Neuhaus am Rennweg Möglicher Missbrauch im Heim: Pflegerinnen gekündigt - Datenträger beschlagnahmt

Pflegerinnen eines Heims in Neuhaus am Rennweg wird sexueller Missbrauch von Bewohnern vorgeworfen. Die Heimbetreiber kündigten allen Beschuldigten fristlos. Zuvor war gegen sie von den Behörden ein Beschäftigungsverbot verhängt worden. Die Polizei ermittelt.

Nach Missbrauchsvorwürfen gegen Pflegekräfte eines Heims in Neuhaus am Rennweg hat der Heimbetreiber allen fünf beschuldigten Mitarbeiterinnen fristlos gekündigt. Das teilte die Cura-Unternehmensgruppe mit Sitz in Berlin MDR THÜRINGEN am Freitag mit. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatte Cura die Pflegerinnen bereits vom Dienst freigestellt. Das Landesverwaltungsamt als Heimaufsichtsbehörde verhängte zudem ein Beschäftigungsverbot.

Cura erklärte weiter, der Pflegebetrieb werde von den 75 verbleibenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Heims sichergestellt. Zudem seien Pflegekräfte aus anderen Einrichtungen des Unternehmens zur Unterstützung angefragt worden.

Pflegeheim "Angelika-Stift" in Neuhaus am Rennweg.
Das betroffene Pflegeheim in Neuhaus am Rennweg. Bildrechte: MDR/News5

Angeblich Bewohner fotografiert und bloßgestellt

Gegen die fünf Mitarbeiterinnen ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Kranken oder Hilfsbedürftigen in Einrichtungen, sexueller Nötigung, Körperverletzung und Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches durch Bildaufnahmen. Einzelheiten nannten die Ermittler nicht.

Nach MDR THÜRINGEN-Recherchen sollen einige der Beschuldigten in einer Facebook-Gruppe Bilder veröffentlicht haben, die die Opfer in menschenunwürdigen und erniedrigenden Posen zeigen. Bisher gehe die Polizei von sieben Opfern aus - fünf Frauen und zwei Männer.

Heike Werner: Taten anzeigen

Sozialministerin Heike Werner sagte MDR-THÜRINGEN, Übergriffe eines solchen Ausmaßes habe sie nicht für möglich gehalten. Sie appellierte an Opfer und Betroffene, sich nicht zu verstecken und solche Übergriffe zu melden, gegebenenfalls auch anonym.

Datenforensiker untersuchen beschlagnahmte Speichermedien

Am Donnerstag waren mehrere Privatwohnungen und das Pflegeheim selbst durchsucht worden. Die Ermittler beschlagnahmten nach eigenen Angaben zahlreiche Datenträger. Datenforensiker untersuchen diese Speichermedien jetzt und versuchen, gelöschte Daten wieder herzustellen. Nach Polizeiangaben hatte es Ende vergangenen Jahres einen anonymen Hinweis auf die Missbrauchsstraftaten gegeben.

Der Landrat des Kreises Sonneberg und Neuhaus' Bürgermeister reagierten entsetzt auf die Missbrauchs-Vorwürfe. Landrat Hans-Peter Schmitz erklärte, es sei gut, dass der Träger des Pflegeheims umfassend mit der Polizei kooperiere.

Bürgermeister Uwe Scheler sagte, er schäme sich dafür, dass Menschen in seiner Stadt verdächtigt werden, solche Taten verübt zu haben. Das Vertrauen in soziale Einrichtungen sei schwer beschädigt worden.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 13. November 2020 | 19:00 Uhr

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