Kaltenwestheim Keine Einkaufsmöglichkeit: Wie sich ein Rhöner Dorf um einen Lebensmittelladen bemüht

In Kaltenwestheim hat Ende vergangenen Jahres der einzige Lebensmittelladen im Dorf den Betrieb eingestellt. Damit ist für die Dorfbewohner auch ein wichtiger sozialer Treffpunkt weggefallen. Die Einwohner wollen das nicht hinnehmen und suchen nach Lösungen.

Ein leer stehender Einkaufsmarkt.
Der letzte Einkaufsmarkt in Kaltenwestheim hat Ende vergangenen Jahres geschlossen. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Das Schild mit dem roten Schriftzug "Mein Markt" hängt noch. Ein Blick durch die Jalousien zeigt jedoch nur leere Regale und einen verwaisten Raum. Seit der Dorfladen dichtgemacht hat, ist es für die Menschen in Kaltenwestheim nicht mehr möglich, mal eben eine Kleinigkeit einzukaufen. Bis zum nächsten Supermarkt sind es jetzt rund drei Kilometer. Um vor allem ältere, nicht mehr so mobile Menschen zu unterstützen, war eine Dorfbewohnerin vorübergehend als Einkaufshilfe eingesprungen. Den Laden ersetzen konnte das allerdings nicht.

Sozialer Treffpunkt verloren gegangen

Mit der Schließung sei ein Stück dörfliche Kultur verloren gegangen, sagt Ortsteilbürgermeister Harald Heim.

Wenn man da in der Früh hin kam, hat man immer mindestens zehn, zwölf Menschen getroffen.

Ortsteilbürgermeister Harald Heim

Heim ist stolz darauf, dass es in Kaltenwestheim neben der Grundschule auch noch eine Gaststätte, einen Frisör und einen Hausarzt gibt. Für einen Ort, in dem nur rund 700 Einwohner wohnen, sei das nicht selbstverständlich. Gleichzeitig sorge er sich um den Bestand der Infrastruktur. Bis vor einigen Jahren gab es hier noch eine Bankfiliale, jetzt diskutiert der Landkreis über die Schließung der Grundschule.

Arbeitsgruppe sucht nach Alternativen

Diesen Entwicklungen wollen die Kaltenwestheimer etwas entgegensetzen. Um eine Alternative für den Lebensmittelladen zu finden, hat der Ortsteilrat eine Arbeitsgruppe gebildet. Ortsrat Jan Engel leitet die Gruppe. Der 29-Jährige ist gebürtiger Kaltenwestheimer, die Zukunft seines Heimatdorfes liegt ihm am Herzen.

Wenn man sich nicht engagiert, dann stirbt jeder Ort irgendwann aus.

Jan Engel, Leiter der Arbeitsgruppe für Kaltenwestheim

Zwei Menschen stehen neben einem Denkmal.
Ortsteilbürgereister Harald Heim und Kaltenwestheimer Jan Engel wollen eine Alternative für den geschlossenen Lebensmittelladen finden. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Die Arbeitsgruppe hat schon verschiedene Unternehmen kontaktiert, die anderswo schon kleine 24-Stunden-Selbstbedienungsläden unterhalten. Die meisten Konzepte beinhalten, dass die Menschen digital mit einer speziellen Kundenkarte bezahlen.

Gibt es die Chance auf einen 24-Stunden-Laden?

Die Anbieter schauen dabei auf gewisse Kriterien, zum Beispiel die Größe eines Ortes. Auch wenn der Standort Kaltenwestheim auf den ersten Blick durch die geringe Einwohnerzahl nicht sehr attraktiv erscheine, gebe es versteckte Pluspunkte, so Jan Engel. Zum Beispiel die Durchfahrtsstraße von Fulda nach Meiningen.

Es gibt viele Pendler aus dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen, die im Raum Fulda arbeiten und jeden Tag durch Kaltenwestheim fahren.

Jan Engel, Leiter der Arbeitsgruppe für Kaltenwestheim

Für einen Laden, direkt an der Straße rechnet Engel daher mit guten Verkaufszahlen. Hinzu komme, dass in Kaltenwestheim gerade erst neue Baugrundstücke erschlossen wurden. Die Arbeitsgruppe wartet nun auf die Rückmeldung der Firmen. Einen Favoriten hätten sie nicht, sagt Ortsrat Jan Engel: "Wir sind da ganz offen und nehmen das, was zu uns passt!"

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Samstagnachmittag | 19. Februar 2022 | 13:00 Uhr

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