Nachfolgeprobleme Plüschtier-Tradition aus Sonneberg endet: Ausverkauf bei "Plüti"

In Sonneberg geht die 120 Jahre alte Tradition des Plüschtierherstellers "Plüti" zu Ende. Unternehmer Hartmut Volkmar konnte bisher keinen Nachfolger für seine Fabrik finden. Doch der Markenname steht auch weiter für Sonneberger Spielzeugproduktion - und vielleicht gibt es doch noch ein Happy End.

Kunde sucht Teddy
Reiner aus Sonneberg (links) bekommt einen der vielleicht letzten Teddys des Traditionsunternehmens. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Seit September werden in der Juttastraße 8 in Sonneberg keine flauschigen Teddybären, Äffchen, Löwen, Esel, Hunde oder Katzen mehr genäht. Nach 120 Jahren Firmengeschichte wurde die Produktion eingestellt. Für Hartmut Volkmar fühlt sich das nicht richtig an. Trotzdem gab es keine Alternative. "Wir konnten das unseren Kindern nicht aufzwingen", sagt der Unternehmer. Obwohl Sohn und Tochter durchaus das Zeug dazu hätten. Nicht nur, dass kein Nachfolger gefunden werden konnte, auch die Fachkräfte seien rar.

Konkurrenz aus Fernost

"Es ist ja nicht so, dass du einfach eine Maschine anmachst und hinten kommt ein fertiges Plüschtier raus." Die Leute müssten kreativ und geschickt sein. "Und der Markt muss stimmen", sagt Volkmar. Plüschtiere aus Fernost haben Plüti das Leben in den vergangenen Jahren schwergemacht. Mit der Massenproduktion konnte die Sonneberger Spielzeugmanufaktur preislich nicht mithalten. Aber von der Qualität her war Plüti nach eigenen Angaben nicht zu schlagen.

Maschine zum Plüschtierstopfen
Mit dieser Maschine wurden die Plüschtiere gestopft. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Es ist ja nicht so, dass du einfach eine Maschine anmachst und hinten kommt ein fertiges Plüschtier raus.

Hartmut Volkmar Plüti-Geschäftsführer

Ein richtig gutes Plüschtier muss was aushalten können. Volkmar nimmt einen Teddy aus dem Regal im Schaufenster des kleinen Ladens und zeigt auf die Nähte. "So ein Dreijähriger schlenkert seinen Teddy auch mal rüde durch die Gegend", sagt er und schleudert den Bären am Arm im Kreis. Und auch nach dem Schongang in der Waschmaschine sollte der plüschige Liebling nicht die Form verlieren.

Mehrere Plüschtiere
Vor allem auf die Qualität seiner Plüschtiere ist das Unternehmen stolz. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Unternehmen mit Historie

Im Jahr 1900 hat Carl Moritz das Unternehmen gegründet. Produziert wurden damals Puppenteile und Perücken für Puppen. Erst 60 Jahre später erblickten die ersten Plüschtiere das Licht der Welt. Plüti überlebte zwei Weltkriege und wurde zu DDR-Zeiten erst 1972 verstaatlicht. Die Familie Volkmar hat den Betrieb nach der Wende von der Treuhand wieder zurückgekauft. "Gott sei Dank", sagt Volkmar. Denn es folgten spannende und aufregende Jahre. In dieser Zeit entstanden neue Werkhallen und auch der Verkaufsladen mit den großen einladenden Schaufenstern.

Jedes Tier hat seine eigene Geschichte.

Hartmut Volkmar Plüti-Geschäftsführer

"Jedes Tier hat seine eigene Geschichte", sagte Hartmut Volkmar und zeigt auf ein rotbraunes wuscheliges Äffchen mit langen Schlenkerarmen. Ein Unternehmer aus Hamburg hatte es bestellt. "38.000 Stück innerhalb weniger Tage. Unsere Mitarbeiter haben im Akkord genäht und einen wunderbaren Job gemacht", schwelgt Volkmar in Erinnerungen. Bis zu 50 Beschäftigte standen in den guten Jahren in Lohn und Brot.

Mann streichelt großen Teddy
Bei Plüti stehen die Zeichen auf Abschied. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Letzter Funken Hoffnung

So lange noch Plüschtiere da sind, läuft der Werksverkauf. Die Kunden können an der Haustür klingeln, dann öffnet Volkmar den Laden. Reiner aus Sonneberg sucht einen Teddy. Ehe er sich versieht, hat ihn Volkmar in die ehemalige Werkhalle hinter dem Laden entführt. Er zeigt ihm, wie die Stopfmaschine funktioniert hat und wo die Näherinnen damals saßen. Für Volkmar irgendwie unwirklich, dass es das hier gewesen sein soll.

Aber die Hoffnung stirbt halt zuletzt.

Hartmut Volkmar Plüti-Geschäftsführer

"Es wäre schon schön, wenn das erhalten bleiben könnte", sagt er, "Als lebendige Werkstatt vielleicht". Mit zwei jungen Unternehmern steht Volkmar in engem Kontakt. Die Beiden würden richtig dafür brennen. Aber ob aus der Idee etwas wird, das ist noch unklar. Und über ungelegte Eier mag Volkmar nicht weiterreden. "Aber die Hoffnung stirbt halt zuletzt“, sagt er.

Reiner hat in der Zwischenzeit seinen Teddy gefunden. Der fast einen Meter große Bär bekommt den schönsten Platz im Wintergarten.

MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 08. Februar 2022 | 18:50 Uhr

2 Kommentare

Atheist vor 33 Wochen

Im Grunde kann er doch froh sein.
Heute in Deutschland zu produzieren ist doch nur noch mit Öko Auflagen möglich.
Dazu noch die Strompreise, die Genderschreiben….

Blume65 vor 33 Wochen

Alles so gewollt von unserer tollen RG.Das wird nicht das einzige traditionen Unternehmen sein.Es lebe klima neutral🤣🤣

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