Südthüringen Flugschule im Aufwind: Kinder teilen Leidenschaft des Vaters

Jürgen Schlütter hatte Kühndorf in Südthüringen durch den Bau eines Flugplatzes mit Flugschule in der Fliegerszene bekannt gemacht. Als der erfahrene Fluglehrer tödlich verunglückte, trafen die beiden Söhne - damals 17 und 19 Jahre alt - die Entscheidung, sein Lebenswerk fortzuführen. Ein Besuch fünf Jahre nach der Tragödie.

Zwei Menschen stehen vor einem Ultra-Leicht-Flieger.
Janine und Anton Schlütter sowie dessen Bruder Lorenz begrüßen auf dem Flugplatz Dolmar nicht nur Piloten, sondern auch Wanderer und Touristen. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Grasbewachsene Hügel so weit das Auge reicht. Der Flugplatz Dolmar liegt am gleichnamigen Berg in der Nähe des südthüringischen Kühndorf im Landkreis Schmalkalden-Meiningen. Das elf Hektar große Gelände auf gut 500 Höhenmetern bietet freie Sicht über die größtenteils unberührten Weiten der Thüringer Rhön.

"Die wenigsten erwarten, dass man hier auf der Wiese so ganz unscheinbar mit einem Flugzeug landen kann." Anton Schlütter ist auf dem Flugplatz aufgewachsen. Sein Vater hatte das Gelände am Dolmar kurz nach der Wende erworben und eine Flugschule aufgebaut.

Ultraleicht-Flugzeuge am Himmel über Kühndorf

Heute betreibt der 24-jährige Sohn die Schule mit dem angegliederten Campingplatz gemeinsam mit seinem Bruder Lorenz und seiner Frau Janine. Die sogenannten Ultraleicht-Flieger, die hier starten und landen, wiegen maximal 600 Kilogramm und bräuchten keine asphaltierte Landebahn, erklärt er. Neben den Flugstunden für Flugschüler werden auch touristische Rundflüge angeboten.

Ein Flugzeug hängt an der Decke einer Halle.
Südthüringen aus der Luft genießen: Verschiedene Ultraleicht-Flugzeuge stehen dafür zur Verfügung. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Söhne wollen Familientradition fortführen

Jürgen Schlütter, der Vater von Anton und Lorenz, war vor fünf Jahren bei einem Absturz ums Leben gekommen. Die Söhne waren zu diesem Zeitpunkt 17 und 19 Jahre alt. Der jüngere, Lorenz, besuchte noch die Schule. Anton hatte eine Karriere als Leistungssportler bei der Bundeswehr begonnen.

Trotz des Schicksalsschlags habe es nie zur Debatte gestanden, die Flugschule aufzugeben, erinnert sich Antons Ehefrau Janine. Das Fliegen blieb nach wie vor die große Leidenschaft der Brüder. Ein Jahr später schloss Anton seine Fluglehrer-Ausbildung erfolgreich ab und der Flugschulbetrieb wurde wieder regulär aufgenommen. Mit der ganzen Organisation und Bürokratie klarzukommen, sei am Anfang herausfordernd gewesen. Anton und Janine kümmern sich seitdem hauptberuflich um den Flugplatz, der 22-jährige Lorenz studiert parallel.

Eigenes Restaurant "Pilot-Projekt" eröffnet

Bis heute hat sich einiges auf dem Gelände verändert. Früher war die Blockhütte, die direkt am Flugplatz liegt, immer verpachtet gewesen. Im Zuge der Corona-Krise stellte der Pächter den Betrieb allerdings ein. Die Schlütters zögerten nicht lange und entwickelten ein eigenes Konzept.

Seit diesem Sommer gibt es im Erdgeschoss der Hütte das "Pilot-Projekt" - ein Café und Restaurant. "Wir fanden den Namen deshalb passend", erzählt Janine, "weil das für uns ja ein totales Experiment war." Jeden Tag gibt es neben Kaffee und Kuchen zwei selbst gekochte Mittagsgerichte - ein vegetarisches und eines mit Fleisch.

Auch den Außenbereich haben die Schlütters umgebaut. Aus Euro-Paletten haben sie neue Sitzgarnituren gezimmert und angrenzend an den Biergarten einen kleinen Sandstrand mit Liegestühlen und Sonnensegeln aufgeschüttet. Neben den normalen Gästezimmern im Blockhaus gibt es seit vergangenem Jahr auch die Möglichkeit, im Hangar selbst zu übernachten. An den Seiten der Flugzeughalle gibt es mehrere Zimmer mit separaten Badezimmern.

Gäste aus den USA, Mexiko und Uruguay

Bisher ist das Trio sehr zufrieden mit der Entwicklung der Besucherzahlen. An einem sonnigen Sommerwochenende empfingen sie bis zu 250 Personen. Darunter Piloten, Wanderer oder Menschen auf der Durchreise. Manchmal gehe es auch international zu. Dieses Jahr seien schon Reisende aus Übersee zu Gast gewesen, etwa aus Mexiko, Uruguay und den USA. "Insgesamt ist es uns vor allem wichtig, eine familiäre und herzliche Atmosphäre zu schaffen", sagt Gastgeberin Janine. Und hört man sich auf dem Platz um, scheint das auch zu klappen.

MDR (md/mm)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Mittag | 09. August 2022 | 14:40 Uhr

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