Denkmalschutz Schwarza: Bürgerinitiative ringt mit dem Herrn von Schloss Stolberg

Das Schloss Stolberg war früher das Wahrzeichen der Gemeinde Schwarza im Kreis Schmalkalden-Meiningen. Als es nach der Wende an Geld für die notwendige Sanierung fehlte, verkaufte die Gemeinde das Schloss an einen privaten Investor. Der ging jedoch pleite und verkaufte es weiter. Der derzeitige Besitzer lässt das Bauwerk seit mehr als zehn Jahren verfallen. Nun machen die Bürger dagegen mobil.

Schloss Stolberg zugewachsen
Das Schloss Stolberg verfällt seit Jahren immer weiter. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

"Wer durch unser Dorf fährt, schlägt die Hände über dem Kopf zusammen." Bernd Andreé und seine Mitstreiter sind frustriert. Früher waren das Schloss Stolberg und dessen Park der lebendige Mittelpunkt des Dorfes Schwarza, das westlich von Suhl liegt. Bibliothek, Verwaltung und Heimatmuseum waren in den Räumen untergebracht. Heute wirkt das Schloss wie eine Ruine im Dornröschenschlaf: eingeschlagene Fenster, zugewuchertes Gemäuer und ein undichtes Dach. Ein Anblick, der sehr zum Nachteil der Gemeinde ist, klagt Andreé.

Um eine Lösung voranzutreiben, haben sich mehrere Dorfbewohner zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen. Jedoch gibt es ein Problem: "Es klemmt, weil der Eigentümer nicht mitwirkt", beschreibt Ingrid Heinrich von der Initiative die festgefahrene Situation.

Bürger aus Schwarza an einem Tisch
Die Bürgerinitiative zur Rettung von Schloss Stolberg setzt sich für den Erhalt des Denkmals ein: Bernd Andreé, Erika Bach, Ingrid Heinrich, Barbara von Hausen, Wolfgang Fuchs (v.l.n.r.). Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Schloss wurde nach der Wende Privatbesitz

Der derzeitige Eigentümer wohnt in Meran in Südtirol. Laut der Dorfbewohner kaufte er das Schloss im Jahr 2010 für etwa 250.000 Euro. Davor hatte das Schloss dem als "Burgen-König" bekannt gewordenen Immobilienhändler Herbert Hillebrandt gehört. Er hatte es nach der Wende für einen symbolischen Preis von 1.000 DM gekauft.

Ingrid Heinrich weiß das zu bezeugen - hatte sie doch damals als Gemeinderatsmitglied eigens die Hand für den Deal gehoben: "Wir waren überzeugt davon, dass wir das Richtige tun." Hillebrandts Sanierungskonzept habe schlüssig gewirkt. Zudem sei geplant gewesen, dass der Gemeindesitz später wieder ins Schloss zurückkehrt. Hillebrandts Insolvenz machte diese Pläne schließlich zunichte.

Verstöße gegen das Denkmalschutzgesetz festgestellt

Auf Briefe der Bürger hat der derzeitige italienische Eigentümer bisher kaum reagiert. Einmal sei ein kurzes Telefonat zustande gekommen, erzählt Andreé. Aber ihre Einladung zu einem konstruktiven Gespräch vor Ort blieb unbeantwortet. Aus Sicht der Bürger drängt die Zeit, weil die Schäden an dem denkmalgeschützten Schloss von Monat zu Monat größer werden. "Als Eigentümer eines denkmalgeschützten Gebäudes hat man nicht nur Rechte, sondern gemäß des Thüringer Denkmalschutzgesetzes auch Pflichten", erklärt Ingrid Heinrich.

Schloss Stolberg zugewachsen
An vielen Stellen ist das Schloss zugewuchert. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Aus diesem Grund hat die Initiative die Denkmalschutzbehörde im Landkreis eingeschaltet, die den Fall daraufhin prüfte. Eine Sprecherin aus der Bauaufsichtsbehörde bestätigte MDR THÜRINGEN, dass bei der Begehung gravierende Mängel festgestellt worden sind. Daraufhin sei der Eigentümer dazu aufgefordert worden, zeitnah Reparaturen durchzuführen, so die Sprecherin.

Eigentümer hält sich weiterhin bedeckt

Auf Nachfrage von MDR THÜRINGEN gab der Eigentümer am Telefon an, sanieren zu wollen. Er warte jedoch noch auf die Hilfe der Gemeinde, geeignete Baufirmen zu finden. Weitere Fragen zu möglichen Nutzungsplänen wollte er unter Berufung auf seine Eigentümerrechte nicht beantworten. Schwarzas Bürgermeister Marco Rogowski bestätigte, dass es ein Gespräch mit dem Besitzer gab. Die Gemeinde sei jedoch aus rechtlichen Gründen nicht dazu befugt, Bauunternehmen zu empfehlen.

Verfallener Eingangsbereich
Der Verfall des Bauwerks zeigt sich an jeder Ecke. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Wie es nun weitergeht, ist unklar. Die Schlossfreunde aus Schwarza wollen weiter für den Erhalt des Gebäudes kämpfen. Sollte der Eigentümer nicht aktiv werden, wollen sie ihm einen Vorschlag unterbreiten. Der bestehe darin, das Schloss in kommunalverwaltetes Stiftungsvermögen umzuwandeln. Während der Eigentümer den Stiftungsvorsitz innehätte, könnte die Gemeinde Spenden sammeln und Fördermittel beantragen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 06. Oktober 2021 | 11:30 Uhr

10 Kommentare

mensrea vor 31 Wochen

@Porfessor Hans: Danke, dass Sie genau wissen, wovon ich Ahnung habe. Aber Ihr Bsp mit Gera illustriert doch genau meine Frage: Was will der Investor mit dem Schloss machen? Wem will er/sie für viel Geld ein marodes Schloss andrehen? Sicher denkt man bei solchen Deals langfristig, aber dazu muss man auch das entsprechende Gebäude haben. Und das sehe ich hier nun mal nicht. Ein sanierungsbedürftiges Schloss in der Thüringer Provinz, das im Zweifel eher wie Reinhardsbrunn zurück enteignet wird, wenn es so weiter geht. Aber was weiß ich schon.

Professor Hans vor 31 Wochen

Mensrea
Leider haben sie keine Ahnung von so was.
Diese Ganoven denken langfristig und nicht in Tagen und Monaten. In gera hat einer ein ganzes stadtquartier für ca. 300T€ gekauft und will jetzt von der Stadt 18 bzw 5,8 Millionen. Verstehen sie das nun. Quelle OTZ GERA,OFFENER KANAL GERA,STADTRAT GERA

Professor Hans vor 31 Wochen

Mensrea
Was für Fragen
Rendite, Niedrigzinspolitik der EZB, Immobilienfonds.
Alles nichts für den gemeinen Bürger. Spekulanten und die sie duldenten Politiker. Noch Fragen?

Mehr aus der Region Suhl - Schmalkalden - Meiningen

Ein Pkw prallte frontal gegen den Tunneleingang des Rennsteigtunnel auf der A71. mit Video
Am Rennsteigtunnel auf der A71 ist es am Dienstagmittag zu einem tödlichen Verkehrsunfall gekommen. Ein Pkw prallte aus noch unbekannter Ursache frontal gegen den Tunneleingang. Der schwer verletzte Fahrer starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Die Autobahn in Richtung Schweinfurt war voll gesperrt. Bildrechte: Ittig / News5

Mehr aus Thüringen