Nachdem es allein im Wald überlebt hat Überlebenskampf verloren: Lämmchen Elfie ist tot

In einem Wald bei Suhl war vor einigen Wochen ein verletztes Lämmchen gefunden worden. Es muss längere Zeit alleine im Wald überlebt haben. Es hatte so starke Erfrierungen erlitten, dass ein Bein amputiert werden musste. Später verlor Elfie noch ein weiteres Bein. Weil es keiner vermisste, nahm ein Ziegenzüchter das Lämmchen bei sich auf. Obwohl es sich zunächst gut erholte, ist es jetzt verstorben. "Sie war etwas ganz Besonderes", sagt die Familie.

Elfie steht mit einem Hunderollstuhl auf einer Wiese.
Mithilfe eines Hunderollstuhls konnte Elfie wieder herumtollen. Bildrechte: Privat/MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Martin Tietze aus Mäbendorf bei Suhl züchtet Ziegen, Schafe, Kühe und Schweine. Babytiere sind in der Familie Tietze-Marr eigentlich nichts Besonderes - Lämmchen Elfie war es schon: "Sie war anders als die anderen Lämmer", erinnert sich Doreen Marr, Elfies Ziehmutter. "So lieb und genügsam." Stundenlang habe sie alleine im Garten gegrast und keinen Mucks von sich gegeben - egal, ob bei strömendem Regen oder Sonnenschein.

Der Kälte und den wilden Tieren im Wald getrotzt

Im März hatte die Familie Elfie bei sich aufgenommen. Ein Jäger hatte das Lämmchen im Wald gefunden. Verletzt und mit abgefrorenen Füßen und Öhrchen. Weil keiner sich für das Tier verantwortlich fühlte, nahm Martin Tietze es mit zu sich. Ein Hinterbein war gebrochen und musste amputiert werden. Das Füßchen am verbliebenen Hinterbein war abgefrorenen. Trotzdem konnte Elfie damals noch auf dem Stumpf laufen.

Lämmchen Elfie steht in einer Küche.
Weil sie so stark verletzt war, musste Elfie ein Bein amputiert werden. Später verlor sie noch ein weiteres Bein. (Archivbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Am Anfang war sie tagsüber bei uns im Garten, abends haben wir sie zu uns ins Haus geholt", erzählt Martin Tietze. Sie sollte nicht noch einmal frieren müssen. Nachdem sich die kleine Elfie von den Strapazen im Wald erholt hatte, durfte sie tagsüber zu der Herde. Beim ersten Mal war sie ganz aufgeregt. "Als wir in die Nähe kamen und sie die anderen Tiere gerochen hat, ist sie losgerannt", erzählt Doreen Marr. Über Stock und Stein und ein Bächlein. Nichts konnte sie aufhalten.

Die Gegenliebe der Herde war am Anfang noch nicht sehr ausgeprägt. "Sie war ja so klein und zart, ich glaube die anderen Tiere haben sie nicht für voll genommen", sagt Ziehmutter Doreen Marr. Aber geduldet wurde sie irgendwann schon. "Wir haben natürlich immer ein besonderes Auge auf sie gehabt."

Verlust eines weiteren Beines

Als Martin Tietze Elfie eines morgens aus ihrer Kiste holen wollte, sah er, dass auch das zweite Hinterbein abgestorben war. "Ich dachte, jetzt müssen wir uns von ihr verabschieden", erzählt Doreen Marr. Aber Martin Tietze wollte Elfie die Chance geben, auch mit zwei Beinen weiterzuleben und kaufte ihr einen Hunderollstuhl. Wie auch von Kämpferin Elfie nicht anders erwartet, lernte sie schnell, mit der Gehhilfe zu laufen. Und zwar nicht irgendwie. "Nachdem sie sich daran gewöhnt hatte, ist sie wieder so schnell gepest, dass ich kaum hinterher kam", erinnert sich Martin Tietze.

Lämmchen Elfie aus Suhl ist gestorben.
Ein Hunderollstuhl verschaffte Lämmchen Elfie Mobilität. Bildrechte: Privat/MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Friedlich eingeschlafen

Seit es wärmer war, schlief Elfie nachts in einer Kiste im Garten. "Sie hat sich nie beklagt. Wir haben sie reingelegt und sofort hat sie sich zum Schlafen eingerollt", erinnert sich Doreen Marr. Als Martin Tietze ihr eines Morgens wie gewöhnlich die Gehhilfe anbringen wollte, sah er, dass sie in der Nacht verstorben war. "Sie war eigentlich total munter", sagt Doreen Marr. Der Tierarzt vermutet, dass sie eine Knochenhautentzündung hatte - die kann ganz plötzlich zum Tod führen.

Elfie liegt in einer Kiste.
Elfie schlief nachts in einer Kiste. Doch eines Morgens wurde sie nicht mehr wach. Bildrechte: Privat/MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Leben der kleinen Elfie war kurz, aber ereignisreich, und es scheint ganz so, als hätten ihre Erfahrungen sie zu einem besonderen Wesen gemacht. Nach einem Leidensweg, den nur sie selbst kennt, hat Elfie bei Familie Tietze-Marr noch einige schöne Wochen erlebt. Und für Martin Tietze sah es nicht so aus, als habe der Tod sie am Ende gequält: "Sie lag ganz friedlich eingerollt da."

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 07. Juni 2021 | 12:00 Uhr

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