Schmalkalden-Meiningen Meiningen: B19-Ortsumgehung - wie geht es weiter?

Die schier endlose Geschichte der B19-Ortsumgehung in Meiningen geht in die nächste Runde. Nachdem das letzte Genehmigungsverfahren - die sogenannte Planfeststellung - wegen formaler Mängel geplatzt war, bereitet das Land Thüringen jetzt ein neues Verfahren vor. Bis der Bauentwurf steht, wird es mindestens vier weitere Jahre dauern. Wie geht es den Anwohnern damit? Und gibt es vielleicht auch eine Lösung, mit der alle einverstanden wären?

Die B19 führt an einem Wohnviertel bei Meiningen.
Bereits ab 4 Uhr morgens fahren Lkws durch die Dolmarstraße in Meiningen. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Rainer und Angelika Junge bewohnen ihr Haus an der Dolmarstraße im Ortsteil Helba schon seit über 40 Jahren. Früher hätten die Kinder hier nach 18 Uhr auf der Straße Federball gespielt. Heute fahren ab vier Uhr morgens im Minutentakt Lkws an ihrem Gartenzaun vorbei. Von der Straße trennt sie nur ein schmaler, etwa anderthalb Meter breiter Fußweg.

"Bevor ich aus der Haustür auch nur auf den Gehsteig trete, gucke ich sicherheitshalber erst einmal nach links", beschreibt Rainer Junge eine über die Jahre gewachsene Angewohnheit. Der 73-Jährige ist Vorsitzender einer neu gegründeten Bürgerinitiative für die Ortsumgehung. Seinen Angaben nach haben sie rund 1.000 Unterstützer.

Ein Ehepaar sitzt auf einer Bank in einem Garten.
Das Ehepaar Junge wohnt bereits seit über 40 Jahren an der heute von Lkw stark befahrenen Dolmarstraße. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Unfälle, Abgase und Lärm

Die Sorge von Rainer Lange, dass vom Gehweg schon eine Gefahr ausgehen könnte, kommt nicht von ungefähr. Unmittelbar vor dem Haus des Ehepaares hat es in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach Unfälle gegeben. Rainer Junge berichtet von einem sechsjährigen Kind mit zwei gebrochenen Beinen: "Das Auto war rückwärts in unsere Gartenmauer reingefahren."

Zu dem Sicherheitsrisiko aufgrund der engen Verhältnisse kommen die Abgase und der Lärm. "Ab 4 Uhr morgens ist die Nacht für uns zu Ende", so Angelika Junge. Umziehen ist für die beiden Senioren nicht denkbar, zu viel Geld und Arbeitskraft hätten sie in das Haus gesteckt.

Die B19 führt an einem Wohnviertel bei Meiningen.
Lediglich ein etwa anderthalb Meter breiter Fußweg liegt zwischen dem Grundstück des Ehepaars Junge und der Straße. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Außerdem bleibt die Frage, die man zwischen dem Getöse der Lkws kaum zu stellen wagt: Wer würde ihr Haus unter den bestehenden Verkehrsbedingungen schon kaufen wollen? Ganz sicher schon mal niemand, der Kinder hat.

Hoffen seit bald 30 Jahren

Die erste Machbarkeitsstudie für die Ortsumgehung wurde 1994 durchgeführt. Trotz all der Jahre bisher vergeblichen Wartens haben die Anwohner ihren Kampfgeist nicht aufgeben. "Weil wir jeden einzelnen Tag darunter leiden", so Rainer Junge. Daher gilt für sie: besser spät als nie.

Auch Anwohnerin Sabrina Pop, die ihr Elternhaus an der Straße übernommen hat, sieht das ähnlich. Sie glaubt, auch für die Ortsgemeinschaft wäre jeder Tag ohne den Lärm und den Schmutz der Lkws ein Gewinn: "Man merkt, dass viele wegen dem Verkehr kaum mehr draußen sind."

Eine Frau steht neben einer Straße.
Für Sabrina Pop ist jeder Tag ohne den Lärm und Schmutz der Lkws ein Gewinn. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

BUND gegen oberirdische Straße, für Tunnel-Variante

Der Bund für Umwelt und Naturschutz hatte gegen das letzte, insgesamt sieben Jahre andauernde Planungsverfahren Klage eingereicht. Schließlich hatte das Land die Pläne selbst kurz vor Verfahrensabschluss wegen formaler Mängel zurückgezogen.

Für Anwohnerin Angelika Junge ist es nicht nachvollziehbar, dass das Land bei einem so großen Projekt nicht in der Lage war, gemäß aller Vorgaben zu arbeiten. Bis der neue Entwurf steht, wird es laut Infrastrukturministerium mindestens vier Jahre dauern.

Klar ist, dass auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) das neue Verfahren genau beobachten wird. Die Umweltschützer halten die geplante vierspurige Straße für überzogen. Auch weil dadurch Lebensräume geschützter Tierarten wie Wildkatze und Fledermaus zerstört würden. Nach Angaben eines Sprechers des Kreisverbandes in Schmalkalden-Meiningen wäre der Verbund allerdings mit einer Tunnel-Variante einverstanden.

Grafik: Geplante Ortsumgehung von Meiningen der Bundesstraße 19.
Die rote Markierung zeigt den ursprünglich geplanten Verlauf der B19-Ortsumgehung. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Einen solchen Entwurf habe es in der Vergangenheit auch schon gegeben. Dieser sei allerdings aus Kostengründen wieder verworfen worden. Eine Tunnel-Variante würde auch das Ehepaar Junge präferieren: "Wir sind absolute Naturfreunde".

Mehr zur B19-Ortsumgehung

MDR (jn)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 20. Juni 2022 | 17:30 Uhr

1 Kommentar

Harka2 vor 8 Wochen

Seit 30 Jahren besteht das Problem, aber seit 30 Jahren wird nur rumgelabert. Da werden Millionen und Milliarden für Rüstung ausgegeben, das gigantische Regierungsviertel in Berlin immer wieder vergrößert, BER und ähnliche Projekte verschlingen Unsummen, aber seit 30 Jahren passiert in Sachen Ortsumgehung rein gar nichts. Hier soll kein Mondfahrtprogramm angeschoben werden, es geht nur um ein paar Kilometer Straße!

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