Kommentar Biathlon-Weltcup in Oberhof - Eine Bilanz

Schnee in letzter Minute, großes ehrenamtliches Engagement, aber auch Zukunftsungewissheiten. Der Biathlon-Weltcup in Oberhof wartet mit einer gemischten Bilanz auf, die Ansporn geben sollte für künftige Großereignisse. Ein Kommentar von MDR THÜRINGEN-Sportreporter Jürgen Kolarzik.

Erik Lesser beim Biathon-Weltcup in Oberhof
Die investierten Förder-Millionen lohnen sich nur, wenn langfristig auch Thüringer Athleten wieder den Sprung in den Weltcup schaffen. Bildrechte: IMAGO / Christian Heilwagen

Das ist ja gerade nochmal gut gegangen! Der Wettergott hat ein Einsehen gehabt und nach Plustemperaturen und Dauerregen den Oberhofern Frost und Schnee geschickt!

Fürs Wetter kann ja niemand was, aber die Oberhofer Organisatoren haben sich das Glück des Tüchtigen verdient. Doch Fakt ist auch: Oberhof ist und bleibt als Standort im Mittelgebirge ein Unsicherheitsfaktor in Sachen Wetter. Ohne das neue Schneekonzept mit 26 Schneekanonen und vier Schneedepots wäre dieser Weltcup wohl buchstäblich ins Wasser gefallen.

400 Ehrenamtler in Oberhof im Einsatz

Unvergleichlich war der Einsatz der insgesamt über 400 ehrenamtlichen Helfer. Einige von ihnen schufteten die ganze Nacht durch, um die Strecke innerhalb von kürzester Zeit in eine gut präparierte Weltcup-Loipe zu verwandeln. Das ist nicht an jedem Weltcupstandort selbstverständlich. Chapeau, Oberhof!

Den Organisatoren bleibt jetzt noch ein Jahr, um die Restarbeiten zu erledigen. Und während das wohl nicht so problematisch zu sein scheint, sind die Zuschauer noch eine große Unbekannte. Ist Corona bis dahin vorbei? Darf es ein volles Haus geben? Und vor allem: Die Kapazität des Stadions wurde vergrößert auf 27.500 Plätze. Die veränderten Laufwege, die Zuschauerstromlenkung, konnten im umgebauten Stadion wegen der aktuellen Corona-Beschränkungen aber nicht getestet werden. Diese Generalprobe wäre aber wichtig gewesen.

Thüringer Athleten als Idole für den Nachwuchs

Und dann ist da noch das Sportliche: Die investierten Förder-Millionen lohnen sich nur, wenn langfristig auch Thüringer Athleten wieder den Sprung in den Weltcup schaffen. Denn das sind dann Idole und Vorbilder, um Kinder und Jugendliche für den Wintersport zu begeistern.

Als Vorbild für die Jugend präsentierte sich mal wieder Erik Lesser vom SV Eintracht Frankenhain. Nachdem bekannt wurde, dass der Russe Eduard Latipov wegen Corona in Quarantäne musste, bot Lesser ihm sein Rennrad und eine Rolle zum Trainieren im Hotelzimmer an. Bei aller Jagd um Weltcuppunkte und Medaillen ist das wahrer Sportsgeist und Fairplay.

Die Generalprobe ist also durchaus geglückt - jetzt gilt's die Restarbeiten zu erledigen und sich nicht auf Vorschusslorbeeren auszuruhen.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 09. Januar 2022 | 19:00 Uhr

6 Kommentare

Jedimeister Joda vor 18 Wochen

Da sieht der Zuschauer die Sportler. Aber überall und immer im Blick die Werbung für BMW DKB SZU DKN DMD . Ist der Sport nur die Projektionsfläche für die Werbung? Wenn es so ist dann ist der Sport überflüssig. Ich und die meinen gehen nicht hin. Wer am Ende den Sport bezahlt ist relativ unklar. Wie an anderer Stelle auch wird es Gewinner oder Verlierer geben. Wer zuviel Freizeit hat kann Sport gucken. Wenn er den machen würde, wäre Vieles besser. Cui bono? Joda

Tamico161 vor 18 Wochen

Ich teile ihren Eindruck. Allerdings stelle ich es mir unendlich schwer vor Nachwuchs für diese Sportarten zu gewinnen. Und wenn dann noch die Umstände eine Rolle spielen wie Ausbildung, Bedingungen, Natur und Geld, dann ist es in Bayern sicher angenehmer sich zu quälen!?

Bogensee vor 18 Wochen

Ich habe den Eindruck, dass nur noch Sportler aus Bayern gefördert werden und mit unterdurchschnittlichen Erfolg. Die „alte“ BRD“ hatte kaum etwas im Biathlon oder Skispringen gewonnen. Jetzt ist die gute strukturelle Arbeit im Nachwuchs völlig abgewickelt. Oberhof ist und bleibt ein Standort für Wintersport.

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