Frust auf dem Friedberg Anwohner fordern Schließung der Flüchtlingsunterkunft in Suhl

Der Suhler Oberbürgermeister André Knapp hat sich am Dienstagnachmittag mit Bewohnern der Friedbergsiedlung und des Ortsteils Suhl-Neundorf getroffen. Es ging um die Zustände rund um die Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge und Asylbewerber. Diebstähle haben in den vergangenen Wochen zugenommen. Bei den Anwohnern liegen die Nerven blank.

Bürgerversammlung auf Sportplatz 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Di 20.04.2021 19:00Uhr 01:57 min

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Schon eine halbe Stunde vor dem Termin auf dem Sportplatz im Haselthal warten die Einwohner auf den Bürgermeister und die Polizei. Jeder von ihnen hat Wut im Bauch. Wie Lina Schmidt. Seit Wochen - so erzählt die Seniorin - kann sie nicht mehr richtig schlafen. Dreimal schon ist in ihren Bungalow eingebrochen worden. Die Täter haben alles mitgehen lassen, was nicht niet- und nagelfest war. Was für Schmidt aber das Schlimmste ist: Die Polizei hatte einen mutmaßlichen Täter ermittelt, einen Bewohner der Flüchtlingsunterkunft.

"Wer fehlte, war der Dieb"

Als der Prozess am Suhler Amtsgericht anstand, war sie als Zeugin vor Ort. "Wer fehlte, war der Dieb", erzählt Schmidt und schüttelt mit dem Kopf. "So etwas kann doch nicht sein", ist die Rentnerin immer noch erschüttert. Sonja Block aus der Friedbergsiedlung stimmt ihr zu. "Die lachen doch über uns und kennen ihre Rechte besser als wir", stimmt sie zu. Abends traue sie sich nicht mehr allein auf die Straße.

Bei Walter Schilling wurde ins Haus eingebrochen, als er und seine Frau zu Hause waren. Der Schock sitzt bei den beiden tief. Schilling fordert, dass die Erstaufnahme sofort geschlossen wird. "Die Leute müssen hier weg", sagt er. Mit dieser Meinung ist der Suhler nicht allein. Dave Leifer hat am Dienstag eine Online-Petition gestartet, in der die Schließung gefordert wird. Schon nach wenigen Stunden hatten mehrere Hundert Menschen unterzeichnet.

OB: "Schließung der Unterkunft ist keine Lösung"

Geduldig hört sich der Oberbürgermeister André Knapp (CDU) die Sorgen der Einwohner an. "Sie fordern zurecht den Rechtsstaat", sagt er. "Die Menschen im Umfeld müssen besser geschützt werden", so Knapp. In den vergangenen Jahren habe sich bewährt, dass Störer schnell von Suhl in andere Einrichtungen gebracht werden. Hier müsse das Landesverwaltungsamt als Betreiber viel schneller reagieren.

André Knapp (CDU), Oberbürgermeister von Suhl
Der Suhler Oberbürgermeister André Knapp (CDU). Bildrechte: dpa

Die Forderung nach Schließung der Einrichtung kann Knapp verstehen, er unterstützt sie aber nicht. Das würde nur den Menschen schaden, die in Suhl Zuflucht suchen und sich an Recht und Gesetz halten. Das sei die deutliche Mehrheit in der Unterkunft, so Knapp.

Polizei nimmt mutmaßlichen Dieb fest

Auch Wolfgang Nicolai - der Chef der Suhler Polizei - stellt sich den Fragen der Anwohner. Allein seit Januar gab es in den Wohngebieten rund um die Einrichtung mehr als 20 Einbrüche. In den meisten Fällen wurden Bewohner der Unterkunft als mutmaßliche Täter ermittelt. Während auf dem Sportplatz diskutiert wird, sind ein Dutzend Beamte in der Unterkunft und ermitteln gegen einen 27-Jährigen Bewohner. Er soll in ein Wohnhaus im Heideweg eingebrochen sein und sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Vertreter aus dem Migrationsministerium oder dem Landesverwaltungsamt waren nicht vor Ort. Wie es aus dem Amt in Weimar am Tag danach hieß, war auch niemand eingeladen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 20. April 2021 | 19:00 Uhr

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