Weltblutspendetag Warum Blutspenden in Thüringen wichtig sind

Jeden Tag brauchen Menschen Blut zum Überleben - und doch ist die Quote der Blutspenden in Thüringen zuletzt stark gesunken. Zum Weltblutspendetag am 14. Juni erklärt das Institut für Transfusionsmedizin Suhl mögliche Gründe für den Rückgang und appelliert an potenzielle Spender.

Eine Frau spendet Plasma.
Marion Seespeck spendet Plasma am Institut für Transfusionsmedizin Suhl. Bildrechte: MDR/Marie Beßner

Blutspender werden auch in Thüringen dringend gesucht - darauf weist am Weltblutspendetag am 14. Juni unter anderem das Institut für Transfusionsmedizin Suhl hin. Laut Susanne Brunne vom Institut ist der Bestand in der Blutbank dramatisch niedrig.

Eingang des Instituts für Transfusionsmedizin Suhl mit Banner und rotem Teppich.
Im Institut für Transfusionsmedizin Suhl wird am Weltblutspendetag ein roter Teppich ausgerollt. Bildrechte: MDR/Marie Beßner

Laut der Blutspende in Suhl spenden weniger als fünf Prozent der Bevölkerung Blut. Doch gibt es jeden Tag Situationen, in denen Betroffene das Blut eines anderen Menschen zum Überleben brauchen - sei es durch einen Verkehrsunfall, zur Behandlung einer schweren Erkrankung oder für eine lebensrettende Operation.

Zwei von drei Deutschen sind mindestens einmal in ihrem Leben auf das Blut eines anderen Menschen oder daraus hergestellten Medikamenten angewiesen, so Susanne Brunne. Da Blutkonserven nur bis zu sieben Wochen haltbar sind, sei es deswegen enorm wichtig, dass Menschen regelmäßig Blut spenden.

Gründe für den Rückgang von Spenden

Das Ende vieler Corona-Maßnahmen hat auch zu einer Abnahme der Blutspenden geführt, sagt Susanne Brunne. Viele Menschen haben zunächst anderes vor, als Blut spenden zu gehen. Aber auch das Virus sei selbst noch immer ein erschwerender Faktor beim Blutspenden. Infizierte dürfen nämlich bis zur vollständigen Ausheilung nicht zur Blutspende - und auch deren Kontaktpersonen fallen aus.

Liegen und Material in einem Blutspendezentrum.
Blutspender gesucht: Die Spendenzentren in Thüringen haben freie Kapazitäten. Bildrechte: MDR/Marie Beßner

Die derzeit wieder steigenden Corona-Zahlen seien ebenfalls ein großes Problem. Wer infiziert ist, müsse vier Wochen bis zur nächsten Blutspende warten. Mit den Lockerungen wurden in den Kliniken auch viele verschobene Operationen nachgeholt, heißt aus dem Institut.

Spendelokale, die nach zwei Jahren Pandemie nicht mehr zur Verfügung stehen, Erkältungsperioden, Feiertage und damit verbundene lange Wochenenden, Ferienzeiten, Urlaub, sommerliche Temperaturen - all das habe sich ungünstig auf den Blutkonservenbestand ausgewirkt. Auch die steigenden Preise in fast allen Lebensbereichen beeinflussen die Spendenbereitschaft, erklärt Susanne Brunne.

Bei den jetzigen Preisen, vor allem bei den Bezinpreisen, ist es natürlich für den ein oder anderen eine Herausforderung, hierher zu kommen.

Susanne Brunne | Unternehmenskommunikation am Institut für Transfusionsmedizin Suhl

Hoffnung auf spendenden Nachwuchs

Nach Angaben des Institutes für Transfusionsmedizin Suhl fallen die meisten treuen Blutspendenden nach und nach aus Altersgründen weg. Jüngere Personen haben meist einen festen Tagesablauf, in dem oftmals kaum Zeit für den Weg ins Institut bleibt, sagt Susanne Brunne. Dadurch sei in den vergangenen Monaten eine "Lücke" zwischen älteren und jüngeren Spendern entstanden, die schwer zu schließen sei. Es gäbe auch einige Personen, die regelmäßig zum Spenden kommen, obwohl sie ein Handicap haben.

Wir haben einen sehbehinderten Spender. Der spendet auch schon ganz viele Jahre regelmäßig. Und wenn man sieht, wie derjenige angeschlagen ist und trotzdem Blut spendet - das ist einfach rührend.

Susanne Brunne | Unternehmenskommunikation im Institut für Transfusionsmedizin Suhl

Spender und Spenderinnen, die über die Jahre hinweg regelmäßig spenden gehen, werden auf Jubiläumsveranstaltungen geehrt. Erst vor drei Wochen, hat ein 48-jähriger Mann aus Eisenach 1.000 Mal Plasma gespendet, erzählt Susanne Brunne.

Ein Mann spendet Blut.
Passend zum Weltblutspendetag ist auch Julian Dautaj als Vollblutspender vor Ort. Bildrechte: MDR/Marie Beßner

Trotzdem ist die Zahl der regelmäßigen Blutspender niedrig, was sich in Verbindung mit genannten Gründe sofort negativ auf den Konservenbestand auswirkt. Die Vorräte in der Blutbank des Suhler Blutspendedienstes lassen daher derzeit auch nur eine Minimalversorgung der Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen zu.

Deswegen wünscht sich das Institut mehr Eigeninitiative zum Blutspenden bei jüngeren Personen. Die potenziellen Spender und Spenderinnen erhalten bei jeder Spende auch eine Aufwandsentschädigung nach dem Transfusionsgesetz, sagt Susanne Brunne.

Auch das Universitätsklinikum Jena rief zu Spenden auf. Silke Rummler, Geschäftsführerin des Instituts für Klinische Transfusionsmedizin, sprach von einer "kritischen Versorgungslage". Das Institut versorgt die Uni-Kliniken mit Blutprodukten. Die Blutspende-Abteilung des Klinikums nimmt pro Jahr mehr als 10.000 Spenden ab. Täglich benötigt das Klinikum rund 100 Blutprodukte, vor allem die Abteilungen Innere und Intensivmedizin.

MDR (mab)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 14. Juni 2022 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

camper21 vor 24 Wochen

Kleinerfrontkaempfer, da hat ihr Arbeitskollege vollkommen Recht, ich würde an seiner Stelle auch nie wieder Blutspenden. 10 nach acht einfach abgewiesen zu werden, dass kann ja wohl nicht wahr sein. So etwas hätte es früher nicht gegeben.

kleinerfrontkaempfer vor 24 Wochen

Ein Arbeitskollege hatte vor 14 Tagen seine Blutspende auf dem Terminplan stehen.
Zeitlich war es wegen Arbeit eng. Er war 10 Minuten vor "Ladenschluß" an der Registratur des Spendenlokals. Da war nix mehr möglich. Er wurde wieder heimgeschickt.
Also kann es bei dem DRK-Blutspendendienst in Südthüringen nicht so dramatisch sein mit dem Mangel.
Mein Kollege wird allerdings Abstand von weiteren Spenden beim DRK nehmen.

Mehr aus der Region Suhl - Schmalkalden - Meiningen

Mehr aus Thüringen

Fussball 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK