Nach rassistischer Beschimpfung Radfahrer in Eisenach verprügelt: Bewährungsstrafen für Angreifer

Das Landgericht Meiningen hat zwei junge Männer aus Syrien und Afghanistan zu Bewährungsstrafen verurteilt, weil sie in Eisenach einen Radfahrer brutal verprügelt haben. Das Opfer war die beiden zuvor angegangen und hatte sie rassistisch beschimpft. Der 33-Jährige leidet bis heute unter den Schlägen und Tritten.

Prozess Meiningen
Die Angeklagten entschuldigten sich in der Verhandlung. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Der 18 Jahre alte Afghane wurde zu einem Jahr und vier Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, der 19 Jahre alte Syrer zu einem Jahr und sechs Monaten. Die Zeit der Bewährung wurde jeweils auf drei Jahre ausgesetzt. Außerdem muss jeder von ihnen 180 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Aussagen aller drei Beteiligten

Im Prozess hatten die Täter gestanden, das Opfer sagte umfassend aus. Die drei waren sich im April 2020 begegnet, als der Radfahrer in Eisenach an den beiden Migranten vorbeifuhr. Nachdem er zunächst angab, sich nicht zu erinnern, gab der Radfahrer vor Gericht zu, die Konfrontation gesucht zu haben: Er sei abgestiegen, habe die Männer gestoßen und "Scheiß Ausländer" gesagt. Wenn er Ausländer sehe, dann bekomme er "schon einen Hals", sagte der Radfahrer vor Gericht. In der Situation habe er sich allerdings überschätzt.

Eine der Verletzungen war lebensbedrohlich

Der Syrer und der Afghane gingen zum Angriff über: Sie prügelten und traten auf den 33-Jährigen ein. Das Opfer wurde schwer verletzt, erlitt unter anderem ein offenes Schädel-Hirn-Trauma, das eine Gerichtsmedizinerin als lebensbedrohlich einschätzte. Noch immer stehen nach Angaben des Opfers Operationen an, außerdem berichtete der Mann von psychischen Problemen und Angstzuständen. Er ist bis heute arbeitsunfähig. Beide Angeklagten entschuldigten sich vor Gericht. Die Situation sei eskaliert, es tue ihnen sehr leid.

Gericht sieht keinen Tötungsansatz

Die Staatsanwaltschaft hatte die beiden Beschuldigten auch wegen versuchter Tötung angeklagt. Dieser Vorwurf war nach Prozessbeginn fallengelassen worden. Aufgrund der Schuldeingeständnisse beider Angeklagten und ihrem Alter bei der Tatzeit wurden sie wegen gefährlicher Körperverletzung nach Jugendstrafrecht verurteilt. Die Vorsitzende Richterin, Manuela Pallasch, sagte bei der Urteilsverkündung: "Wir gehen nicht davon aus, dass sie in einem Tötungsansatz gehandelt haben. Wir haben Ihnen beiden zugute gehalten, dass es diese Provokationen und Beleidigungen gegeben hat. Die massive Gewalteinwirkung auf den 33-Jährigen sei allerdings "mit nichts und durch kein Verhalten" zu rechtfertigen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa,gh,seg

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 22. April 2021 | 15:00 Uhr

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