Wintersport Rodel-WM in Oberhof: Mit Zeremonienmeisterin Kerstin Lösch kann nichts schiefgehen

Wenn ab Freitag die besten Rodlerinnen und Rodler den Eiskanal in Oberhof unter die Kufen nehmen, hat Kerstin Lösch schon alles vorbereitet. Die Suhlerin ist Zeremonienmeisterin bei der Rodel-WM. Jede Medaille geht durch ihre Hände.

Die Ehrenamtliche Kerstin Lösch an der Eisbahn in Oberhof.
Seit mehr als zehn Jahren ehrenamtlich im Einsatz: Kerstin Lösch aus Suhl. Bildrechte: MDR/Mandy Roloff

Die Crème de la Crème des Rodelsports ist in diesen Tagen in Oberhof zu Gast. Denn hier im Thüringer Wald steigt ab Freitag die Weltmeisterschaft. Knapp 20.000 Besucherinnen und Besucher werden an der Eisarena in Oberhof erwartet. Möglich machen das auch die vielen freiwilligen Helfer. Mehr als 200 Ehrenamtliche sind bei der WM im Einsatz. Man erkennt sie übrigens deutlich: Vergangene Woche wurden sie eingekleidet. In den Farben Blau, Orange und Weiß.

Zur WM-Kleidung gehören unter anderem eine Bommelmütze und natürlich eine warme Jacke. Auch Kerstin Lösch aus Suhl trägt dieses Ensemble. Und sie ist keine Unbekannte: Seit mehr als zehn Jahren geht jede Medaille in Oberhof durch ihre Hände - denn Kerstin ist Zeremonienmeisterin.

Helferin bei Oberhof-WM: Vom Elterntaxi zur Zeremonienmeisterin

Angefangen hatte alles mit ihrer Tochter Katja, die vor über 30 Jahren professionell rodeln wollte. Erst war Kerstin als Mama nur Elterntaxi, dann hat sie beim Training geholfen, später wurde sie selbst Trainerin der Kleinen. Bei den Rennrodel-Weltcups zeigte sie dann als Ordnerin den Fans den Weg zu ihren Plätzen, dann wurde eine Zeremonienmeisterin gesucht - und mit Kerstin gefunden. Seit mittlerweile über zehn Jahren gehen alle Oberhofer Medaillen und Pokale durch Kerstins Hände.

Da geht nie etwas schief.

Sebastian Lenk, Sprecher des Rodel- und Schlittenverbandes Thüringen, über Kerstins Engagement

"Und da geht nie etwas schief", sagt Sebastian Lenk, der Sprecher des Rodel- und Schlittenverbandes Thüringen. Menschen wie Kerstin im Team zu haben, mache ihn sehr stolz. Auch zur Thüringerin des Monats wurde sie wegen ihres Engagements bereits einmal gewählt.

Am liebsten würde Kerstin eine der Medaillen natürlich an ihre ehemaligen Schützlinge vergeben. Einer von den "Zwergen" war kein geringerer als Rennrodler Sascha Benecken, mehrfacher Weltmeister und Olympia-Silbermedaillengewinner.

Auch er ist glücklich, dass Kerstin ihn begleitet hat. Man könne sich gar nicht vorstellen, was man auf den Weg mitbekommt als junger ungeprägter Sportler. Und jetzt begleitet sie ihn weiter als Zeremonienmeisterin.

Fruchtwein, Bier, Rotwurst aus der Region für die Gewinner

Die Vorbereitungen für die WM laufen indes auf Hochtouren. Alles wird von Kerstin akribisch überwacht: Für jede Siegerehrung macht sie eine Kiste fertig. Überall steht drauf, was drin ist. Die Medaillen werden in Seidenpapier eingepackt, dazu gibt’s auch noch Geschenke. In Holzkisten verstecken sich Leckereien aus der Region für die Sieger: Fruchtwein, Bier, Rotwurst, Apfelsaft. Dafür stehen manche Sportler sogar an.

Außerdem hat Kerstin schon längst die Blumen für die Siegerehrungen bestellt. Dieses Jahr gibt es Gerbera und Rosen. Alle in Rot und Weiß - passend zum Logo der WM.

Und zum Schluss muss sie als Zeremonienmeisterin auch die Ehrengäste, wie zum Beispiel Landeschef Bodo Ramelow, in ihre Jobs einweisen. Das klappt sehr gut, verrät sie. "Jeder hört."

Bodo Ramelow (l., Die Linke), Ministerpräsident von Thüringen, Helmut Holter (2.v.l., Die Linke), Minister für Bildung, Jugend und Sport von Thüringen, und Kerstin Lösch (r), Jugendtrainerin, beobachten den Start der elfjährigen Annika Schramm zur Premieren-Fahrt in der modernisierten Lotto Thüringen Eisarena.
Kerstin Lösch begleitete unter anderem den Start der elfjährigen Annika Schramm zur Premieren-Fahrt in der neuen Eisarena. Auch Ministerpräsident Bodo Ramelow war dabei. Bildrechte: dpa

Ehrenamt, solange es geht

Ihre Freude am Ehrenamt hat Kerstin nie verloren. Nur ein einziges Mal in ihrem Leben gab es eine Situation, nach der sie nie wieder zum Rodeln wollte, erzählt sie. Als plötzlich ihr Mann, mit dem sie oft hier gemeinsam an der Bahn unterwegs war, verstarb. Aber er hätte nicht gewollt, dass sie alles hinschmeißt, ist sich Kerstin sicher. Und so steht es fest: Solange es geht, will sie weitermachen.

Darüber freut sich auch Organisationskomitee-Chef Uwe Theisinger. An dieser Position brauche er einen Profi. Denn die großen Übertragungswagen in Oberhof verraten es: Die Siegerehrungen in Oberhof sind auch im TV zu sehen und zwar bei uns in Deutschland, aber auch in den USA, in Kanada und in Australien. Kerstins Medaillen gehen um die Welt.

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MDR (mr/fno)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 25. Januar 2023 | 08:30 Uhr

3 Kommentare

MDR-Team vor 1 Wochen

Lieber Erfurter192,

vielen Dank für Ihre Nachricht.
Ich habe Ihren Kommentar zum Anlass genommen, bei den Organisatoren der Rennrodel-WM nachzuhaken.
Es stimmt, dass einzelne Helfer im öffentlichen Dienst angestellt sind. Das betrifft laut den Organisatoren weniger als 10 Prozent. Allerdings bekommen sie keinen bezahlten Sonderurlaub. Das sieht der Tarifvertrag im öffentlichen Dienst für Angestellte für einen Event dieser Art nicht vor.
Die meisten ehrenamtlichen Helfer sind Menschen aus Vereinen der Region, die ich kennengelernt habe. Sie sind Schichtarbeiter, Angestellte, Rentner oder Nachwuchssportler.
Sie haben recht: Die WM-Kleidung für die Helfer wird vom Land Thüringen unterstützt. Auf den Jacken wird auch für unser Bundesland geworben. Die Kleidung ist allerdings nur ausgeliehen und wird den ehrenamtlichen Helfern nicht kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Gruß
Mandy Roloff (Autorin)

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 1 Wochen


Noch schöner wär‘s, wenn der ÖPNV genau so schnell wäre wie die Kufenflitzer und man nicht (bergabwärts) vom Oberen Hof in Oberhof zum Erfurter Dom-
platz knapp zwei Stunden (!) und mehrere Umstiege im ÖPNV einplanen
müßte…

Zum Glück ist das DB-Thüringen-Ticket ( erhältlich ab 27,- € ) ganztags ( ab 9 Uhr )
auch in den Bussen am Rennsteig gültig ! Nur die Mitnahme von Ski- und Rodelausrüstung dürfte schwierig werden…

Früher hätte der FDGB—Feriendienst für derartige Events
Sonderzüge und Sonderbusse in den Thüringer Wald
angeheuert und alles in Bewegung gesetzt…

🎈 Tja, „früher“ war‘s, Genossen… 🛷

Erfurter192 vor 1 Wochen

Hier wird erwähnt,dass gaaaanz viele ehrenamtliche Helfer dabei sind. Vielleicht sollte man auch mal richtigstellen,dass die sogenannten ehrenamtlichen Helfer, soweit sie aus dem öffentlichen Dienst können, eben nicht ehrenamtlich tätig sind, sondern Sonderurlaub bei voller Bezahlung bekommen. Und die Kleidung zahlt das Land, somit der Steuerzahler.

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