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Vier Wochen soll jetzt an der Regelschule gemessen werden, dann beginnt die Auswertung. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

SchmalkaldenFür frische Luft und gegen Viren: Schule testet automatische Lüftung

von Marlene Drexler, MDR Thüringen

Stand: 09. August 2021, 21:10 Uhr

Wie oft und wie lange? Stoßlüften oder doch Querlüften? Darüber wurde in den vergangenen Monaten im Kampf gegen das Coronavirus viel diskutiert - vor allem auch in Bezug auf die Schulen. Weil das ständige Lüften besonders im Winter unpraktikabel sein kann, testet die Regelschule in Schmalkalden ein Schallschutz- und Lüftungssystem, das das klassische Lüften ersetzen soll.

An vier Fenstern der Regelschule in Schmalkalden wurden die neuen Schallschutzelemente mit Lüftungsfunktion installiert. Schmale Kästen aus Glas, außen an die einzelnen Fenster montiert. Innen ist eine CO2-Ampel verbaut - das heißt ein Sensor, der ein Lichtsignal gibt, sobald der CO2-Grenzwert überschritten ist.

Selbst, wenn die Viren kein Thema mehr sind, ist frische Luft gesund und wichtig für die Konzentrationsfähigkeit.

Roy Knechtel, Professor für Messtechnik an der Hochschule Schmalkalden

Werden die Fenster dann geöffnet, setzt die integrierte Lüftung ein. Durch den Schallschutz bleibt es allerdings trotz geöffneter Fenster ruhig und die Temperatur im Raum relativ stabil. Damit soll die Anlage eine kontinuierliche Frischluftzufuhr garantieren ohne Nebeneffekte wie Zugluft, Lärm oder den Unterricht unterbrechen zu müssen.

In den Schallschutzelementen ist auch eine CO2-Ampel verbaut, die mit Solarenergie betrieben wird. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Forschergruppe der Hochschule Schmalkalden erhebt Messdaten

Roy Knechtel, Professor für Messtechnik an der Hochschule Schmalkalden, leitet das Pilotprojekt. Gemeinsam mit seinem Team erhebt er schon seit Juni Messdaten in den Klassenräumen.

Dabei habe sich gezeigt, dass bei einem normal gefüllten Klassenraum der Grenzwert nach etwa 15 bis 20 Minuten erreicht ist. In einem leeren Raum liegt der CO2-Wert in der Luft seinen Angaben nach ungefähr bei 300 bis 400 CO2-Molekülen pro einer Million Luftmoleküle - kurz ppm. "Gibt es im Raum eine Virenquelle wird es bei einem Wert zwischen 1.000 und 1.400 ppm, der erfahrungsgemäß nach spätestens 20 Minuten erreicht ist, kritisch", so Knechtel.

Roy Knechtel ist Professor für Messtechnik an der Hochschule Schmalkalden. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Vier Wochen lang sollen nun Messdaten erhoben werden. Danach gilt es, die mit und ohne Lüftungssystem gemessenen Werte zu vergleichen. Die digitale Messung mit Sensoren läuft automatisch, sodass der Schulbetrieb davon nicht gestört wird.

Forscher: "Über die Corona-Pandemie hinaus sinnvoll"

Wenn die Zahlen die Effektivität des neuen Systems belegen, wäre eine Investition nach Ansicht von Knechtel auch über die Corona-Pandemie hinaus sinnvoll: "Selbst, wenn die Viren kein Thema mehr sind, ist frische Luft gesund und wichtig für die Konzentrationsfähigkeit." Ein weiterer Vorteil sei, dass die Anlagen kaum gewartet werden müssen und klimaneutral über Solarenergie betrieben werden.

Bund fördert den Bau von Lüftungsanlagen

Laut Hersteller kostet ein Element inklusive der Installation 5.000 Euro. Demnach genügt es, jedes zweite Fenster damit auszustatten. Der Bund unterstützt den Neubau von sogenannten "stationären raumlufttechnischen Anlagen". Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums können sich Schulen und Kitas um Gelder bewerben.

An jedem zweiten Fenster muss ein Element montiert werden. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Gefördert werden allerdings nur Räume, die von Kindern bis maximal zwölf Jahren genutzt werden, obwohl die Impfquote bei Jugendlichen zwischen 13 und 16 Jahren in Thüringen derzeit bei nur rund 13 Prozent liegt. Übernommen werden bis zu 80 Prozent der Kosten, jedoch nicht mehr als 500.000 Euro pro Standort. Das Förderprogramm läuft bis Ende des Jahres.

Eisenach verteilt mobile Luftreinigungsgeräte an Schulen

62 mobile Luftreinigungsgeräte stehen inzwischen für die Eisenacher Schulen zur Verfügung. In der ersten Augusthälfte werden sie verteilt. Eisenach hat vom Freistaat Thüringen dafür 81.000 Euro erhalten.

v.l.n.r.: Christian Schulz (stellv. Abteilungsleiter Amt für Bildung), Dr. Dominik Montag (Projektkoordinator Lindig GmbH), Oberbürgermeisterin Katja Wolf und Bolko Schumann (Leiter Amt für Infrastruktur) begutachten die Geräte. Bildrechte: MDR/Stadt Eisenach

Entscheidend für den Kauf waren laut Stadtverwaltung der Preis, die Lieferzeit, der Geräuschpegel und die Nutzungsdauer der Luftfilter. Beschafft wurden schließlich 50 Luftreinigungsgeräte für Räume bis 50 Quadratmeter und zwölf Geräte für Raumgrößen bis 75 Quadratmeter.

Verteilung nach Infektionsrisiko

Bei der Verteilung der Geräte werde insbesondere das Infektionsrisiko der Kinder berücksichtigt, hieß es aus dem Rathaus. Demzufolge haben Kinder bis zum Alter von zwölf Jahren keine Möglichkeit, sich gegen das Sars-Cov-2-Virus impfen zu lassen. Die Lüftungsgeräte sollen deshalb den Klassen eins bis sechs bereitgestellt werden. Primär werden Schüler und Schülerinnen der vierten Klasse berücksichtigt (Abgangsklassen). Auf die restlichen Klassen verteilen sich die Geräte im prozentualen Verhältnis zur verfügbaren Menge.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 09. August 2021 | 20:00 Uhr