Abfallwirtschaft Schmalkalden-Meiningen: Die Biotonne kommt - was zu beachten ist

Der Landkreis Schmalkalden-Meiningen führt ab Januar 2025 die Biotonne ein. Gleichzeitig wird die Zahl der Grünschnittstellen reduziert. Doch welche Ausnahmen gelten für die braune Tonne? Und was darf überhaupt hinein? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Ein Mitarbeiter der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung schiebt zwei braune Tonnen mit Biomüll.
Ab Januar 2025 sind auch im Landkreis Schmalkalden-Meiningen Biotonnen Pflicht. (Symbolfoto) Bildrechte: dpa

Zu Schwarz, Blau und Gelb gesellt sich im Landkreis Schmalkalden-Meiningen künftig auch Braun. Grundsätzlich bekommt ab dem 1. Januar 2025 jeder Haushalt verpflichtend eine braune Biotonne.

Damit reagiert der Landkreis auf die Vorgaben des sogenannten Kreislaufwirtschaftsgesetzes. Dieses fordert, dass Bioabfälle möglichst energetisch verwertet werden. Bei mehreren Hausmüllanalysen in den vergangenen Jahren im Landkreis lag der Anteil an organischen Abfällen, die im Restmüll landen, bei mehr als 40 Prozent. Das überschreitet die gesetzlichen Vorgaben und schreibt damit die Biotonne vor.

Gründstückseigentümer haben mehrere Optionen

Der Landkreis will noch in diesem Herbst eine Bedarfsabfrage starten. Dazu werden alle Grundstückseigentümer per Brief angeschrieben. Diese können dann zwischen verschiedenen Behältergrößen wählen: Angeboten werden 80, 120 oder 240 Liter Volumen. Die Tonne soll alle zwei Wochen entleert werden. Kleinen Haushalten bietet der Landkreis an, sich für sogenannte Nachbarschaftstonnen anzumelden. Auf diese Weise kann man sich mit Nachbarn eine Tonne teilen.

Bioabfall-, Papiertonne und Gelbe Tonne
Die braune Tonne vervollständigt künftig das Tonnen-Angebot in Landkreis (Symbolbild). Bildrechte: imago/mm images/bildagentur-n

Ausnahmen sind möglich - mit aufwendigen Nachweisen

Wer seine Bioabfälle selbst kompostiert, kann sich von der Biotonnen-Pflicht befreien lassen. Dafür muss er oder sie nachweisen, dass die Bioabfälle vollständig und fachgerecht verwertet werden. Eine entsprechende Erklärung muss im Rahmen der Abfrage, die der Landkreis in den nächsten Wochen postalisch vornimmt, eingereicht werden.

Folgende Belege müssen Selbstkompostierer dann vorlegen: ein Grundbuchauszug oder eine Liegenschaftskarte, um nachzuweisen, dass es sich um Grundeigentum handelt. Darüber hinaus muss angegeben werden, um welche Art der Kompostierung es sich handelt (zum Beispiel geschlossene Behälter, Lattenkompost oder Kompost-Miete). Als Beleg müssen Grundstückseigentümer Fotos einreichen. Auch Aufbringungsflächen, wie etwa Beete, müssen per Foto nachgewiesen werden. Hierbei gilt eine Mindestgröße von 25 Quadratmetern pro Person.

Mikroorganismen als Helfer Mit dem Bokashi-Eimer aus Küchenabfällen Dünger machen

Flüssiger Dünger und nährstoffreicher Kompost aus Küchenabfällen: Der Bokashi-Eimer sorgt für beides. Küchenabfälle werden darin mit Hilfe von Mikoroorganismen innerhalb weniger Wochen zersetzt. Wir zeigen, wie's geht.

Auf einer umgedrehten Zink-Wanne in einem Kleingarten stehen ein grauer Bokashi-Komposteimer mit grünem Deckel und aufgeklebten Blüten, eine Schüssel mit Küchenabfällen, eine dunkle Sprühflasche, ein Schraubglas, ein Plastikgerät zum Andrücken des Komposts im Bokashi-Eimer und eine Tüte aus Kunststoff mit der Aufschrift Bokashi-Ferment
Um aus Küchenabfällen Dünger und Kompost zu gewinnen, können Sie einen Bokashi-Eimer verwenden. Er spart Platz und eignet sich daher auch für den Balkon. Der Deckel schließt den Eimer luftdicht ab. So wird auch dafür gesorgt, dass der Bokashi keinen unangenehmen Geruch verströmt. Unten kann die nährstoffreiche Flüssigkeit entnommen werden. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius
Auf einer umgedrehten Zink-Wanne in einem Kleingarten stehen ein grauer Bokashi-Komposteimer mit grünem Deckel und aufgeklebten Blüten, eine Schüssel mit Küchenabfällen, eine dunkle Sprühflasche, ein Schraubglas, ein Plastikgerät zum Andrücken des Komposts im Bokashi-Eimer und eine Tüte aus Kunststoff mit der Aufschrift Bokashi-Ferment
Um aus Küchenabfällen Dünger und Kompost zu gewinnen, können Sie einen Bokashi-Eimer verwenden. Er spart Platz und eignet sich daher auch für den Balkon. Der Deckel schließt den Eimer luftdicht ab. So wird auch dafür gesorgt, dass der Bokashi keinen unangenehmen Geruch verströmt. Unten kann die nährstoffreiche Flüssigkeit entnommen werden. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius
Eine Hand drückt mit einem Spatel aus schwarzem Kunststoff die Küchenabfälle in einem grauen Bokashi-Komposteimer fest
Geben Sie organische Küchenabfälle, das heißt Schalen von Obst und Gemüse, Kaffesatz oder Tee mit Filter und Speisereste ohne Knochen oder Gräten, in den Bokashi-Eimer. Zerkleinern Sie die Abfälle, um die Zersetzung zu erleichtern. Sie können auch Schnittblumen, Eierschalen und Reste von Pflanzen hineingeben, sofern diese nicht von Krankheiten und Schädlingen befallen sind. Wichtig: Achten Sie auf eine gute Mischung unterschiedlicher Abfälle, schneiden Sie diese möglichst klein und drücken Sie sie ordentlich fest. Dazu gibt es eine Kelle, die bei manchen Herstellern mit dem Eimer geliefert wird. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius
Eine Hand sprüht mit einer dunklen Sprühflasche Wasser in einen grauen Bokashi-Komposteimer
Jedes Mal, wenn neue Küchenabfälle im Sammelbehälter landen, müssen sie mit "Effektiven Mikroorganismen" (EM) besprüht werden. Diese flüssige Mischung enthält Bakterien und Pilze, die bei der Fermentierung der Abfälle helfen und zum gesunden Wachstum von Pflanzen beitragen sollen. EM gibt es im Handel oder im Internet zum Bestellen. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius
Eine Hand verteilt eine braune, krümelige Masse, das sogenannte Bokashi-Ferment, über einem grauen Bokashi-Komposteimer
Anschließend wird noch Bokashi-Ferment, das ebenfalls Effektive Mikororganismen enthält, in den Eimer gestreut. Es ist allerdings nicht nötig, beides gleichzeitig zu verwenden (flüssige EM und Ferment) - Sie können sich für eine Lösung entscheiden. Es kommt darauf an, ob eher trockene oder sehr feuchte Abfälle bei Ihnen in den Eimer wandern. Verwenden Sie dann entweder die EM-Flüssigkeit zum Besprühen oder trockenes Ferment, um überschüssige Feuchtigkeit aufzunehmen. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius
Hände drücken einen Müllbeutel mit Sand darin auf den Inhalt eines gefüllten grauen Bokashi-Komposteimers
Ein mit Sand gefüllter Müllbeutel als abschließende Schicht drückt die Abfälle im Bokashi-Eimer zusammen und sorgt für einen luftdichten Abschluss. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius
Zwei Hände befestigen den flachen, hellgrünen Deckel auf einem gefüllten grauen Bokashi-Komposteimer
Öffnen Sie den Bokashi-Eimer nur selten, so lange er noch befüllt wird, um die chemischen Prozesse im Inneren so wenig wie möglich zu stören. Sie können zum Beispiel den Küchenabfall sammeln und alle zwei bis drei Tage in den Bokashi-Eimer geben, bis dieser voll ist. Verschließen Sie den Behälter stets gut und lassen ihn drei Wochen bei Zimmertemperatur stehen, wenn er voll ist. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius
Aus einer Öffnung mit einer Art Zapfhahn am unteren Teil eines Bokashi-Komposteimers läuft violette Flüssigkeit in einen Becher aus Kunststoff
Der Sickersaft muss alle zwei bis drei Tage abgelassen werden. Sie können ihn verdünnt als Dünger verwenden. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius
MDR Garten-Redakteur und Kleingärtner Jörg Heiß hockt neben einer grünen Gießkanne in seinem Kleingarten auf einer Rasenfläche und hält einen kleinen Becher aus Kunststoff mit einer violetten Flüssigkeit darin in der linken Hand, während er mit der rechten Hand auf die 10-Liter-Markierung am oberen Rand der Gießkanne zeigt
Um mit der Flüssigkeit zu düngen, verwenden Sie ein Mischverhältnis von 1:100. Sie können zum Beispiel 10 Milliliter Sickersaft aus dem Bokashi-Eimer auf einen Liter Wasser geben und als Dünger nutzen. Den Bokashi-Kompost selbst können Sie als Kompostbeschleuniger im Garten verwenden oder direkt in die Erde einarbeiten - jedoch nicht zu nahe bei Pflanzen, sondern in erster Linie zur Verbesserung des Bodens. Bevor Sie den Bokashi-Eimer erneut befüllen, sollten Sie ihn gründlich reinigen. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius
MDR Garten-Redakteur Jörg Heiß hockt in seinem Kleingarten neben einer Gießkanne und hält eine braune Flasche mit einer Flüssigkeit, in der verschiedene Bakterien und Pilze enthalten sind,
Effektive Mikoroorganismen können übrigens auch als Kompostbeschleuniger für den herkömmlichen Komposthaufen im Garten verwendet werden. Oder Sie nutzen ein Hausmittel: Aus Zucker, Hefe und Wasser kann ebenfalls flüssiger Kompostbeschleuniger gemischt werden. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 07. März 2021 | 08:30 Uhr

Was kommt in die Biotonne?

In die Biotonne kommen alle organischen Küchenabfälle - wie Obst-, Gemüse- und gekochte Essensreste, Milchprodukte ohne Verpackung, Brot, Brötchen, Eierschalen et cetera. Auch Kaffeefilter und Kaffeesatz sowie Teebeutel dürfen rein.

Darüber hinaus sind auch kleine Mengen Kleintierstreu aus Holzspänen, Stroh und Heu erlaubt, genauso wie kleinteilige Gartenabfälle. Dazu gehören zum Beispiel Rasen-, Baum- und Strauchschnitt, Baumrinde, Blumen, Blumenerde, Laub, Nadeln, Pflanzen, Reisig, Moos, Unkraut und Zweige.

Bisher hat der Landkreis Schmalkalden-Meiningen in größeren Siedlungsgebieten über sogenannte "Specki-Tonnen" Küchenabfälle eingesammelt. Mit der Biotonne entfallen die Specki-Tonnen.

Berlin wirbt mit einem Plakat für Mülltrennung
Gemeinden müssen Müll trennen und werben dafür - wie hier in Berlin. Bildrechte: IMAGO

Künftig weniger Grünschnittstellen

Mit der Einführung der Biotonne wird außerdem die Zahl der Grünschnitt-Annahmestellen reduziert. Von den bisherigen etwa 75 sollen maximal 35 bleiben. Der Landkreis verspricht, das Netz der verbleibenden Annahmestellen so zu gestalten, dass niemand weiter als zwölf Kilometer fahren muss. Diese Änderungen sollen schon ab 2023 umgesetzt werden.

Wie sich die Einführung der Biotonne auf die Abfallgebühr auswirkt, entscheidet sich erst 2024. Klar ist dagegen, dass der Bioabfall künftig dafür genutzt werden wird, Energie zu erzeugen.

Aus Bioabfall kann Biogas und Komposterde werden.

Laut einem Gutachten des Landkreises, das auch die Transportwege für das Einsammeln des Bioabfalls berücksichtigt, wird sich die Biotonne positiv auf die CO2-Bilanz auswirken.

Denn mithilfe von Vergärung kann aus dem Bioabfall klimaneutrales Biogas hergestellt werden. Zudem kann aus den Abfällen ökologische Komposterde als Alternative zu mineralischen Düngern und Torf gewonnen und in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden. Der Landkreis rechnet mit rund 7.200 Tonnen verwertbaren Bioabfällen pro Jahr.

MDR (fra)

Mehr zu Energiegewinnung aus Abfällen

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 07. Oktober 2022 | 13:00 Uhr

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