Großputz im Heizkessel Jahres-Inspektion: Wenn die Müllverbrennungsanlage still steht

In Zella-Mehlis wird gerade keine Fernwärme erzeugt, die Turbine für die Stromerzeugung ist zerlegt. Zur Jahreswartung schwärmen Dutzende Arbeiter in Teile der Anlage aus, die normalerweise wegen der hohen Arbeitstemperaturen vollkommen unzugänglich sind. Doch damit die Anlage sicher und sauber funktioniert, wird einmal im Jahr alles auf den Kopf gestellt.

Müllverbrennungsanlage in Zella-Mehlis
Die Müllverbrennungsanlage steht nahe der Autobahn in Zella-Mehlis und versorgt auch Suhl mit Fernwärme und Strom. Bildrechte: MDR/Florian Girwert

Die Öffnung zum Heizkessel sieht aus wie die Tür eines großen Tresors. Schweres Eisen, dick. Die Innenseite ist mit Steinen ausgekleidet, hier herrschen im laufenden Betrieb mehr als 800 Grad Celsius. Ein Schwung Arbeiter klettert aus der Öffnung und unterhält sich lauf auf Polnisch. "Wir haben hier gerade um die 70 Mitarbeiter verschiedener Gewerke da", sagt Marius Stöckmann. Er ist Geschäftsleiter des Zweckverbands für Abfallwirtschaft Südwestthüringen und damit auch für die Müllverbrennungsanlage in Zella-Mehlis verantwortlich, die gerade gewartet wird.

Marius Stöckmann, Geschäftsleiter des Zweckverbands für Abfallwirtschaft Südwestthüringen, auch verantwortlich für die Müllverbrennungsanlage in Zella-Mehlis.
Marius Stöckmann ist Geschäftsleiter des Zweckverbands für Abfallwirtschaft Südwestthüringen und damit auch verantwortlich für die Müllverbrennungsanlage in Zella-Mehlis. Bildrechte: MDR/Florian Girwert

Einmal im Jahr müssen die meisten Maschinen und Anlagen überprüft und vor allem gereinigt werden. "Hier müssen zum Beispiel neue Steine hineingemauert werden", sagt er mit Blick auf den Kessel. An vielen Stellen, wo entweder Feuer brennt oder heißes Rauchgas strömt, sammelt sich im Lauf der Zeit viel Asche.

Die muss ordnungsgemäß aufgefangen und entsorgt werden, denn darin stecken zahlreiche Schadstoffe. Sie ist das, was von 150.000 Tonnen Hausmüll und 10.000 Tonnen Klärschlamm aus der Region übrigbleibt, die jedes Jahr hier verbrannt werden.

In einer Woche wird wieder angefeuert

Mit Hilfe des Feuers, das – von der Wartung abgesehen – 24 Stunden am Tag und sieben Tage pro Woche brennt, entstehen jedes Jahr etwa 75.000 Megawatt-Stunden Fernwärme und etwas weniger als 100.000 Megawatt-Stunden Strom "Suhl kann seinen Fernwärmebedarf zu etwa 80 Prozent damit decken", erläutert Stöckmann.

Am 25. September soll das Feuer wieder entzündet werden. Derzeit sind Teile der Anlage ausgebaut. Etwa die Turbine, die mit Hilfe von Wasserdampf angetrieben wird und den Strom erzeugt. "Einige der Teile sind nach sieben Jahren abgenutzt." Also wurde das Gerät auseinandergebaut. Zwei Arbeiter vermessen gerade die riesigen Schrauben, die Teile der Maschine zusammenhalten.

Experiment Muelltrennung 3 min
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MDR JUMP Fr 04.05.2018 10:44Uhr 02:54 min

https://www.jumpradio.de/thema/experiment-muelltrennung-100.html

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Überall ist es staubig. "Normalerweise ist es hier drin ziemlich sauber", so der Geschäftsleiter. Aber wenn die Kessel geöffnet und zerlegt und überall Teile getauscht würden, wenn Steine abgehackt werden müssten, dann verteile sich eben auch viel Staub.

Und was passiert währenddessen mit dem Müll? Der wird ganz normal weiterhin angeliefert. Täglich etwa hundert Fahrzeuge aus der Region, teilweise aus nahen Landkreisen hinter der Landesgrenze zu Bayern. "Aber von weiter her kommt der Müll nicht, das fände ich auch aus ökologischer Sicht nicht sinnvoll."

Abfälle oft schlecht getrennt

Bis zu 20 Tonnen fasst so ein Müllfahrzeug – und im Hausmüll findet sich fast alles: Bio-Abfall, Windeln, alte Matratzen, ein Fußball ist kurz im großen Greifer zu erkennen, der pro Ladung fünf Tonnen von der Ablade-Stelle weghebt. Mitunter auch Dinge, die nicht in den Hausmüll gehören und die Anlage beschädigen können. "Gasflaschen zum Beispiel." Zum Glück kommt das nicht zu oft vor.

Aber auch jede Menge Müll, der eigentlich in der gelben oder blauen Tonne besser aufgehoben wäre und wegen der Entsorgung im Hausmüll für den Verbraucher Mehrkosten bedeutet, findet sich hier. Immerhin berechnet der Zweckverband für eine Tonne Hausmüll fast 125 Euro.

Große Pakete, etwa eine Tonne schwer, werden zusammengepresst, wie die Beute einer Spinne mit Plastik-Folie eingewickelt und vor der Anlage gestapelt. "Und sobald wir wieder anfeuern, bauen wir das Lager Schritt für Schritt mit ab", sagt Stöckmann. Das werde wohl einige Monate dauern.

Schwelbrand ist leicht möglich

Heiß kann es zwischendurch trotzdem werden. Gerade, wenn sich gehäckselter Müll erhitzt, können besonders biologische Stoffe einen Schwelbrand verursachen. "Aber toi toi toi, etwas Schlimmes ist noch nicht passiert." Zuletzt sei so etwas im August vorgekommen. "Deswegen muss die Anlage auch weiterhin lückenlos überwacht werden."

Aber auch in der Schaltzentrale werden gerade kleine Bildschirme durch größere ersetzt. "Ein bisschen was von der Technik steht seit Inbetriebnahme hier", sagt der Chef. "Aber schön, dass die Sachen so lange gehalten haben."

Die Müllverbrennungsanlage steht nahe der Autobahn in Zella-Mehlis und versorgt auch Suhl mit Fernwärme und Strom.
Hier rutscht der Müll langsam nach unten, ehe er schließlich verbrannt wird. Daher herrschen hier durchaus Temperaturen von mehr als 800 Grad, wenn die Anlage in Betrieb ist. Bildrechte: MDR/Florian Girwert

Inzwischen hat eine andere Firma eine Drohne gestartet, die im Rauchgas-Kanal nach Beschädigungen suchen soll. Undicht soll hier nichts sein, damit keine Schadstoffe in die Umwelt gelangen. Und in einer guten Woche ziehen alle Gewerke weiter, womöglich zum nächsten Kraftwerk, das eine Wartung benötigt.

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Quelle: MDR Thüringen

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 16. September 2021 | 19:00 Uhr

8 Kommentare

ule vor 4 Wochen

@Harka2
Sprechen Sie es doch aus !
Was ist die CO2 Neutralität in Deutschland in der täglichen Praxis wert ?

Wobei ich als Praktiker ja gar nicht ganz so Böse über die vielen Lippenbekenntnisse unserer Politiker bin.
Wer in der Heimat will denn auch schon genauso CO2-Neutral leben, wie die Menschen in Tibet ?

ule vor 4 Wochen

Hallo @Heizer
Auf keinen Fall wollte ich Ihnen zu nahe treten.
Wenn Sie auch Klärschlamm verfeuern, sollten Sie mit angeben, ob Sie vorab getrockneten Klärschlamm verarbeiten.

Die im Artikel aufgeführte Wärme-Kraft-Kopplung, mit dem Ziel, Fernwärme und Elektrizität zu erzeuen, ist doch als positiv zu bewerten - da braucht man sich nicht zu verstecken.

Warum aber bei Kohleverbrennung in Deutschland so ein Hype gemacht wird und bei Müllverbrennungsanlagen, von denen es in Deutschland genauso viele gibt, wie Kohleheizkraftwerke, da drückt man die Augen zu - das eben will mir nicht in Kopf.
Hier wird in der, aktuell im Wahlkampf viel gepriesenen Klimapolitik, nicht mit offenen Karten gespielt.

Heizer vor 4 Wochen

Also interessant wer hier mit Halbwissen und Hörensagen argumentiert.
Zum Ersten wir erzeugen keinen Müll sondern haben den Auftrag den Müll zu verbrennen der im Verbandsgebiet anfällt. Also nur mal so, wir verbrennen das was angeliefert wird.
Zum Zweiten, dass hier mit Zufeuerung argumentiert wird ist so nicht richtig. Es gibt Zufeuerung von Ölbrennern, aber die ist Hauptsächlich in den An- und Abfahrphasen des Kessels in Betrieb. Die Hauptsächliche Wärme zur Entzündung des Mülls komm vom Müllfeuer, in relativ wenigen Situationen ist der Müll so schlecht (Heizwert >6000kJ) und das über längere Zeit das die Stützbrenner gezündet werden müssen.
Zum Dritten, Sollte "ule" auch wissen, das eine Erweiterung unserer Anlage in der Vorbauphase ist, bei der CO2 ausgewaschen wird und daraus in mehreren Zwischenschritten Methanol erzeugt wird. Zwar keine CO2 Neutralität aber immerhin machen wir uns Gedanken und setzen dieses Verfahren als erste Müllverbrennung Deutschlandweit ein.

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