Mundart Steinheider Kindergarten "plaudert auch platt"

Rund 50 Kinder gehen in den Steinheider Kindergarten. Er liegt mitten im Dorf und wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. Zum Jubiläum bereitet der Kindergarten ein Überraschungsprogramm vor. Ganz nebenbei wird auch noch was für den Steinheider Dialekt getan.

Wer nicht in dem fränkisch geprägten Landstrich aufgewachsen ist, versteht zuweilen kein Wort. Küken sind Klickerla, Hebbela Ziegen ein Hahn ist der Goggelhah. Ingelinde Leib schmunzelt schelmisch. Sie hat den Dialekt von ihren Eltern gelernt und liebt die Sprache ihrer Heimat. Seit den 90er Jahren ist sie Erzieherin in dem Dorfkindergarten und hat schon immer mit den Kleinen platt gesprochen.

"Ich frage die Eltern immer, wenn die Kleinen zu mir kommen, ob sie damit einverstanden sind, wenn ich mit ihren Kinder im Dialekt spreche. Bei den Meisten gab es nie Probleme", sagt sie und greift sich eine Fingerpuppe. Sie übt mit den Kleinen das Gedicht vom "Kaferkindla". Das hat Ingelinde Leib selbst geschrieben. Die Verse in Steinheider Mundard, so erinnert sie sich, kamen von ganz allein bei einem Spaziergang durch den Wald. Die Kinder sprechen Ingelinde nach und schmettern zum Schluss ein kräftiges "Nausenspitz" für Nasenspitze.

Das Gedicht vom Kaferkindla (von Ingelinde Leib) Ah Kaferkindla is geschmüggt
mit siehm klenn Pünklana
am Bäuchla, am Bäckla,
am Handla, am Füssla,
am Armla, am Uurla
un ääs sietzt
es is kä Witz
klitzekla mitten unff de Nausenspitz

Kindergartenkinder
Für das Gedicht vom "Kaferkindla" schlüpft eines der Kinder in ein Käferkostüm. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kinder kennen Unterschied zwischen Mundart und Hochdeutsch

Völlig unbefangen und mit sichtlich Spaß sprechen die Kleinen die Mundartwörter aus. Besonders talentiert sind die Kinder aus der Zuckertütengruppe. Wilson zum Beispiel redet viel mit seinem Opa aus dem benachbarten Lauscha auf Dialekt. "Für ihn ist das selbstverständlich", sagt seine Mama Sarah Gropp. Trotzdem ist ihr wichtig, dass ihr Vorschulkind Wilson den Unterschied zwischen Dialekt und Hochdeutsch kennen lernt. "Wir versuchen ihm dann zu erklären, dass die 'Laderjack' eigentlich Lederjacke heißt."

Auch die Kindergartenleiterin Sarah Leib beruhigt. "Wir sprechen mit den Kindern ja nicht nur stenhäderisch", lacht sie. Die Mundart kommt vor allen in Gedichten, Liedern und Fingerspielen vor. Sie ist vor allem eine wunderbare Abwechslung. Falls Corona es zulässt, soll im Sommer zum 50-jährigen Kindergartenjubiläum ein kleines Fest stattfinden. Bis dahin können die Kleinen noch mit ganz viel Spaß zum Beispiel das Gedicht vom "Kaferkindla" üben.

Quelle: MDR THÜRINGEN/nis

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 09. April 2021 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

Freies Moria vor 4 Wochen

Eine vorbildliche Aktion, da kann man nur gratulieren und die Nachahmung empfehlen!
Ich wünschte mir auch, das Kultusministerium würde solche Initiativen auszeichnen und zur Nachahmung aufbereiten.

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