Reichweite Ukraine-Krieg: Biathlet Erik Lesser überlässt Instagram-Account ukrainischer Biathletin

Biathlet Erik Lesser hat angesichts des russischen Angriffskrieges in der Ukraine seinen Instagram-Account für 24 Stunden der ukrainischen Biathletin Anastasiya Merkushyna überlassen.

Erik Lesser
Will seine Reichweite in Russland für die Wahrheit nutzen: Erik Lesser. Bildrechte: imago images/Eibner Europa

Lesser sagte nach seinem Rennen in Kontiolahti: "Ich habe festgestellt, dass ich 30.000 Follower aus Russland auf Instagram habe. Ich glaube, der russischen Bevölkerung ist nicht ganz klar, was in der Ukraine abgeht". Deshalb habe er entschieden, seine "Reichweite dafür zu nutzen, dass in Russland mehr Leute wirkliche Nachrichten bekommen", erklärte Lesser: "Wenn ich jetzt irgendetwas poste, glaubt mir das kein Mensch. Aber wenn eine Ukrainerin das macht, ist das schon ganz ordentlich."

In einem Post der Sportlerin heißt es etwa, dass der Krieg nun keine Seite in einem Lehrbuch über den Zweiten Weltkrieg ist, sondern das wirkliche Leben. Viele Athleten seien Offiziere der russischen Armee, die vielleicht auch bald kämpfen müssten. Anastasiya Merkushyna fragt beispielsweise auch, wie sich russische Athleten über Wettkampfverbote ärgern könnten, wo doch "Ihr Land unserem Land Maschinengewehre an die Köpfe setzt?"

Ein zweiter Instagram-Post zeigt Trümmer in der Stadt Tschernihiw, aufgenommen von einem Freund Merkushynas. Darunter schreibt sie, dass in der Nähe des Biathlon-Schießstandes die Gebäude im Zentrum der Stadt beschossen wurden.

Bisher sind "noch nicht viele" Lesser bei Instagram entfolgt

Lesser hofft, mit der Aktion noch "zwei, drei andere" gewinnen zu können, die aus der Ukraine berichten. "Es sind traurige Zeiten, ich hoffe, dass es ein bisschen was bringt", sagte der Sportsoldat. Ihm seien auch noch "nicht so viele" entfolgt. Im Gegenteil. Lessers Account hat mittlerweile über 130.000 Follower (Stand Sonntagmorgen), allein von Samstag auf Sonntagmorgen kamen mehr als 12.000 dazu.

In Russland genießt der Doppel-Weltmeister von 2015 große Sympathien - aufgrund einer noblen Geste. Er hatte im Januar dem russischen Biathlet Eduard Latipow mehrere Sportgeräte überlassen, als dieser kurz vor dem Beginn des Weltcups in Oberhof positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Latipow musste für zwei Wochen in Quarantäne und konnte dank Lesser Sport in seinem Hotelzimmer treiben.

Der Wahl-Oberhofer Lesser, der nach dem Saisonende seine Karriere beenden wird und in Zukunft als Trainer arbeiten will, habe sich in den vergangenen Tagen "viele Gedanken" gemacht, was er persönlich machen könne. "Zu Hause packen wir ein paar Sachen zusammen, die in die Ukraine kommen. Medikamente, Windeln, Hygieneartikel", sagte der 33-jährige Thüringer.

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MDR (SID,ifl)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Nachmittag | 05. März 2022 | 18:00 Uhr

11 Kommentare

Kritische vor 15 Wochen

Es ist auch unser Gedanke, dass jeder, der die Möglichkeit hat, den Russen in Russland sagen und zeigen muss, was in der Ukraine passiert. Die Russen wollen sicher auch nicht für einen Irren sterben. Die Bilder von den Millionen Flüchtlingen, die Frauen und Kinder, die zerrissenen Familien und die Meldungen aus den belagerten Städten müssen irgendwie dorthin gelangen und die Bevölkerung in Russland muss aufwachen, sie muss irgendwann sehen, dass sie selbst Kanonenfutter in einem perversen Plan eines seit Jahren von der Außenwelt abgeschotteten Diktators sind. Einige haben es bereits gemerkt und fliehen nach Finnland.

Frau K. vor 15 Wochen

@Tamico
Haben sie nicht mitbekommen, das das Mediengesetz geändert wurde?
Putin selbst hat es unterschrieben. Vielleicht wollen sie mal vor Ort die Lage überprüfen und sagen laut das Wort Angriff oder Krieg oder....

DER Beobachter vor 15 Wochen

Aus den Reise- und Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amts: "Seit Samstag, 5. März 2022, gilt in der Russischen Föderation ein neues Mediengesetz, das die willkürliche Verhängung hoher Haftstrafen für öffentliche Äußerungen ermöglicht. Das schränkt die Arbeit ausländischer Journalisten und Medienschaffenden weiter ein. Dies hat namhafte westliche Medien dazu veranlasst, ihre Tätigkeit in Russland kurzfristig einzustellen. Auch private Äußerungen in sozialen Medien können nach diesem neuen Gesetz in der Russischen Föderation mit unberechenbaren persönlichen Risiken verbunden sein. Es wird zu äußerster Zurückhaltung oder alternativ zur Ausreise geraten." Es ist sehr mutig und sehr ermutigend, dass es menschen wie Lesser gibt. Und auf unseren Straßen spielen weiter Brüllaffen die russische Klaviatur...

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