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In den Biogasanlagen soll mithilfe des Pyrolyseverfahrens aus Bioabfall Biogas werden. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

EnergieversorgungStadtwerke Meiningen wollen mit Vergäranlage unabhängiger werden

von MDR THÜRINGEN

Stand: 18. Mai 2022, 17:51 Uhr

In Meiningen soll in Zukunft aus Bioabfällen Biogas werden. Die Stadtwerke wollen damit unabhängiger von Energielieferanten werden. Eine neue Anlage soll bis zu 20 Prozent des jährlichen Gas-Verbrauchs der Stadt produzieren.

Die Meininger Stadtwerke wollen durch den Bau einer Vergäranlage von externen Energielieferanten unabhängiger werden. Wie ein Sprecher am Mittwoch sagte, kann die Anlage Bioabfälle klimaneutral zu Biogas umwandeln. Unter anderem können Lebensmittelreste, Grünschnitt oder Rinde in der Anlage verarbeitet werden. Hohe Temperaturen sorgen dann mit Hilfe sogenannter Pyrolyse dafür, dass aus dem Bioabfall Biogas wird.

Pyrolyse

Bei der Pyrolyse handelt es sich um eine thermochemische Spaltung organischer Verbindungen unter Sauerstoffausschluss. Dabei werden mit Temperaturen zwischen 500 und 900 Grad Kohlenstoffverbindungen aufgespalten und größere Moleküle in kleine zerlegt. Dadurch werden die Ausgangsmaterialien in andere chemische Substanzen aufgespalten. Dabei entstehen abhängig von Zeit, Temperatur und chemischer Zusammensetzung sogenanntes Pyrolyseöl, Pyrolysegas und Koks. Mit dem Pyrolyseverfahren können etwa Biomasse, Kunststoff, Klärschlamm oder Altreifen recycelt werden.

Die Menschheit nutzt das Verfahren schon seit Jahrtausenden. Während der Mittelsteinzeit wurde so Teer und Pech hergestellt. Bis heute wird mithilfe dieses Verfahrens etwa aus Holz Holzkohle hergestellt. Auch bei der Backofen-Selbstreinigung wird das Pyrolyseverfahren genutzt.

Baustart für 2024 geplant

Während der Produktion fällt zum einen Pflanzenkohle ab. Diese eignet sich als Dünger, um Böden fruchtbarer und hitzeresistenter zu machen. Zum anderen entsteht bei der Vergärung CO2, die die Meininger Stadtwerke für Lebensmittelproduzenten aufbereiten wollen. Denkbar wäre etwa, das abfallende CO2 an lokale Bierbrauereien weiterzugeben, sage der Sprecher.

Auf diese Weise soll die Biogas-Gewinnung in der Vergäranlage komplett klimaneutral sein. Laut Planer Christoph Sommerfeldt gilt dies für den gesamten Prozess. Von der Abholung der Biomülltonne über die Stromerzeugung bis hin zur Einspeisung ins Stromnetz soll alles klimaneutral bleiben. Darüber hinaus soll das Fünf- bis Zehnfache an Energie erzeugt werden, die von der Anlage verbraucht wird, sagte Sommerfeldt. Laut den Stadtwerken soll die Anlage bis zu 20 Prozent des jährlichen Gas-Bedarfs der gesamten Stadt Meiningen decken können. Der Baustart ist für 2024 geplant.

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MDR (jn)

Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 18. Mai 2022 | 12:30 Uhr

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