Gedenken Thüringerin zündet Tausende Kerzen für Corona-Opfer an

Am 25. März 2020 ist der erste Mensch in Thüringen mit oder an Corona gestorben. Gertrud Schop aus Zella-Mehlis hat Tausende Kerzen aufgestellt - eine für jeden Toten in Deutschland. Jetzt brennen alle Kerzen nochmals.

Kerzen für jeden Corona-Toten
Diese Anzahl an Kerzen brannte im Dezember 2020. Inwzsichen sind es mehr. Bildrechte: MDR/Mathias Streisel

Mit Gummistiefeln an den Füßen und einem Filzhut auf dem Kopf steht Gertrud Schop auf einer Wiese in Zella-Mehlis. Auch am Donnerstag ist sie gekommen, um weitere Grabkerzen anzuzünden. Wie ein großes Mandala stehen schon Tausende Kerzen um sie herum. Schon im vergangenen Jahr hatte sie begonnen, für jedes Corona-Todesopfer in Deutschland eine Grabkerze anzuzünden. "Ich habe ganz viele Zahlen gehört und Statistiken gelesen, aber nicht gesehen, dass die Zahlen auch in den Herzen der Menschen ankommen", erklärt sie den Hintergrund ihrer Aktion.

Kerzen für jeden Corona-Toten
Musste immer mehr Kerzen aufstellen: Gertrud Schop (Archivfoto) Bildrechte: MDR/Mathias Streisel

Die abstrakten Corona-Zahlen konkret machen

Zu Beginn nahm sie sich vor, für jeden Infizierten in Deutschland eine Kerze aufzustellen und anzuzünden. "Es dauerte genau eine Woche, bis ich gemerkt habe, das kann ich nicht leisten." Aber auch die Todeszahlen ließen die Fläche aus Kerzen rasant wachsen. Die Wiese, auf der Gertrud Schop die Kerzen aufstellt, gehört der Hiob Stiftung Schop, der sie vorsteht. Die Stiftung finanziert und verantwortet das Projekt.

Aufhören wollte Schop erst, wenn es ein Heilmittel gibt, um zu verdeutlichen, wie viele Menschen und Schicksale von dem Virus betroffen sind. "Wir müssen uns die Empathie bewahren", findet sie.

Als traurig empfindet Schop nicht, dass Menschen sterben. Der Tod gehöre zum Leben dazu. Die Frage sei, wie ein Mensch stirbt: "Wie einsam und allein viele Menschen im letzten Jahr gestorben sind, das ist entsetzlich." Die Kranken hätten nur noch den Umgang mit dem Klinikpersonal gehabt und auch das hätte nur kurz am Patienten bleiben können.

Eine Frau mit Jacke und Hut steht auf einem Feld mit unzähligen Kerzen und schaut in die Kamera.
Aufhören möchte Gertrud Schop erst wenn es ein Heilmittel gibt. Bildrechte: MDR / Marlene Drexler

Mehr als 30.000 Kerzen angezündet

Als im Dezember der erste Impfstoff hierzulande zugelassen wurde, waren mehr als 30.000 Menschen in Deutschland mit oder am Coronavirus gestorben. Schop, die die Kerzen in mehreren Schritten fast ganz allein aufgestellt hatte, hörte auf, neue aufzustellen.

Erinnern an die Verstorbenen, einen Ort der Trauer für die Hinterbliebenen schaffen und gleichzeitig eine Mahnung für die Menschen sein, die das Coronavirus nicht ernst nehmen - das möchte sie mit ihrer Aktion erreichen, sagt sie. Die Arbeit habe viel mit ihr gemacht: "Bei den ersten Kerzen denkst du an die Verstorbenen. Irgendwann tut dir alles weh und du hast keine Lust mehr, auf dem kalten Boden zu sitzen." Dann hole sie sich das nächste Päckchen und plötzlich sei da wieder eine besondere Konzentration, erzählt Schop.

Eine Frau mit Hut und Jacke an steht auf einer großen Wiese mit vielen Kerzen um sie herum. Sie beugt sich auf dem Foto zu einer Kerze herunter.
Die Kerzen hat Gertrud Schob fast ganz alleine augestellt. Bildrechte: MDR / Marlene Drexler

Erste Kerze steht seit einem Jahr

Diese Woche jährt sich der Tag, an dem der erste Mensch in Thüringen im Zusammenhang mit Corona gestorben ist. Schop möchte daher nochmals alle Kerzen gleichzeitig brennen lassen. Drei Tage hat sie für das Vorhaben eingeplant, weil sie gelernt hat, dass sie für 100 Kerzen eine Stunde braucht. Der Wind ist ihr größter Feind: "Mit einem Wusch bläst er mir eine ganze Reihe aus." Für die Hülsen der Grabkerzen und die Wachsreste hat Schop schon eine neue Idee. Aus den Metalldeckeln möchte sie eine Skulptur gießen. In die Skulptur sollen dann die zusammengeschmolzenen Wachsreste gefüllt werden, um darin eine Dauerflamme zu entzünden, die das Wachs bis zum Ende verbrennt.

Kerzen für jeden Corona-Toten
Für 100 Kerzen braucht Gertrud Schop eine Stunde. (Archivfoto) Bildrechte: MDR/Mathias Streisel

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 26. März 2021 | 08:20 Uhr

2 Kommentare

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 30 Wochen

Nicht vergessen:
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18 . April 2021 (Sonntag MiSERiCORDiAS DOMiNi) - Bundesweiter

Trauertag für alle Corona-Toten auf Anregung des Bundespräsidenten !

helmut57 vor 30 Wochen

Ich finde eine gute Chance an die Toten und den Angehörigen Anteil zu nehmen. Mal schauen,wie lange es dauert?

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