Unfall Kind auf Sommerrodelbahn schwer verletzt: Betreiber weist Vorwürfe der Eltern zurück

Nach einem Unfall auf der Sommerrodelbahn am Inselsberg, bei dem ein Kind schwer verletzt wurde, erhebt der Vater Vorwürfe gegen den Bahn-Betreiber. Er sagt, es habe keine hinreichende Sicherheitseinweisung gegeben. Der Betreiber weist die Vorwürfe zurück.

Sommerrodelbahn in Brotterode am Inselsberg in Thüringen
Die Sommerrodelbahn im Inselsberg-Funpark. Da keine technischen Mängel festgestellt wurden, ist die Bahn weiterhin geöffnet. Bildrechte: imago stock&people

Der Vater des auf der Sommerrodelbahn im Inselsberg-Funpark verunglückten Kindes erhebt Vorwürfe gegen den Betreiber der Bahn. Seine sechsjährige Tochter war am Sonntag bei einer Fahrt mit der Mutter aus der Kurve geflogen. Bei dem Unfall erlitt das Mädchen schwere Verletzungen im Gesicht.

Eltern kritisieren die Einweisung als unzureichend

Der Vater des Mädchens sagte MDR THÜRINGEN, es sei unverantwortlich, dass es möglich ist, so schnell zu fahren, dass der Bob aus der Kurve fliegt. Aus diesem Grund fordere er den Betreiber dazu auf, das Fahrtempo technisch zu drosseln. Außerdem beanstandete der Mann, der während des Unfalls nicht selbst vor Ort war, dass es keine richtige Einweisung gegeben habe. Auch die Mutter sagte, sie seien nicht auf die Gefahren hingewiesen worden. Erst im Nachhinein habe der Betreiber erklärt, dass in der Kurve das Gewicht verlagert werden müsse, um eine sichere Fahrt zu haben.

Betreiber weist die Vorwürfe zurück

Der Betriebsleiter der Sommerrodelbahn, Mario Leibitzki, weist die Vorwürfe zurück. Im Gespräch mit MDR THÜRINGEN sagte er, das Tempo werde schon jetzt technisch gedrosselt. Zudem würden jedem Besucher vorab die Regeln erklärt. Zusätzlich gibt es laut Leibitzki Schilder mit Hinweisen für richtiges Verhalten - was auch von den Eltern des Kindes bestätigt wurde. Zudem sei ersichtlich, dass die Rodelbahn eine Sportanlage ist, auf der aktives Handeln erforderlich ist, so Leibitzki. Aus diesem Grund dürften Kinder unter acht Jahren auch nicht alleine fahren. Beim Fahren in Begleitung seien die Erwachsenen dafür verantwortlich, den Bob sicher zu steuern.

Am Freitag reagierte auch die Betreiber-Firma auf die Vorwürfe der Eltern. Wie die Wiegand Erlebnisberge GmbH mitteilte, seien alle Video- und Bildaufnahmen ausgewertet worden. Darauf sei deutlich zu erkennen, dass "ein Fahrfehler vorliegt und gegen mehrere Punkte der Beförderungsbedingung der Sportanlage verstoßen wurde".

Polizei: Keine Hinweise auf technischen Defekt

Die zuständige Polizei gibt an, keinen technischen Defekt an der Bahn oder dem Bob gefunden zu haben. Aus diesem Grund durfte der Betrieb normal weitergeführt werden. Dennoch seien die Ermittlungen zur Unfallursache noch nicht abgeschlossen, es wurden Zeugen vernommen sowie Videomaterial ausgewertet. Auch fahrlässiges Handeln müsse ausgeschlossen werden, so die Polizei.

Verbaute Technik laut Rutschenbauer bedienerfreundlich

Der ehemalige Profi-Rennrodler Hans Rinn aus Ilmenau beurteilt die auf der Sommerrodelbahn verbaute Technik der Firma Wiegand als bedienerfreudlich. Rinn selbst ist Inhaber einer Firma, die Wasserrutschen baut - die Technik der Konkurrenz kennt er nach eigenen Angaben gut. Sie werde seiner Kenntnis nach weltweit verbaut, die Bedienung sei intuitiv. Das Bremsen erfolge automatisch, sobald der Fahrer den Hebel loslässt. Dennoch passieren auch damit Unfälle, wenn Menschen den Hebel in einer Paniksituation nicht loslassen, so der Wasserrutschen-Bauer.

Rodelbahnen werden einmal pro Jahr vom Tüv geprüft

Laut Tüv Thüringen werden Rodelbahnen - wie die auf dem Inselsberg - einmal pro Jahr geprüft. Bei der Wartung werde untersucht, ob es Verformungen, Verschleiß oder andere Schäden durch äußere Einflüsse gibt und ob die Bremsen und Sicherheitseinrichtungen funktionieren.

Grundsätzlich sei es jedoch so, dass auch auf technisch einwandfreien Bahnen ab und an Unfälle passieren. Gerade bei actionreichen Sportanlagen wie Rodelbahnen sei das unvermeidlich, so ein Sprecher des Tüv. Vorsicht sei daher immer geboten. Ganz besonders auf nasser Fahrbahn. So wie beim Auto verlängere sich auf nassem Untergrund der Bremsweg. Auf einigen Sommerrodelbahnen darf aus diesem Grund bei Regen nicht gerodelt werden. Die Sommerrodelbahn auf dem Inselberg hat jedoch eine Erlaubnis dafür. Die Bobs bekommen, wenn es regnet, spezielle Bremsschuhe übergezogen, so der Betreiber. An dem Unfalltag sei es jedoch trocken gewesen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 23. Juni 2021 | 15:00 Uhr

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