Wiederbelebung Ehemaliges Gefängnis in Sonneberg wird Romantikhotel

Porträt Regionalkorrespondentin Marlene Drexler
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Im Jahr 1963 wurde das alte Sonneberger Gefängnis geschlossen. Seitdem stand das Gebäude leer und war dem Verfall ausgesetzt. Das einzigartige und historische Zeugnis hinter den dicken Mauern wird jetzt aber wiederbelebt: Die neuen Eigentümer wollen aus dem alten Knast ein Romantikhotel bauen.

Ein Mann steht vor einem alten Gefängnis.
Lutz Lange ist einer der neuen Eigentümer des ehemaligen Gefängnisses in Sonneberg. Bildrechte: MDR/ Marlene Drexler

Gefängnis und Romantik - das passt eigentlich nicht zusammen. Aber Sonneberg ist ein Spezialfall. Denn das ehemalige Gefängnis ist nicht irgendein Gebäude, sondern ein historischer Bau aus dem 17. Jahrhundert. Der massive Dreigeschosser aus dicken Sandsteinmauern prangt erhöht an einem Hügel oberhalb des alten Rathauses.

Die Innenausstattung wurde in den 1830er-Jahren zuletzt erneuert und trägt damit noch die ernestinische Handschrift des Herzogtums von Sachsen-Meiningen.

Investitionen in Millionenhöhe geplant

Der dornrösschenhaft-romantischen Anmutung zum Trotz, besitzt das Gebäude natürlich auch all jene Merkmale, die für ein Gefängnis typisch sind: kleine Gefangenenzellen mit vergitterten Fenstern, schwere Türen - damals noch aus Holz gebaut - mit Eisenscharnieren und Gucklöchern. Und umgeben ist das alte Gefängnis natürlich von einer meterhohen Mauer.

Das ehemalige Gefängnis von außen.
Die neuen Eigentümer haben sich viel vorgenommen. Das Dach ist bereits erneuert. Bildrechte: MDR/ Marlene Drexler

Trotzdem hat sich Lutz Lange, einer der neuen Eigentümer, in den Kopf gesetzt, das ehemalige Gefängnis in ein Vier-Sterne-Romantikhotel mit etwa 25 Zimmern zu verwandeln. Erstanden hat er das Gebäude und das Grundstück gemeinsam mit vier Geschäftspartnern auf einer Auktion für rund 15.000 Euro, wie er ganz offenherzig mitteilt.

Ich möchte so viel Ursprüngliches wie möglich erhalten.

Lutz Lange Miteigentümer des ehemaligen Gefängnisses

Schnell musste das Dach erneuert werden, um die Bausubstanz nicht zu gefährden. Allein dieser erste Bauabschnitt hat mehrere hunderttausend Euro gekostet. In die nun folgende Sanierung und den Umbau sollen weitere 1,5 Millionen Euro investiert werden.

Ein neuer Dachsthul in altem Gebäude.
Eine frische Holzkonstruktion trägt das erneuerte Dach. Bildrechte: MDR/ Marlene Drexler

Ziel: Ursprüngliches erhalten

Das ehemalige Gefängnis steht unter Denkmalschutz. Lutz Lange hat nach eigenen Angaben einen Sinn für alte Gebäude und kündigt an: "Ich möchte so viel Ursprüngliches wie möglich erhalten." Natürlich wollen sich Menschen im Urlaub aber auch wohlfühlen. In einem dunklen Zimmer mit einer Holzpritsche ist das schwer vorstellbar.

Innenansicht eines mit traditionellen Baustoffen rekonstruierten Fachwerkhauses 30 min
Innenansicht eines mit traditionellen Baustoffen rekonstruierten Fachwerkhauses Bildrechte: MDR/Tobias Sandow

Daher will Lange einen Balanceakt wagen: Teile des noch aus herzoglichen Zeiten stammenden Innenlebens des Gefängnisses erhalten und trotzdem Urlaubsgefühle entstehen lassen. Konkret heißt das zum Beispiel, die dicken Holztüren - an denen sogar noch die Zellennummern zu lesen sind - sollen bleiben.

Damit die Abendsonne in den Hof fallen kann, haben wir die Gefängnismauer von sechs auf drei Meter abgetragen.

Lutz Lange über den Baufortschritt

Die Fenstergitter werden dagegen an jedem zweiten Fenster weichen. Auch die Gefängnismauer wurde schon von sechs auf drei Meter abgetragen. "Damit die Abendsonne in den Hof fallen kann", erklärt Lutz Lange. Dort, wo die Gefängnisinsassen früher mal ein bisschen Frischluft schnappen konnten, soll eine offene Gastronomie mit Biergarten entstehen.

Blick aus einer Zelle in einen Garten.
Doch ein bisschen zu viel des Guten: Die Gitter vor manchen Fenstern sollen ab. Bildrechte: MDR/ Marlene Drexler

Auch ein prominenter Name unter den ehemaligen Bewohnern

Wer sich für einen Ferienaufenthalt in dem ehemaligen Gefängnis entscheidet, möchte möglicherweise auch wissen, wer in seinem Zimmer früher mal genächtigt hat. Lutz Lange hat daher schon mal vorgearbeitet und mit Zeitzeugen gesprochen, zum Beispiel mit den Kindern des Gefängnisdirektors, die zeitweise in dem Gefängnis gelebt haben.

Die Recherchen haben ergeben, dass in dem Gefängnis in Sonneberg vor allem Kleinkriminelle untergebracht waren. Zu Zeiten des Herzogtums waren das zum Beispiel Holzdiebe. Später Menschen, die zu einer Geldstrafe verurteilt worden waren, diese aber nicht zahlen konnten. Darüber hinaus gab es allerdings auch einen prominenten Insassen.

Ein Mann steht in einem alten Verließ.
Im ehemaligen Verließ, so hofft es Lutz Lange, sollen sich in wenigen Jahren Gäste wohlfühlen. Bildrechte: MDR/ Marlene Drexler

So ist überliefert, dass Milo Barus, besser bekannt als "Der stärkste Mann der Welt" kurzzeitig in dem Gefängnis untergebracht war. Barus, ein zu seiner Zeit weltweit berühmter Kraftathlet, war unter anderem dafür berühmt und berüchtigt, ein Pferd hochzuheben und einige Treppenstufen hochzutragen.

"Dass er hier war, ist belegt", weiß Lutz Lange, "auch wenn es nur wenige Nächte waren." Bis 2024 brauchen die Eigentümer noch, um alle weiteren Bauabschnitte zu planen. Dann soll der restliche Umbau starten.

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Nachmittag | 14. Mai 2022 | 16:20 Uhr

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