Mobilität Wenn der (E-)Bus nicht mehr fährt: Reaktionen auf verkleinertes Angebot in Meiningen

Die Meininger Busbetriebs GmbH streicht Stationen aus ihrem Liniennetz. Das Argument: Die betroffenen Strecken würden zu wenig genutzt und seien daher nicht rentabel. MDR THÜRINGEN hat Anwohner und Busfahrer nach einer Einschätzung gefragt.

Ein Busfahrplan hängt an einem Gartenzaun.
Ein Sorgengrund für manche, sollte der Bus hier nicht mehr regulär fahren. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Den ÖPNV weiter ausbauen, das ist eigentlich das große Ziel. Die Meininger Busbetriebs GmbH, kurz MBB, macht allerdings genau das Gegenteil. Vergangene Woche hat sie angekündigt, ihr Liniennetz im Meininger Stadtgebiet ab dem 28. August zu verkleinern.

Betroffen ist der nördliche Rohrer Berg im Ostteil der Stadt. Der "Obere Panoramaweg" ganz oben am Berg soll künftig gar nicht mehr angefahren, die unteren Straßen mit Rufbussen abgedeckt werden. Neben der geringen Auslastung nannte das Verkehrsunternehmen auch als Argument, dass die kleinen E-Busse der Flotte wegen Konstruktionsfehlern ausgesondert werden müssen und es damit zu wenig Fahrzeuge gibt. Für normale Omnibusse sind die Wege am Berg zu eng.

Ein Bus auf einem Parkplatz neben Autos.
Die E-Busse sondert die MBB aus. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Wenige Fahrgäste unterwegs

An einem willkürlich gewählten Werktag in den Ferien, sitzen in einem Vormittagsbus der Linie 14, die durch Rufbusse ersetzt werden soll, tatsächlich nur drei Fahrgäste. Repräsentativ ist das natürlich schon allein wegen der Urlaubszeit nicht. Laut einem Busfahrer und einer Busfahrerin, die die Linie fahren, variiert das Fahrgäste-Aufkommen auch sonst abseits der Ferien je nach Uhrzeit sehr.

Wie allgemein im Straßenverkehr gibt es am Morgen und gegen Nachmittag eine Spitze. Zu den restlichen Tageszeiten komme es durchaus auch mal zu Leerfahren. Die Busfahrerin könne aus diesem Grund die Maßnahmen der MBB schon nachvollziehen.

Ein Busfahrer in seiner Fahrerkabine.
Die Busfahrer geben an, dass die Linie 14 normalerweise unterschiedlich stark genutz wird. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Ältere Menschen vom Angebot abhängig

Fakt ist zugleich, so bestätigte es auch Meiningens Bürgermeister Fabian Giesder, dass es eine wenngleich auch zahlenmäßig kleine Gruppe vor allem älterer Menschen gibt, die auf den Bus angewiesen sind. Eine von ihnen ist auch heute mit der Linie 14 unterwegs. Dass ihre Station bald nicht mehr regulär, sondern nur mit Rufbussen angefahren wird, wusste sie noch gar nicht.

Was passiert, wenn ich kurzfristig erkranke, kurzfristig einkaufen muss?

Fahrgästin im Meininger Bus

Die Rufbus-Fahrten müssen laut der MBB mindestens 24 Stunden vorher angemeldet werden. Diese Information löst bei der älteren Dame Fragen aus: "Was passiert, wenn ich kurzfristig erkranke, kurzfristig einkaufen muss?"

Busse auf einem Parkplatz.
Die regulären Busse sollen auf manchen Strecken Rufbussen weichen. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Busfahrer: Rufbusse schlecht planbar

Der Busfahrer erzählt, dass er schon andere ähnliche Gespräche geführt hat: "Eine Dame hat mir gesagt, sie schlafe ganz schlecht, weil sie nicht weiß, wie sie dann in die Stadt kommen soll." Eine Hinfahrt anzumelden, sei weniger das Problem. Aber nicht immer könne man vorher wissen, wie lange man unterwegs ist. Seiner Ansicht nach wäre es gut gewesen, mindestens eine Fahrt morgens und eine Fahrt abends regulär anzubieten.

Bürgermeister kritisert Entscheidung

Entschieden hat die MBB über die Änderungen gemeinsam mit dem Landkreis, er ist für den ÖPNV zuständig. Von Meiningens Bürgermeister Fabian Giesder kommt deshalb Kritik. Eigentlich müsste die Politik doch das entgegengesetzte Signal senden: "Und den ÖPNV so attraktiv machen, dass mehr Menschen umsteigen."

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MDR (dst)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 10. August 2022 | 18:28 Uhr

18 Kommentare

Harka2 vor 8 Wochen

@O.B.
Das ist Wunschdenken. Gerede wird viel, allein es fehlt der politische Wille. In Thüringen sind seit der Wende tausende Kilometer Bahngleise verschwunden und nur die 20 km zwischen Weimar und Jena-West wurden zweigleisig ausgebaut. In Arnstadt hat man sogar den Fahrdraht wieder abgehängt. Die Politik redet und redet und redet, aber es passiert nichts. Der Nahverkehr ist so uninteressant wie der Güterverkehr. Als Propaganda gut zu gebrauchen, die Realität sieht anders aus.

O.B. vor 8 Wochen

Genau, am besten wir legen ein alter fest wo es dann genug ist, damit sie nicht anderer leute probleme tragen weil sie ja alles selber bewältigen und nicht profitieren. Guter Plan hoffe nur sie haben noch genug Jahre bis zum besagten Zeitpunkt. 🤦‍♂️

O.B. vor 8 Wochen

Alte sollen mobil sein 🤣🤣🤣👍. Wozu? Damit sie 0,05 Cent sparen und nicht wie in einem Sozialstaat üblich gemeinschaftlich Kosten und Ausgaben bewältigen? Wenn Sie wüssten wieviel Ihres Gehaltes abgezogen wird für Menschen die nicht einen Finger krum gemacht haben für dieses Land dann würden sie kaum über diese Cent nachdenken.

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Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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