Corona-Pandemie Trotz hoher Infektionszahlen: Meininger Stadtrat legt Öffnungsstrategie vor

Der Landkreis Schmalkalden-Meiningen war in den vergangenen Wochen einer der Corona-Hotspots in Thüringen. Zwar ist die Zahl der Neuinfektionen zuletzt gesunken, mit einem Inzidenzwert von 205 sind mögliche Lockerungen jedoch immer noch in weiter Ferne. Laut aktueller Corona-Verordnung darf erst gelockert werden, wenn der Inzidenzwert stabil unter 100 liegt. Dennoch hat die Stadt Meiningen jetzt einen Öffnungsplan vorgelegt.

Die Altstadt von Schmalkalden von oben
Das vom Stadtrat Meiningen beschlossene Strategiepapier mit dem Titel „Öffnen mit Sicherheit“ greift vier Aspekte auf: Testen, Impfen, Nachverfolgung und Abstandsregeln. Bildrechte: dpa

Die Stadt Meiningen möchte vorbereitet sein. Auch wenn die geltende Corona-Verordnung dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen Lockerungen derzeit verbietet, hat der Stadtrat eine Öffnungsstrategie beschlossen. Ziel soll sein, Menschen mit einem negativen und maximal 24 Stunden alten Schnelltest wieder zu erlauben, Einzelhandel, Gastronomie und kulturelle Veranstaltungen zu besuchen.

Inzidenzwert soll nicht alleiniges Kriterium sein

Meiningens Bürgermeister Fabian Giesder (SPD) kritisiert, dass derzeit allein der Inzidenzwert über Lockerungen entscheide, und plädiert anstelle dessen dafür, die Situation in den Kliniken stärker in den Fokus zu nehmen. Im Helios Klinikum Meiningen etwa, sei die Lage seit Wochen stabil. Nach Angaben der Stadt liegt die Auslastung der Intensivstation in dem örtlichen Krankenhaus aktuell bei circa 50 Prozent, wovon etwa die Hälfte Covid-Patienten sind. Das Krankenhaus widerspricht gegenüber MDR THÜRINGEN allerdings dieser Darstellung: "Die Auslastung der Intensivstation im Helios Klinikum Meiningen liegt seit Beginn der Corona-Pandemie zwischen 95 und 100 Prozent", so Sprecherin Tamara Burkardt. "Rund die Hälfte dieser Auslastung geht auf Patienten mit einer Covid-19-Infektion zurück, die übrigen Plätze sind mit intensivpflichtigen Nicht-Covid-Patienten belegt." Vor Beginn der Pandemie habe die Gesamtauslastung der Betten im intensivmedizinischen Bereich durchschnittlich bei rund 85 Prozent gelegen.

Laut Stadt sind die letzten signifikanten Anstiege der regionalen Inzidenz auf Infektionsherde in Altenheimen zurückzuführen. Beides zeige, dass nicht allein der Inzidenzwert das Kriterium für die Aufhebung der Corona-Beschränkungen sein dürfe, so die Schlussfolgerung des Stadtrats.

Wie sieht die beschlossene Öffnungsstrategie aus?

Das vom Stadtrat mit großer Mehrheit (eine Gegenstimme kam aus der AfD-Fraktion) beschlossene Strategiepapier mit dem Titel "Öffnen mit Sicherheit" greift vier Aspekte auf: Testen, Impfen, Nachverfolgung und Abstandsregeln. Schon seit dem 22. März betreibt die Stadt Meiningen ein stationäres Testzentrum. Der Stadtrat möchte die Öffnungszeiten bei Bedarf auch auf das Wochenende ausweiten, damit tagesaktuelle Test-Bescheinigungen ausgestellt werden können.

Neben dem Testen soll per Luca-App eine digitale Kontaktnachverfolgung gewährleistet werden. Der Stadtrat hat angekündigt, schon jetzt 40.000 Luca-Schlüsselanhänger mit QR-Codes zu kaufen, damit auch Menschen ohne Smartphone die App benutzen können. Geplant sei auch, dass Touristen die Schlüsselanhänger kostenlos erhalten können, sagte Bürgermeister Fabian Giesder. Die anfallenden Kosten will die Stadt tragen.

Darüber hinaus möchte die Stadt Meiningen auch dafür sorgen, dass sich das Impftempo in der Region erhöht. Zu diesem Zweck hat die Stadt angeboten, die Räumlichkeiten zu stellen, um in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt ein überregionales Impfzentrum einzurichten.

Kein Alleingang, sondern regionaler Ansatz

Der vorgelegte Plan bilde eine erste Grundlage, Änderungen seien jederzeit möglich, hieß es aus dem Stadtrat. Zudem müssten die Abläufe so beschaffen sein, dass Öffnungsschritte innerhalb von 48 Stunden wieder zurückgenommen werden können, wenn die Auslastung in den regionalen Kliniken steigt. Hierbei soll der Krisenstab des Landkreises zusammen mit der zuständigen Gesundheitsbehörde die Entscheidungsmacht besitzen.

Bürgermeister Giesder sagte auch, dass die Stadt Meiningen nicht im Alleingang öffnen wolle, sondern nur gemeinsam mit dem gesamten Landkreis. Eine Konkurrenz zwischen den Nachbarkommunen solle vermieden werden.

Auch wenn aktuell die rechtliche Grundlage fehlt, um das Öffnungskonzept anzuwenden, wolle die Region Teil der Debatte sein, hieß es aus dem Stadtrat. Giesder sagte, die Landesregierung habe auf seine Anfrage signalisiert, den Landkreis Schmalkalden-Meiningen als mögliches Modellprojekt in der nächsten Corona-Verordnung berücksichtigen zu wollen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 07. April 2021 | 19:00 Uhr

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