Corona-Pandemie Der Museumsdirektor von Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden geht viral

Wie alle Kulturstätten in Thüringen musste auch das Museum Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden aufgrund der Corona-Pandemie schließen. Der Museumsdirektor Kai Lehmann hat daraufhin angefangen, Videoclips zu drehen und ins Internet zu stellen. Mit großem Erfolg: Die Videos wurden teilweise mehrere tausend Mal geklickt.

Der Direktor des Museums Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden, Kai Lehmann.
Der Direktor des Museums Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden, Kai Lehmann. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

"Sag mal Charlotte, wir müssen doch irgendwie ein Lebenszeichen nach draußen geben, damit die Leute merken, dass wir noch da sind!". Das hat Kai Lehmann, Direktor des Museums Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden, schon während des ersten Corona-Lockdowns zu seiner mittleren Tochter Charlotte gesagt. Mit den sogenannten "Sozialen Medien" hatte Kai Lehmann bis dahin nicht viel am Hut. "Meine drei Töchter haben mir sogar verboten, auf Facebook oder Instagram unterwegs zu sein. Die haben gesagt, Papa, du mit deinen dicken Fingern klickst dann da ständig Sachen an, die du gar nicht anklicken willst."

Als das Museum dann im März vergangenen Jahres das erste Mal schließen musste, wollte der Museumsdirektor nicht nur da sitzen und warten, bis er wieder öffnen darf. So entstand am Küchentisch der Familie Lehmann die Idee, kurze Videoclips vom Schloss aus zu drehen, um den Menschen wenigstens einen virtuellen Besuch zu ermöglichen.

Technisch nicht perfekt, aber authentisch

In den ersten Videos wurden alle Räumlichkeiten des im 16. Jahrhunderts erbauten und zu seiner Zeit von den hessischen Landgrafen als Nebenresidenz genutzten Schloss vorgestellt. Technisch nicht perfekt, aber mit großer Leidenschaft für die Sache führt Museumsdirektor Kai Lehmann in die stilistischen Besonderheiten des außerordentlich gut erhaltenen Renaissanceschlosses in Schmalkalden ein.

Die verspielten, goldfarben getupften Stuckaturen im sogenannten "Weißen Saal", die prächtigen, für die Zeitepoche typischen, in sich verschlungenen Malereien an Wand und Decken, die bis heute bespielbare Orgel in der Schlosskirche und der Terrassengarten mit der Wasserkunst - all das mache Schloss Wilhelmsburg zu einem "Juwel unter den Renaissanceschlössern", erzählt Kai Lehmann.

Viele Fans im Netz

Zum Erstaunen der Familie Lehmann wurden schon die ersten auf Schloss Wilhelmsburg gedrehten Videos vielfach geklickt. "Wir waren total überrascht. Da kam man nicht drum herum, weiter zu machen!", erzählt Kai Lehmann.

Als das Schloss und die Außenanlagen vorgestellt waren, die Klickzahlen aber gleichzeitig weiter anstiegen, begann Kai Lehmann für die Videos historische Themen und Ereignisse im Zusammenhang mit dem Schloss und der Region aufzubereiten: Was haben die ehemaligen Bewohner der Wilhelmsburg gerne gegessen? Welche Tischsitten galten damals? Welche Frisuren waren en vogue? Und warum wäre Martin Luther ohne den Schmalkaldischen Bund nur eine Fußnote der Geschichte geworden?

Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden
Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden. Bildrechte: IMAGO

Die große Frage: Warum geht der Museumsdirektor immer rückwärts?

Neben den historischen Diskussionen in den Kommentarspalten wurde eine Frage im Netz besonders hitzig diskutiert: Warum läuft der Museumsdirektor in seinen Videos eigentlich immer rückwärts? Kai Lehmann lüftet das Geheimnis: "Ich möchte so viel wie möglich von den Schönheiten des Hauses zeigen! Und das kriege ich nur hin, wenn ich rückwärts tappe, weil, dann kommt mehr ins Bild.

Am Anfang haben sich die Leute amüsiert und die Stoppuhr drauf gestellt, wann ich das erste Mal stolpere. Aber das ist nicht eingetreten. Zumindest nicht offiziell."

Durch die Videos kamen mehr Besucher

Einige der bis heute rund 70 Videos wurden mehrere tausend Mal geklickt. Damit kann das Museum Schloss Wilhelmsburg locker mit den Klickzahlen anderer großer und weitaus bekannterer Museen mithalten. Das mache ihn sehr stolz, sagt Kai Lehmann.

Als das das Museum dann im vergangenen Sommer wieder für Besucher öffnen durfte, sei der Andrang deutlich höher gewesen als in den vorherigen Jahren: "Viele hatten unsere Videos gesehen und sind deshalb gekommen". Er hofft, dass sich dieser Trend auch im Sommer weiter fortsetzt.

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Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Fr 05.04.2019 15:00Uhr 00:21 min

https://www.mdr.de/kultur/app-kultur/entdecken/video-289596.html

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Video

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 05. März 2021 | 19:00 Uhr

5 Kommentare

Graf von Henneberg vor 5 Wochen

Der Georg Ernst (1583 verstorben) war mit einer von den Wettinern verheiratet. Und 1547 hat der Georg Ernst den unsäglichen Vertrag von Kahla unterschrieben. Das war nicht klug von ihm gewesen, aber er konnte -eben wegen der bitteren Armut- nicht anders.
Aber die Oma hat damals schon gewarnt..."von Schmalkalden und der Gegend dort, bringst du mal keine angeschleppt".... Deshalb sind wir seinerzeit auch nicht weiter als nach Wasungen "in die Weiber". Wie sich das gehört hat. - Und die Oma hat Recht gehabt. Es gibt auch heute noch ganz wenige Mischehen von Schmalkäldern und Meiningern.
Und der Gipfel ist da der Kreis Schmalkalden-Meinigen.

Stealer vor 5 Wochen

Moment, das Geschlecht Henneberg ist ausgestorben? Das heißt ja, dass es sich bei dem Kommentator um einen Untoten handelt!

Vielleicht wäre es wirklich eine gute Sache, mit Youtube-Videos über die Henneburg den seit über 400 Jahren in den Gemäuern der Burg und neuerdings in der MDR-Kommentarfunktion herumirrenden verlorenen Seelen ihren ewigen Frieden zu ermöglichen.

_martin_ vor 5 Wochen

Der Graf ist nur deshalb so mißgünstig, weil die Henneberger wegen Armut einen Großteil ihres Besitzes an eben jene Hessen zur Hälfte verkauft haben. Die andere Hälfte der Herrschaft Schmalkalden fiel dann nach dem Aussterben der Henneberger an die Hessen. Wahrscheinlich wollte keine standesgemäße Person mehr bei den verarmten Hennebergern einheiraten. Da kann man auch hunderte Jahre später noch gnatzig sein. Schöne Grüße aus der nördlichen Exklave der Herrschaft Schmalkalden

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