Eproplast in Schmalkalden Warum ein Thüringer Verpackungshersteller höhere Strompreise fürchtet

Nicht nur die privaten Haushalten klagen in Deutschland über steigende Strompreise. Auch Unternehmen sind betroffen. Viele Großverbraucher haben bisher profitiert, weil sie von der EEG-Umlage weitgehend befreit sind. Doch das ist in Gefahr. Aus Sicht eines Thüringer Kunststoff-Herstellers droht deshalb ein schwerer Wettbewerbsnachteil.

Leere Honigflaschen aus Kunststoff in Produktionsmaschine
In diese Flaschen soll Honig gefüllt werden. Bildrechte: MDR/Florian Girwert

Richtig warm ist es in der Halle der Firma Eproplast in Schmalkalden. Viel Wärme ist auch nötig, denn hier wird Kunststoff verarbeitet. Überwiegend Polyethylenterephthalat (PET), das als Granulat meist aus Schkopau in Sachsen-Anhalt kommt, wird von etwa 90 Beschäftigten in Spritzguss-Maschinen zunächst zu Pre-Formen gemacht. Die sehen ein bisschen aus wie zu kurz geratene Reagenzgläser. Sie werden dann zu Verpackungen für Honig oder Haushaltsreiniger, indem sie auf mehrere hundert Grad erhitzt und mit Druckluft aufgeblasen werden. Je nach Form, in der das passiert, können solche Flaschen dann unterschiedlich aussehen - etwa rund oder flach.

Plastik-Rohlinge werden in Maschine in Flaschenform gebracht
In speziellen Maschinen werden die Pre-Formen aus Kunststoff erhitzt und zu Honigflaschen aufgeblasen. Bildrechte: MDR/Florian Girwert

"Bei dieser Honigflasche zum Beispiel verwenden wir zur Hälfte recyceltes PET", sagt Geschäftsführer Modesto Pesavento. Manche Lebensmitteldiscounter werben inzwischen auch damit, vollständig recyceltes Material einzusetzen. "Aber eigentlich muss man immer einen Teil neues Material zugeben", sagt er. Sonst gebe es zu viel Ausschuss, der Kunststoff sei dann manchmal verfärbt.

Plastikflaschen mit Getränken, Flüssigseife, Schuhcreme, Sirup und Honig
Die Verpackungen aus Schmalkalden werden für verschiedenste Produkte genutzt: Getränke, Flüssigseife, Schuhcreme, Sirup und Honig werden in die Plasteflaschen gefüllt. Bildrechte: MDR/Florian Girwert

Wärme und Druckluft für Plastikherstellung brauchen viel Strom

Damit Wärme und Druckluft sechs Tage pro Woche im Drei-Schicht-Betrieb funktionieren, braucht es viel Strom. Mehrere Gigawattstunden pro Jahr verbraucht das Unternehmen und ist bisher als energieintensiver Betrieb von großen Teilen der Umlage befreit. Das heißt konkret: Statt etwa 20,5 Cent pro Kilowattstunde zahlt Eproplast derzeit 14 Cent, weil der Anteil der Energiekosten im Betrieb besonders hoch ist. Diese Befreiung gilt aber als staatliche Beihilfe - und die Regeln dafür überarbeitet die Europäische Union derzeit. Nach einem ersten Entwurf der neuen Regeln dürfte der Rabatt nicht mehr gewährt werden. Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 die CO2-Emissionen um 55 Prozent zu senken. Eine Reihe von Verbänden hat sich dagegen ausgesprochen, eine Entscheidung soll nach Angaben der EU-Kommission bis Jahresende fallen.

Kunststoff-Granulat als Ausgangsstoff für Plastikflaschen
Granulat ist der Ausgangsstoff für die Verpackungen. Hier ist es recycelter Kunststoff. Der kann je nach Anforderung des Bestellers einen Anteil bis zu 100 Prozent ausmachen. Bildrechte: MDR/Florian Girwert

In vielen Umfragen unter Unternehmen - etwa dem Konjunkturklimaindex der Thüringer Industrie- und Handelskammern - tauchen Energiekosten als wichtiges Problem auf. Zuletzt wurde das oft überlagert von Fachkräftemangel und Corona-Auswirkungen. In den meisten anderen Ländern ist der Strompreis aber für Unternehmen niedriger als hierzulande: Wenn sie zum Beispiel zwischen 500 und 2.000 Megawattstunden Strom verbrauchen, kostet das im Schnitt etwa 17,8 Cent. Inklusive EEG-Umlage. In Großbritannien sind es 16,5 Cent. Norwegen verlangt gar nur gut fünf Cent. Die Strompreise sind aber in den meisten Ländern anders aufgebaut. Deutschland finanziert die Erneuerbaren Energien über diese Umlage, in anderen Ländern geschieht das zum Beispiel aus dem Staatshaushalt oder über andere Anreize. Die Kosten tauchen dann nicht wie in Deutschland auf der Stromrechnung auf, sondern werden anders getragen.

Stichwort: EEG-Umlage

Die EEG-Umlage - EEG steht für Erneuerbare-Energien-Gesetz - ist ein gesetztlich geregelter Aufschlag auf den Strompreis. Damit soll die Stromerzeugung aus regenerativen Quellen wie Wind- und Sonnenenergie gefördert werden. Erzeuger, die ins öffentliche Netz einspeisen, bekommen dafür eine festgelegte Vergütung pro Kilowattstunde. Die Übertragungsnetzbetreiber verkaufen diesen Strom an der Börse. Die Differenz zwischen dem niedrigeren Börsenpreis und der Vergütung findet sich als EEG-Umlage als zusätzlicher Posten auf der Stromrechnung wieder.

Mehrkosten im sechsstelligen Bereich möglich

Dem Schmalkalder Unternehmen Eproplast helfen diese Feinheiten nicht. "Deutschland hat die höchsten Energiekosten. Aber wir sind ja nicht auf einer Insel, sondern wir stehen im strengen Wettbewerb mit anderen europäischen Anbietern", sagt Geschäftsführer Pesavento. Das Thüringer Umwelt- und Energieministerium weist immerhin darauf hin, dass die EEG-Umlage in den kommenden Jahren sinken wird. Der Grund dafür: Der Zuschuss für die Grünstromerzeuger ist in den vergangenen Jahren immer weiter reduziert worden. Die höhere Vergütung endet nach 20 Jahren, und immer mehr Altanlagen fallen aus der Förderung. Während pro Kilowattstunde im kommenden Jahr sechs Cent EEG-Umlage fällig werden, dürften es 2023 nur noch 4,5 Cent sein. Multipliziert mit mehreren Millionen Kilowattstunden kommen da trotzdem hunderttausende Euro zusammen.

Der Geschäftsführer von Eproplast aus Schmalkalden Modesto Pesavento
Modesto Pesavento ist Geschäftsführer von Eproplast in Schmalkalden. Bildrechte: MDR/Florian Girwert

Vorteile von Kunststoff im Vergleich zu Glas

Pesavento wünscht sich, dass die Preise europaweit einheitlich reguliert werden könnten. Stand jetzt werde sein Kunststoff-Betrieb benachteiligt, obwohl in vielen Bereichen Kunststoff-Verpackungen doch durch ihr geringes Gewicht Transportkosten niedrig hielten und auch mit viel weniger Energiebedarf hergestellt würden als Glas, das ebenfalls für viele Lebensmittel genutzt wird. PET werde zudem immer mehr genutzt, weil es im Gegensatz zu anderen Kunststoffen sehr gut zu recyceln sei.

Und was, wenn die Stromrechnung demnächst höher wird? "Wachstum findet dann woanders statt", sagt der Geschäftsführer. "Oder wir verlieren Aufträge, weil Wettbewerber im europäischen Ausland einfach preiswerter produzieren können." Ein Qualitätsmerkmal wie "Made in Germany" sei da nicht relevant. Wenn ein Discounter Verpackungen bestelle, sei der Preis nun mal ein zentraler Faktor.

Plastik-Rohlinge für Kunststoff-Verpackungen
Sogenannte Pre-Formen für Kunststoff-Verpackungen: Diese Rohlinge werden gleich in Form gebracht. Bildrechte: MDR/Florian Girwert

Diskussion um Plastik

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 25. September 2021 | 18:20 Uhr

16 Kommentare

Blume65 vor 2 Wochen


Sie sollen alle DIE EEG Steuer bezahlen deswegen verseh ich nicht warum betriebe das nicht zahlen oder weniger die sparen doch schon am lohn im osten

Rass86 vor 2 Wochen

Diesen Unsinn kann ich nicht mehr hören. Der Staat sind wir, sie auch. Tankstelle: ca 6 Cent CO2 Abgabe seit Januar aber 30cent Preiserhöhung. Der Staat kassiert mit, aber die Mineralölkonzerne verdienen Milliarden. Darüber sollte man sich aufregen.

Rass86 vor 2 Wochen

Warum zahlt eine Firma nicht den gleichen Beitrag, wie der Steuerzahler ??? Das ist ein Wettbewerbsvorteil , der Verbraucher zahlt doppelt, EEG und Preiserhöhung.

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