Parteien Wie die Linke im "roten Suhl" den Generationenwechsel schafft

Mitglieder und Funktionsträger altern, Abgänge haben häufig einen natürlichen Grund: Die Partei Die Linke steht in Südthüringen vor einem Generationswechsel. Im Stadtverband Suhl hat das schon geklappt.

Zwei Menschen sitzen sich gegenüber.
Ronja Lenz, die Vorsitzende der Linken in Suhl, und Philipp Weltzien im Parteibüro in Suhl. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

"Im grünen Wald die rote Stadt, die ein zerschossen Rathaus hat" - dieser Spruch prangt mit goldenen Buchstaben auf der roten Fassade des Alten Rathauses in Suhl. Die Stadt wird allerdings gerade von einem CDU-Oberbürgermeister regiert. Sie war schon mal viel roter.

Im Stadtverband der Linken gibt es gerade mal noch 120 Genossen. Auch in der Südthüringer Provinz hat es die Linke gerade schwer. Was bei ihnen aber gut funktioniert, ist der Generationswechsel: Seit dem vergangenen Herbst ist Ronja Lenz die Chefin der Suhler Linken. Mit erst 30 Jahren hat sie das Amt angetreten.

Die Fassade des Alten Rathauses Suhl.
Das Alte Rathaus in Suhl. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Linke in Südthüringen: Behutsamer Wechsel der Generationen

Begonnen hat der Generationswechsel bei den Suhler Linken vor vier Jahren. Ina Leukefeld hatte sich als Landtagsabgeordnete zurückgezogen und dem damals 31-jährigen Philipp Weltzien das Feld überlassen. Leukefeld gilt als Linke-Urgestein. Vor der Wende hat sie als junge Frau in der SED-Kreisleitung gearbeitet, war dann für die damalige Parteivorsitzende Gabi Zimmer tätig und holte für die Linke drei Mal ein Direktmandat für den Landtag.

Leukefeld sitzt noch im Suhler Stadtrat, bereitet aber auch dort ihren Rückzug vor. "Ich will nicht wie andere mit 80 noch im Stadtrat sitzen und den Menschen erklären, wie die Zukunft aussehen soll", sagt sie und schaut Ronja Lenz dabei tief in die Augen.

Ina Leukefeld
Linke-"Urgestein" Ina Leukefeld sitzt seit vielen Jahren im Suhler Stadtrat. Bildrechte: imago/Karina Hessland

Linken-Chefin Lenz: Wer Hilfe braucht, muss sie bekommen

Philipp Weltzien ist bei dem Interview im Linke-Büro in der Suhler Rüssenstraße dabei. Die Missbrauchsvorwürfe in der Partei haben ihn, Lenz und Leukefeld erschüttert: "Wir werden das auf unserem Landesparteitag am 21. Mai diskutieren", sagt Lenz. Wichtig sei, dass sich Frauen und generell alle Genossinnen und Genossen der Partei an eine Stelle wenden können. "Wer Hilfe braucht, muss sie auch bekommen", so Lenz. An diesen Strukturen arbeite die Thüringer Linke gerade.

Lenz kommt über die linke Jugend zum Parteibuch

Ronja Lenz ist ein Eigengewächs der Suhler Linken. 2016 trat sie in die Partei ein, als sie schon jahrelang fest in der Partei etabliert war. Sogar bei Vorstandssitzungen war sie als Nicht-Genossin dabei. Als neue Leute für den Vorstand gesucht wurden, war es Ina Leukefeld, die sie ansprach. Alles andere war Formsache. "Ich bin im Grunde über die linke Jugend in die Aufgaben hineingewachsen", so Lenz.

Eine Frau sitzt an einem Schreibtisch.
Ronja Lenz ist seit vergangenem Herbst Chefin der Suhler Linken. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Und das soll auch künftig die Strategie sein, wieder jüngere Mitglieder zu gewinnen. Nach der Bundestagswahl hat der Stadtverband wieder eine Linksjugend gegründet. Schon mehrere junge Leute sind so in die Partei gekommen. Leukefeld sagt, natürlich habe die Linke ein Altersproblem. Gerade in Suhl seien die meisten Genossen inzwischen im Rentenalter. Der Mitgliederschwund sei oft ein natürlicher.

Leukefeld: Loslassen und Vertrauen

Für die "Alte" Ina Leukefeld sind Loslassen und Vertrauen das Geheimnis. "Natürlich muss ich mich ein stückweit zurücknehmen, und das fällt mir auch nicht immer leicht", gibt sie zu. "Aber so wie ich damals, muss auch die neue Linke Generation die Möglichkeit bekommen, Fehler zu machen", so Leukefeld. Sollte ihr Rat gewünscht sein, stehe sie jederzeit zur Verfügung.

Aber so wie ich damals, muss auch die neue Linke Generation die Möglichkeit bekommen, Fehler zu machen.

Stadträtin Ina Leukefeld

Ukrainekrieg spaltet Partei

Zusätzlich zum Missbrauchsskandal spaltet die Linke auch der Krieg Russlands gegen die Ukraine. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen Linke-Ministerpräsident Bodo Ramelow und den Suhler Linken zu Waffenlieferungen könnten größer nicht sein.

Bodo Ramelow
Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) Bildrechte: dpa

Während der Ministerpräsident Waffen für die Ukraine fordert, hält Lenz dagegen. "Nieder mit den Waffen und sofortige Friedensverhandlungen, keine Waffenlieferungen in Kriegsgebiete. Waffen schaffen keinen Frieden, sondern nur Tod und Leid." Mit großer Mehrheit hat die Suhler Linke auf ihrer Mitgliederversammlung eine solche Erklärung verabschiedet.

Mit dieser Position stellt sich die Suhler Linke offen gegen Ramelow. Ronja Lenz: "Wir können von hier aus diesen Krieg nicht lösen. Mir kommt es so vor, als gäbe es ein Feuer und kein Wasser. Um das Feuer zu löschen, wird Holz nachgelegt. Das verursacht noch mehr Tote und mehr Geflüchtete, die hierherkommen." Vor allem um diese Menschen müsse man sich jetzt kümmern.

Mir kommt es so vor, als gäbe es ein Feuer und kein Wasser. Um das Feuer zu löschen, wird Holz nachgelegt.

Ronja Lenz, Vorsitzende der Suhler Linken

Ina Leukefeld ist genauso vehement gegen Waffenlieferungen an die Ukraine, versucht für Ramelow aber zumindest Verständnis aufzubringen. Er sei nicht nur Ministerpräsident, sondern seit November auch Chef des Bundesrates und müsse so auch eine gesamtdeutsche Position finden. Aber die Meinung der Linken generell sei das auf gar keinen Fall.

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MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | FAKT IST! | 09. Mai 2022 | 22:10 Uhr

13 Kommentare

Wolfer Hampton vor 6 Wochen

Leider wird nicht erwähnt, dass die als "Urgestein" bezeichnete Ina Leukefeld
vom thüring. Landtag für "parlamentsunwürdig" erklärt wurde, weil sie in der DDR als IM „Sonja“ spitzelte.

camper21 vor 6 Wochen

Entschuldigung, ich habe Bernd Riexinger mit Genosse Dietmar Bartsch verwechselt. Aber ich bleibe dabei, ehemalige SED Mitglieder, wie Gregor Gysi, Dietmar Bartsch oder Petra Pau welche für den Tot von hunderten innerdeutschen Grenzflüchtlingen verantwortlich sind, haben im Bundestag oder in anderen Ämter als Volksvertreter nichts zu suchen. Auch nicht die jungen Linken, die in ihrem Parteitag über die Ermordung der Reichen reden.

Elxlebener vor 6 Wochen

Elxlebener,
zu Campus 21, mir ist gar nicht bewusst, dass die SED in der der alten Bundesrepublik gab. Wie soll der Ritzinger dann SED Mitglied gewesen sein. Also keine Ahndung von der Geschichte. Ja zum Hetzen braucht man kein Wissen Campus 21. Zum Thema in Deutschland wird eine linke Partei gebraucht. Jede Partei hat schon eine Krise durchlebt.

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