Kommunen Bürger von Goldisthal streiten um Eigenständigkeit ihrer Gemeinde

MDR THÜRINGEN-Reporterin Bettina Ehrlich
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Goldisthal im Landkreis Sonneberg ist noch selbstständig - mit gerade mal knapp 380 Einwohnern. Noch hat die Gemeinde keine Not, sich eingemeinden zu lassen. Trotzdem streckt das Dorf seine Fühler nach Großbreitenbach im Ilm-Kreis aus. Das allerdings passt nicht jedem.

Das Kulturhaus in Goldisthal im Landkreis Sonneberg.
Das Kulturhaus in Goldisthal mit Spielplatz davor. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Die Straßen sind frisch saniert. Das schwarz geschieferte Kulturhaus sieht aus wie geleckt, auf dem Dach des nagelneuen Feuerwehrgerätehauses liefert eine Photovoltaikanlage Strom. Goldisthal im Kreis Sonneberg hat außerdem die komplette Kanalisation erneuert - samt eigener Kläranlage und Wasserwerk. Von solchen Bedingungen können Bürgermeister und Bürger anderswo in Thüringen nur träumen.

Hohe Steuereinnahmen durch Pumpspeicherkraftwerk

Goldisthal konnte jahrelang aus dem Vollen schöpfen. Vattenfall betreibt hier das leistungsstärkste deutsche Pumpspeicherkraftwerk und führte überdurchschnittlich viel Gewerbesteuer an Goldisthal ab. Teilweise hat das viele Geld in dem Ort auch für Höhenflüge mit anschließender Bruchlandung gesorgt. Mehrere 100.000 Euro sollen zum Beispiel ausgegeben worden sein für die Planung einer Skischaukel von Masserberg nach Goldisthal. Das Planungsbüro hatte seine Ideen seinerzeit mit großem Tamtam vorgestellt. Passiert ist bisher nichts.

Oberbecken des Pumpspeicherkraftwerkes Goldisthal
Oberbecken des Pumpspeicherkraftwerkes Goldisthal. Bildrechte: dpa

Bürgermeister träumte von Hängebrücke

Bürgermeister Andreas Girbardt (pl) träumte auch von einer Hängebrücke über dem Unterbecken des Pumpspeicherkraftwerkes. Kosten sollte das Ganze schätzungsweise 1,2 Millionen Euro. Das Land Thüringen hat den Förderantrag 2019 abgelehnt. Einziger Nutznießer war wieder einmal das Planungsbüro, das eine Machbarkeitsstudie erstellt hatte.

Pumpspeicherkraft kein Goldesel mehr

Die fetten Jahre sind für Goldisthal inzwischen vorbei. Mit seinem Pumpspeicherkraftwerk fährt Vattenfall kaum noch Gewinne ein. "Ganz schlecht war es 2016, als wir dann aufgrund von Nachberechnungen Gewerbesteuern sogar zurückzahlen mussten", sagt Bürgermeister Girbardt.

Goldisthal steht finanziell zwar immer noch besser da als die meisten Orte in Thüringen, aber so langsam macht sich auch der Gemeinderat Gedanken darüber, wie es weitergehen könnte. Girbardt macht keinen Hehl daraus, dass er die Zukunft Goldisthals in Großbreitenbach sieht - obwohl Großbreitenbach im Ilm-Kreis liegt.

Eine gut ausgebaute Straße in der Gemeinde Goldisthal.
Die Straßen in Goldisthal sind gut ausgebaut. An Geld dafür mangelte es der Gemeinde in der Vergangenheit nicht. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

"Wir könnten uns dort der Landgemeinde anschließen und in dem Konstrukt hat unser Ortschaftsrat dann mehr Entscheidungsmöglichkeiten als zum Beispiel bei einer Eingemeindung nach Neuhaus am Rennweg", so Girbardt. Dann wäre Goldisthal nur einer von vielen Ortsteilen der Stadt.

Großbreitenbach oder doch Neuhaus am Rennweg?

Manuela Straubel sieht das anders. "Uns geht es doch gut, wir haben nichts auszustehen", sagt sie. Ihrer Meinung nach haben sich die Goldisthaler schon immer Richtung Neuhaus am Rennweg ausgerichtet. Mit Großbreitenbach dagegen verbinde sie gar nichts. Außerdem wäre ein Übertritt vom Landkreis Sonneberg in den Ilm-Kreis mit massiven bürokratischen Hürden verbunden. Auch die Busverbindung dorthin funktioniere nicht.

Demo gegen Zusammenschluss mit Großbreitenbach

Dass Straubel mit ihrer Meinung nicht allein ist, zeigte eine Demonstration zu der sie Mitte August aufgerufen hatte. Immerhin sind 35 Goldisthaler durchs Dorf gezogen. Straubel glaubt nicht an eine Zukunft mit Großbreitenbach. "Der Verwaltung dort geht es doch nur um die Einwohner, die brauchen sie, um ihre Landgemeinde zu erhalten", sagt sie.

Bürgerbefragung soll Klarheit bringen

"Das ist völlig legitim", sagt Bürgermeister Girbardt. "Ist doch klar, dass nicht alle einer Meinung sind." Er möchte, dass die Einwohner von Goldisthal über die Zukunft des Dorfes entscheiden. Deshalb sollen am 26. September, dem Tag der Bundestagswahl, zusätzliche die Einwohner befragt werden.

Gemeinderat will sich an Votum der Bürger halten

Die Frage lautet dann, ob Goldisthal zusammen mit dem benachbarten Katzhütte im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt Fusionsgespräche mit Großbreitenbach aufnehmen soll oder nicht. Auch wenn das Votum der Bürger rechtlich nicht bindend ist, will sich der Gemeinderat daranhalten.

Stimmt die Mehrheit gegen die Fusion mit Großbreitenbach, sei das auch kein Drama, so der Bürgermeister. Dann bleibt Goldisthal erst einmal selbstständig und kann dann eventuell bei Neuhaus am Rennweg anklopfen. "Die Frage ist halt, ob sie uns wollen", so Girbardt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

aktuelle Gemeindefusionen in Thüringen

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 27. August 2021 | 06:50 Uhr

1 Kommentar

Thueringer Original vor 13 Wochen

Wenn Katzhütte nicht mit Großbreitenbach fusioniert, dann hätte Goldisthal keine Verbindung zur Landgemeinde Großbreitenbach. Mit der Aufgabe der Selbstständigkeit gibt man so gut wie fast alle Rechte ab. Man wird zum Bittsteller. Aber bei einer Gemeinde mit nur 340 Einwohnern ist die Eigenständigkeit auch etwas dekadent. Bei der Abstimmung steht die Fusion mit Neuhaus nicht auf dem Stimmzettel?

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