüdisches Erbe
Die Delegation betritt die Mikwe, ein jüdisches Ritualbad, in Berkach. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

An jeder Ecke stand am Dienstagabend in Berkach ein Polizeiauto. So viel Polizeipräsenz ist das 350-Seelen-Dorf in der südthüringischen Gemeinde Grabfeld nicht gewohnt.

Grund für das Aufgebot war die Veranstaltung "Tora ist Leben", die im Rahmen des laufenden Themenjahres "Neun Jahrhunderte Jüdisches Leben in Thüringen" in der Synagoge stattgefunden hat. Neben einem Vortrag des Präsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, wurde auch der Plan zur Gründung einer interreligiösen Begegnungsstätte in Berkach für Jugendliche vorgestellt.

Josef Schuster 3 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Mi 17.03.2021 19:00Uhr 02:35 min

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Das besondere jüdische Erbe von Berkach

Obwohl es in Berkach keine jüdische Gemeinde mehr gibt, ist jüdisches Leben im Dorf überall zugegen. Neben der Synagoge ist die ehemalige jüdische Schule, die Mikwe (ein jüdisches Ritualbad), und der jüdische Friedhof in Berkach erhalten. Dieses sogenannte "jüdische Ensemble" gilt als einmaliges historisches Zeugnis des einstigen Landjudendtums in Thüringen. Symbolisch für das einstige solidarische Miteinander der jüdischen und christlichen Gemeinde in Berkach: Der Blick aus dem Fenster über dem Altar in der Synagoge fällt direkt auf den nahe gelegenen Kirchturm. Wie selbstverständlich das Zusammenleben bis zum traumatischen Bruch war, illustriert auch die Überlieferung, dass die Chöre der Gemeinden einst aus Mangel an Sängern zusammengelegt wurden.

Heute wird die Synagoge in Berkach als Kulturstätte genutzt. Die Gemeinde Grabfeld und die Organisatoren der Veranstaltung planen aus der ehemaligen jüdischen Schule eine Begegnungsstätte für Jugendliche unterschiedlichen Glaubens zu machen. Durch gemeinsame Aktivitäten und Projekte soll der Austausch zwischen jungen Menschen jüdischen, muslimischen, christlichen Glaubens und auch Atheisten gefördert werden.

Berkach Jüdisches Erbe
v.l.n.r. Prof. Dr. Reinhard Schramm (Vorsitzender Jüdische Landesgemeinde Thüringen), Josef Schuster (Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland) und Thomas Meier (Jüdisches Ensemble Berkach). Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Schuster: Wissen über das Judentum fehlt 

Josef Schuster begrüßte das Vorhaben in seiner Ansprache. Für die meisten Menschen sei das Judentum eine unbekannte Welt. Dieses weitverbreitete Unwissen sei Nährboden für Vorurteile gegenüber Juden und dem Judentum. In der aktuellen Zeit, in der der Antisemitismus zunehme und der Ausdruck "Du Jude" an Schulen wieder als Schimpfwort genutzt werde, sei es so dringend wie nie, Bildung zu fördern und Begegnung zu ermöglichen. Auch sei es wichtig, dass das Judentum nicht nur im Zusammenhang mit dem Holocaust diskutiere werde. Berkach sei ein eindrücklicher Beleg dafür, dass deutsche Kultur auch jüdische Kultur sei und daher der richtige Ort für die geplante Bildungsstätte, so die Worte von Schuster.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 17. März 2021 | 17:30 Uhr

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