Klimaschutz Suhl: Klimaschutzmanager im dritten Anlauf?

Seit mehr als einem Jahr sucht die Stadt Suhl eine Klimaschutzmanagerin oder einen -manager. Zwei Ausschreibungen haben keine geeignete Bewerbung gebracht. Welche Hoffnungen sind an das Amt geknüpft? Und warum findet sich kein passender Bewerber?

Passanten laufen durch die Innenstadt in Suhl.
Das Thema Klimaschutzmanager ist nicht nur in der Stadt Suhl ein Thema. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Alle guten Dinge sind drei - darauf hofft derzeit die Stadtverwaltung in Suhl. Aktuell bereitet sie zum dritten Mal die Ausschreibung für einen städtischen Klimaschutzmanager vor. Die beiden vorherigen Versuche sind ohne Erfolg geblieben. Jede Stadt oder Kommune kann für den Posten eines Klimaschutzmanagers Fördermittel von Bund und Land beantragen. Für finanzschwache Kommunen wie Suhl wurden bisher bis zu 90 Prozent der Kosten übernommen, seit der Corona-Krise sind es sogar 100 Prozent.

Ein maßgeschneidertes Klimaschutzkonzept für die Stadt

Schon vor zwei Jahren haben die Freien Wähler Suhl gemeinsam mit den Fraktionskollegen von Bündnis 90/Die Grünen einen Antrag zur Schaffung eines Klimaschutzmanagers gestellt. Grünen-Stadtrat Marko Türk war dabei federführend. Seiner Ansicht nach fehlt in der Suhler Verwaltung ein aktives Bestreben, den Klimaschutz zu verbessern. Suhl sei ein "klimapolitisches Entwicklungsland". Die Aufgabe des Klimaschutzmanagers bestehe darin, so Marko Türk, ein maßgeschneidertes Klimaschutzkonzept für die Stadt zu erstellen und koordiniert umzusetzen.

Auch das Thüringer Umweltministerium wirbt für das Amt. Der Vorteil eines eigenständigen Klimaschutzmanagers bestehe darin, dass durch ihn eine Schnittstelle für alle kommunalen Handlungsfelder, in denen Klimaschutz eine Rolle spielt, entstehe, so das Ministerium. Dazu gehören die Bereiche Stadtplanung, Stadtgrün, Bauwesen, Wasserwirtschaft und Katastrophenschutz.

Warum findet sich für Suhl kein passender Bewerber?

Stadträtin Ingrid Erhardt aus der Fraktion Freie Wähler Suhl findet es ungewöhnlich, dass die Stelle nach über einem Jahr und zwei Ausschreibungen immer noch unbesetzt ist. Aus der Stadtverwaltung heißt es, es seien zwar mehrere Bewerbungen eingegangen, die geeigneten Personen hätten allerdings am Ende abgesagt.

Gewünscht sei ein abgeschlossenes Studium aus dem Bereich Umwelt oder Ingenieurwissenschaften mit Schwerpunkt Klimaschutz, Energie oder Naturschutz. Grünen-Stadtrat Marko Türk geht davon aus, dass die Befristung der Stelle auf die maximal zwei Jahre dauernde Förderperiode für Bewerber ein Ausschlusskriterium darstellt. "Für junge Leute, die sich niederlassen wollen, ist das zu wenig Sicherheit." Die Stadt will in der neuen Ausschreibung zusätzliche Anreize schaffen. Welche genau, das sei noch interner Verhandlungsgegenstand, heißt es.

Stadtrat Marko Türk wünscht sich, längerfristig zu denken und im Zweifel das Amt auch aus eigener Tasche über die Förderperiode hinaus zu erhalten. Nicht zuletzt das Urteil vom Bundesverfassungsgericht zum Klimaschutzgesetz Ende April zeige, dass alle mehr für den Klimaschutz tun müssten. Auch das Umweltministerium sieht eine fehlende Kontinuität als kontraproduktiv. Gleichwohl stünde es jeder Kommune frei, die Stelle auch eigenständig weiterzuführen. Eigenständig meint dann jedoch auch, es eigenständig zu finanzieren.

Für eine Stadt wie Suhl, die unter einem chronisch unausgeglichenen Haushalt leidet, schwierig zu realisieren. Zudem sind die Meinungen im Stadtrat nach wie vor geteilt. Nicht alle halten die Stelle eines Klimaschutzmanagers für sinnvoll investiertes Geld.

Trotz Mehrheit bleibt das Amt strittig

Die AfD-Fraktion und einzelne Mitglieder der CDU hatten damals gegen den Beschluss gestimmt. Auf Nachfrage erklärt der Fraktionsvorsitzende der Suhler AfD, Bernhard Meinunger, seiner Ansicht nach seien die Kosten zu hoch. Selbst wenn die Stadt nicht selbst dafür aufkommen müsse, sondern Land und Bund die Kosten trügen.

Auch die ungeklärte Folgefinanzierung halte die AfD-Fraktion für riskant. Oftmals sei es schwierig, eine geschaffene Stelle wieder abzubauen und zusätzliche Personalkosten könne sich die Stadt nicht leisten. Aus diesem Grund sei die AfD dafür, bestehendes Personal "umzuschichten". Zudem werde dem Klimaschutz in der Verwaltung auch jetzt schon viel Beachtung geschenkt.

Wo gibt es schon Klimaschutzmanager?

Das Thema Klimaschutzmanager ist nicht nur in der Stadt Suhl ein Thema. Die Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur (ThEGA) zählt thüringenweit insgesamt 18 Klimaschutzmanager.

Das Umweltministerium führt als "gutes Beispiel" den Landkreis Eichsfeld auf. Seit Februar 2019 gibt es dort erstmalig einen Klimaschutzmanager. Auf Anfrage ist dieser allerdings nicht zu sprechen. Der Grund: die Förderperiode ist ausgelaufen.

Aus dem Eichsfelder Referat für Kreisentwicklung heißt es, es seien aber mittlerweile neue Fördermittel beantragt - und die Stelle wieder neu ausgeschrieben worden. Der Landkreis hoffe, dass ihr Klimaschutzmanager in Zukunft nicht mehr befristet und an Modellvorhaben geknüpft eingestellt werden kann, sondern dauerhaft.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 06. Mai 2021 | 18:30 Uhr

5 Kommentare

Hans Dampf vor 6 Wochen

Da haben sich ja die Hirnzwerge der Suhler Stadtverwaltung wieder was tolles ausgedacht. Wenn es danach ginge bräuchte Suhl ja noch eine Menge Planstellen in vielerlei Hinsicht z.B. Demographie, Ladensterben, Kultur etc.

Altmeister 50 vor 7 Wochen

Ich erinnere da mal gern an einen mdr- Artikel v. 8.6.2020 zu der Einstellung eines Klimamanagers in Köthen. Darin wurde wohlwollend vermerkt, dass dieser täglich von seinem Wohnsitz in Leipzig (öko- vorbildlich per Bahn) nach Köthen pendelt. Dass er damit, bei 140 km täglicher Fahrstrecke, ca. 26.000 km im Jahr auf sein persönliches Umwelt- Belastungskonto einfährt wurde allerdings nicht erwähnt. Die Aufgabenstellungen, die durch den Manager geleistet werden soll, wie Verbesserung Fahrradverkehr, Grünanlagen, Erweiterung Solaranlagen, Ausbau Ladestationen können auch von örtlichen Ingenieurbüros erledigt werden.
Rein ideologischer Posten.

Atheist vor 7 Wochen

Was für Blüten Ideologien so alles hervorbringen , hört sich nach Stellen an wie Abschnittsbevollmächtiger, Gemeindeschwester.....
Jede Ideologie braucht wohl ihre Stellen um wichtig zu sein.

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