Feiertage Einsamkeit an Weihnachten: Allein unterm Tannenbaum?

Nicht jeder kann Weihnachten im Kreis der Familie feiern. Alleinsein, wenn gefühlt der Rest der Welt beisammen ist, kann schmerzhaft sein. Muss es aber nicht, sagt der Sonneberger Pfarrer Johannes Heinrich.

Ein älterer Mann sitzt allein am Tisch
Ältere Menschen sind an Weihnachten häufiger allein. (Symbolbild) Bildrechte: Colourbox.de

Die ganze Familie vereint unter dem Tannenbaum. Dieses Bild ist das Klischee vom Weihnachtsfest. Für manche sieht die Realität aber ganz anders aus, zum Beispiel für Alleinstehende, oder Menschen, die keine Angehörigen mehr haben.

Einsam zu sein, wenn gefühlt der Rest der Welt beisammen ist, kann schmerzhaft sein. Muss es aber nicht, sagt Johannes Heinrich. Er ist evangelischer Pfarrer im Sonneberger Stadtteil Wolkenrasen. Sein Gemeindebüro hat er im Stadtteilzentrum "Wolke 14". Dort finden neben zahlreichen Sport- und Kulturveranstaltungen auch seine Gottesdienste statt.

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Johannes Heinrich vor dem Stadtteilzentrum "Wolke 14" in dem auch sein Gemeindebüro ist. Dort wird an Heiligabend "Weihnachten mal anders" gefeiert. Ein offenes Weihnachtsessen für jeden der Lust hat. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Pfarrer Heinrich: Jüngere haben größeres Netzwerk

Er beobachtet, dass das Thema Einsamkeit rund um Weihnachten vor allem ältere Menschen ab 60 Jahren und aufwärts betrifft: "Bei Jüngeren hab ich es bisher noch nicht mitbekommen, heißt natürlich nicht, dass es das nicht auch gibt." Erfahrungsgemäß hätten die Jüngeren jedoch ein größeres Netzwerk, auch seien sie in der Regel mobiler.

Wenn Heinrich mit alleinstehenden Menschen über Heiligabend und die Feiertage spricht, rät er, die Situation des Alleinseins erst einmal anzunehmen und je nachdem auch festzuhalten: "Ich habe hier eine Situation, mit der bin ich unglücklich." Alleinsein sei noch immer gesellschaftlich stigmatisiert. Dadurch kann die Zeit rund um Weihnachten auch Druck erzeugen.

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Johannes Heinrich, evangelischer Pfarrer im Sonneberger Stadtteil Wolkenrasen. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Alleinsein bringt nicht zwangsläufig nur Schattenseiten

Im zweiten Schritt lohne es sich auch zu fragen: Warum bin ich unglücklich damit? Fehlt wirklich mir etwas, oder ist es die Erwartung von außen, die mich verunsichert? Pfarrer Johannes Heinrich ermutigt dazu, Einsamkeit nicht per se zu verurteilen und selbstbewusst zu sein: "Das kann auch heißen, eigene Rituale zu entwickeln. Zu sagen, ich genieße es keine Verpflichtungen zu haben und nehme mir den Tag ganz für mich."

Sonneberg: Weihnachtsessen im Stadtteilzentrum

Wem das nicht ausreicht, der kann natürlich auch nach Veranstaltungen suchen. Soziale Einrichtungen sind meist eine gute erste Adresse. Im Sonneberger Stadtteilzentrum Wolkenrasen gibt es zum Beispiel ein offenes Weihnachtsessen, das Motto "Weihnachten mal anders". Auch einen Gottesdienst zu besuchen kann erheitern, sagt Heinrich: "Da kann man dann auch plauschen, am Eingang, am Ausgang, zwischendurch." Und so hoffentlich das Gefühl der Einsamkeit etwas mindern.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 24. Dezember 2021 | 13:30 Uhr

4 Kommentare

Tpass vor 40 Wochen

Mündige Bürger! Also in den letzten Monaten wurden uns immer mehr Maßnahmen aufgebürdet und gesagt wir sollten Solidarisch sein. Auf welcher Last stehen denn die ganzen Forderungen? Man kann denken 🧐 was man möchte. Meine persönliche Meinung und Situation hinterfragt ob nicht wir Bürger überfordert werden. Alles was gefordert wird geht ausschließlich zu Lasten Mitbürger. Und eins ist gewiss . Die neue Ampel wird uns in den nächsten Monaten und Jahren noch viel abverlangen wovon heute noch niemand sprechen möchte. In der letzten MDR Umfrage wurde gefragt was uns bewegt und worauf unsere Vergangenheit mit Corona und die Zukunft damit aussehen würde. Es wird keine schöne Zeit werden wenn alles teurer wird und Kenner nicht wirklich wissen wohin die Reise geht in und mit Deutschland 🇩🇪

O.B. vor 40 Wochen

Oooo, da die Mehrheit gerade zufrieden mit den Massnahmen ist oder sogar härte fordert scheint es so das den Bürgern der Ton gefällt. Verstehen muss man das nicht aber das einem gerade von denen dann die Intelligenz abgesprochen wird ist schon seltsam. Denn wie sie richtig sagen Millionen sind mündige Bürger und sollten diese Art von mahnen fordern drohen mal hinterfragen anstatt es hochleben zu lassen. Tja Muddi hat ihnen 16 Jahre lang die Hand gehalten und gesagt was gut für sie ist. Daran hat man sich wohl gewöhnt 🤷‍♂️

Vita vivet vor 40 Wochen

Wer hat denn die Menschen einsam gemacht?

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