Autopanne von AfD-Politiker Friesen Auf die falsche Felge gesetzt

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Anton Friesen stellte bei einer Fahrt mit dem Auto in Südthüringen vor wenigen Wochen lockere Radschrauben an allen vier Rädern fest. Friesen bezichtigte politische Gegner wortgewaltig, sein Fahrzeug manipuliert zu haben. Doch offenbar waren keine Linksextremisten am Werk - Im Auto von Friesens Mitarbeiter waren vermutlich falsche Teile verbaut.

Anton Friesen
Anton Friesen am Rednerpult im Bundestag. Bildrechte: dpa

Am 24. Mai endete eine Autofahrt des Thüringer AfD-Politikers Anton Friesen mit einem Mitarbeiter jäh auf dem Randstreifen einer Südthüringer Straße. Dem Bundestagsabgeordneten am Steuer war die unruhige Fahrt seines Wagens aufgefallen. Noch unter den Eindruck des Erlebten erstattete Friesen Anzeige gegen Unbekannt. Die Suhler Polizei schrieb tags darauf in einer Pressemitteilung, an allen vier Rädern des Fahrzeugs seien Radschrauben locker gewesen. Die Ermittler blieben dabei vorsichtig: "Ob eine politisch motivierte Tat vorliegt, kann im Moment nicht zweifelsfrei gesagt werden", heißt es in der Mitteilung.

Friesens Sache waren solche Zwischentöne nicht - er glaubte an einen Anschlag und zu wissen, in welcher Ecke die Täter zu suchen sind. Von einer "neuen Dimension linksextremistischer Gewalt" schrieb Friesen in einer Pressemitteilung, die die AfD-Bundestagsfraktion einen Tag nach dem unfreiwilligen Straßen-Stopp veröffentlichte. Einen Tweet zu dem Vorfall auf seinem persönlichen Account garnierte Friesen mit ähnlichem Vokabular ("Radmuttern gelöst, Menschenleben gefährdet") und einem fünf Jahre alten Foto einer Bilderplattform, das einen ganz anderen Unfall zeigt:

Dreieinhalb Wochen nach dem Zwischenfall legen die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft jedoch einen ganz anderen Verdacht nahe - nämlich den der fahrlässigen Ersatzteilbeschaffung. Die Staatsanwaltschaft Meiningen vermeidet ausdrücklich Schuldzuweisungen an die Adresse von Friesen oder der möglicherweise beauftragten Werkstatt. Fest aber steht laut Staatsanwalt Jochen Grundler: "Die technische Fahrzeuguntersuchung eines von uns beauftragten Gutachters ergab, dass die am Fahrzeug verbaute Rad-/Reifenkombination nicht dem Originalzustand des Fahrzeuges entsprach. Dieser Umstand könnte das selbständige Lösen der Radbolzen begünstigt haben und aus technischer Sicht auch hierfür ursächlich gewesen sein." Grundler sprach in diesem Zusammenhang von Billigfelgen. Es seien definitiv keine Originalteile gewesen.

Zeigt sich Anton Friesen jetzt erleichtert? Hält er die bisherigen Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft für nachvollziehbar? Hat er sich bereits neue Felgen eines Markenherstellers montierten lassen? Friesen teilte am Montagnachmittag auf seiner Facebook-Seite mit, dass er die Angaben weder dementieren noch bestätigen könne, da ihm das Gutachten der Staatsanwaltschaft noch nicht vorliege. Er habe sich "voll und ganz auf die Aussagen" seines Mitarbeiters verlassen, als dieser den Fall anzeigte. Weiter schrieb Friesen: "Auch die Staatsanwaltschaft mochte zum damaligen Zeitpunkt einen politischen motivierten Anschlag nicht ausschließen, wie die Polizei damals nachfragenden Medien mitteilte."

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 18. Juni 2018 | 19:00 Uhr

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