Floh-Seligenthal Corona-Protest vor Privathaus: Bürgermeister wirbt für sachliche Gespräche

Dass Menschen sein Grundstück betraten, um mit ihm über Corona zu reden, empfand Floh-Seligenthals Bürgermeister Ralf Holland-Nell als bedrohlich. Er sei zu Gesprächen über Maßnahmen bereit - aber im normalen Rahmen.

Ralf Holland-Nell, Bürgermeister von Floh-Seligenthal, vor dem Rathaus.
Ralf Holland-Nell, Bürgermeister von Floh-Seligenthal, vor dem Rathaus. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Ralf Holland-Nell (CDU) ist Bürgermeister von Floh-Seligenthal im Landkreis Schmalkalden-Meiningen. Er ist eher so der offene Typ und geht auch unangenehmen Gesprächen nicht aus dem Weg. Doch das was er letzten Sonntag erleben musste, war neu für ihn.

"Schätzungsweise 20 Menschen", so erzählt Holland-Nell, "hatten vor meinem Privathaus auf mich gewartet und wollten mit mir diskutieren". Weil er sich bedroht fühlte, rief er die Polizei. Danach haben sich die Menschen recht schnell wieder zerstreut. Für die Polizei ist die Sache damit erledigt. Holland-Nell will keine Anzeige erstatten. Straftaten sind nicht passiert.

"Auch Bürgermeister haben Recht auf Privatsphäre"

"Trotzdem sagt dieser Vorfall einiges über den Zustand in unserer Gesellschaft aus", so Ralf Rusch, der Geschäftsführer des Thüringer Gemeinde- und Städtebundes. Wenn Leute das Privatgrundstück eines Bürgermeisters betreten und eine Diskussion verlangen, sei eindeutig eine Grenze überschritten. "Auch Bürgermeister haben das Recht auf Privatsphäre", so Rusch.

Angriffe auf Amtsträger haben in Thüringen seinen Angaben zufolge drastisch zugenommen. Gab es 2018 insgesamt 43 Anzeigen, ist ihre Zahl im Jahr 2019 auf 121 angestiegen. Jeder, der bei solchen Aktionen wie in Floh-Seligenthal mitmacht, sollte sich fragen, ob er in gleicher Lage auch so behandelt werden möchte. Rusch rät betroffenen Amtsträgern, in solchen Fällen auf jeden Fall, Anzeige zu erstatten. Wenn jemand Privatgrund betritt und es auch nach Aufforderung nicht wieder verlässt, begeht Hausfriedensbruch.

Auf Anzeige verzichtet

Ralf Holland-Nell hat sich dagegen entschieden. Unter anderem auch, weil in dem kleinen Ort schnell wieder Ruhe einkehren soll. Weil er in einer Gemeinderatssitzung über die bevorstehenden Corona-Massentests des Landkreises informierte, zog er sich wohl den Zorn der Corona-Maßnahmen-Gegner auf sich.

Ab Montag können sich im Landkreis alle Menschen freiwillig testen lassen. In Schmalkalden, Meiningen und Zella-Mehlis werden dafür Testzentren eingerichtet. Außerdem sind mobile Testteams im Landkreis unterwegs. Jeden Tag ist dann eine andere Gemeinde dran. Die Orte stellen dafür Räume zur Verfügung. In Floh-Seligenthal werden dafür drei Turnhallen genutzt.

Ein schmaler Fluss fließt entlang eines Wegs, an dem Fachwerkhäuser stehen. Im Hintergrund ist eine kleine Kirche zu sehen.
Die Gemeinde Floh-Seligenthal besteht aus sechs Ortsteilen. Bildrechte: MDR/ Heike Opitz

Bürgermeister für Massentests

Holland-Nell findet die Aktion des Landkreises sehr gut. Nach wie vor sind die Infektionszahlen sehr hoch. Mit der Inzidenz ist Schmalkalden-Meiningen seit Wochen Spitzenreiter in Südthüringen. "Mit den Massentests können auch Virusträger ohne Symptome gefunden und in Quarantäne geschickt werden", so Holland-Nell. Anfangs könnten die Zahlen deshalb auch ansteigen, dann aber deutlich sinken, hofft der Bürgermeister.

Vor allem die vielen Betriebe im Landkreis sollten das Angebot nutzen. Im Meininger Landratsamt laufen unterdessen die logistischen Vorbereitungen. Am Dienstagnachmittag ist mit allen Bürgermeistern eine Telefonkonferenz. Dann wird darüber gesprochen, wie die Massentests ablaufen sollen.

Holland-Nell fürchtet, dass weitere Aktionen der Corona-Regel-Gegner folgen. "Ich bin immer zu Gesprächen bereit, aber in einem normalen Rahmen." Weil Besuche im Rathaus derzeit wegen Corona nicht möglich sind, wäre er auch auf den Platz vor dem Rathaus gekommen. Aber der Privatbereich bleibe tabu.

Beteiligte meldet sich

Inzwischen hat sich bei MDR THÜRINGEN eine Frau gemeldet. Ihren Namen möchten sie lieber nicht sagen, aber sie sei am Sonntag dabei gewesen. Es waren ihren Angaben zufolge nur maximal zehn Leute, nicht wie von Holland-Nell geschätzt rund 20. Meistens seien es Menschen aus der Gemeinde gewesen, die auf dem Gehweg vor dem Haus des Bürgermeisters standen.

Floh-Seligenthal sei nicht sehr groß, jeder kenne jeden. Der Bürgermeister hätte sich, so die Meinung der Frau, den Leuten stellen können und sagen können, dass man später miteinander redet. Stattdessen sei er gar nicht an die Tür gekommen und habe sofort die Polizei gerufen. Im Gespräch mit dem Bürgermeister wollen die Menschen vor allem die Verhältnismäßigkeit der Corona-Massentests ansprechen. Hier werde viel Geld für nichts herausgeblasen, so die anonyme Anruferin.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 16. Februar 2021 | 10:00 Uhr

120 Kommentare

knarf2 vor 34 Wochen

Höcke ist nicht bloß der Böse sondern der Obernatzi
in der Thüringer AfD.Nach dem Gesetz steht ihm aber das gleiche Recht wie den demokratischen Politikern zu!Wäre schön wenn er mit seinen braunen Ideen verschwinden würde.Aber hat als Rattenfänger genug Leute leider hinter sich gebracht!

knarf2 vor 34 Wochen

Torsten W:Telefon und Fax dürften Ihnen bestimmt ein Begriff sein.Diese könnten Ihnen helfen wenn das Internet in Ihrem Ort schlecht empfangen wird.Sollte das nicht reichen gibt es auch noch Brieftauben.

knarf2 vor 34 Wochen

Warum das so ist müßten Sie eigentlich wissen wenn Sie die ganze Zeit nicht verschlafen haben!Coronabedingt gibt es in jeder Gemeinde bekannte Ausweichmöglichkeiten mit z.B.dem Bürgermeister zu kommunizieren

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