Südthüringen Lämmchen überlebte wochenlang allein im Wald

In der Nähe von Suhl wurde im Wald ein verletztes Lämmchen gefunden. Seiner körperlichen Verfassung nach zu urteilen, hat es mehrere Wochen allein im Wald überlebt. Dass es ihm gelungen ist, den Fressfeinden zu entkommen und sich selbst zu versorgen, ist ein kleines Wunder.

Lämmchen "Elfie" sitzt in einer Schlafkiste.
Elfie im Übergangsquartier bei Familie Tietze Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Scheu guckt das kleine weiße Lämmchen unter seinen hellen Wimpern hervor, vorsichtig schnüffelt es am Wäschekorb. Vor zwei Tagen hat Familie Tietze es bei sich aufgenommen. Aber der schüchterne Schein trügt. Elfie, wie die Familie das Lämmchen getauft hat, hat es faustdick hinter den Ohren. Mehrere Wochen lang hat es allein im Wald überlebt.

Am vergangenen Freitag klingelte bei Martin Tietze, Ziegenzüchter aus Mäbendorf westlich von Suhl, das Telefon. Ein Jäger hatte im nah gelegenen Wald ein verlorenes Lämmchen gesichtet. "Der Jäger dachte, es wäre vielleicht ein Tier aus meiner Herde", erzählt Martin Tietze. Seine Herde sei aber komplett gewesen. Trotzdem habe er sich sofort auf den Weg in den Wald gemacht. Nach kurzer Suche fand er das verlorene Lämmchen. "Es einzufangen war alles andere als einfach", erzählt der Ziegenzüchter. Und das, obwohl das Tier stark verletzt war, wie sich herausstellte. An einem der hinteren Beine hatte es einen offenen Bruch.

Keiner weiß, woher das Lämmchen stammt

Weil keiner der umliegenden Schäfer das Lämmchen vermisste, nahm Martin Tietze es mit zu sich nach Hause. "Die Verletzung muss schon einige Tage zuvor passiert sein", sagt er. Das Bein war schon abgestorben und musste daher amputiert werden. Martin Tietze desinfizierte die Wunden, baute dem Lämmchen ein gemütliches, mit Heu ausgelegtes Bettchen in einer Kiste, und gab ihm zu essen und zu trinken. Durst und Hunger waren groß, erzählt er: "Es hat die Milch sofort getrunken. Eine Nuckelflasche war gar nicht nötig". Auch Salat mochte es sehr gern.

Lämmchen "Elfie" wird von Ziegenzüchter Martin Tietze gestreichelt.
Martin Tietze mit Lämmchen Elfie. Das rechte Hinterbein musste amputiert werden. Aber auch auf drei Beinen ist die Kleine erstaunlich schnell. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Martin Tietze geht davon aus, dass irgendein Fressfeind, zum Beispiel ein Fuchs, das Lämmchen angegriffen hat. Der Ziegenzüchter schätzt, dass Elfie erst ein paar Wochen alt ist. Eigentlich wäre es zum jetzigen Zeitpunkt noch komplett auf seine Mutter fixiert. Im Garten zeigt sich allerdings, dass Elfie lernen musste, selbst auf sich aufzupassen: "Sie versucht abzuhauen und ist dabei erstaunlich schnell auf ihren drei Beinen", erzählt Martin Tietzke.

Elfie ist eine Kämpferin

Am Samstag ging es für Elfie zum Tierarzt für eine Tetanus-Impfung und zur Kontrolle des Beins. Der Arzt sei stark beeindruckt gewesen von dem ausgeprägten Überlebenswillen des Lämmchens, erzählt Martin Tietze. Neben dem gebrochenen Bein hat vor allem die Kälte dem Lämmchen zugesetzt: Die Spitzen der Öhrchen und ein Fuß sind abgefroren. Martin Tietze und der Tierarzt schlussfolgern daraus, dass Elfie schon seit Mitte Februar, als der Winter nochmals einbrach, im Wald gelebt haben muss.

Die gute Nachricht: Das amputierte Bein verheilt laut ärztlicher Einschätzung sehr gut. Allerdings braucht Elfie hinsichtlich des eingefrorenen Hinterfüßchen noch eine Portion Glück. Sollte das Füßchen absterben, würde das Elfies Mobilität einschränken. Ob gehen und stehen dann noch möglich wäre, ist ungewiss. "Für den Fall bräuchten wir jemanden, der Prothesen bauen kann", sagt Martin Tietzes Frau, Doreen Marr.

Was passiert jetzt mit Elfie?

Bisher hat sich noch keiner gemeldet, der das Lämmchen vermisst. Wenn sich das nicht ändert, behält Familie Tietze das Tier. Fürs Erste wird es noch am Haus bleiben. Um Teil der Herde zu werden, sei es noch zu klein, sagt Martin Tietze. Weil es fremd ist könnte es auch passieren, dass die anderen Tiere es verstoßen, erklärt er. Auch muss das Bein erst einmal verheilen. Im Stall sei das Infektionsrisiko zu groß. Damit Elfie trotzdem Auslauf hat, baut Martin Tietze ihr gerade eine kleines Gehege für den Garten. Elfie wartet im Warmen in ihrer Kiste im Haus und schlabbert Milch.

Martin Tietze baut einen Stall für Lämmchen "Elfie".
Martin Tietze baut an einem kleinen Gehege für das Jungtier. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Quelle: MDR THÜRINGEN

5 Kommentare

elo vor 30 Wochen

Lieber Herr Tietze, das war die schönste Nachricht des Tages für mich.
Dieses kleine Wunder, was so gelitten hat. Danke, dass es Menschen wie Sie gibt, denen so ein kleines kämpferisches Lämmchen noch was bedeuten.
Ich wünsche so sehr, dass es wieder gesund wird. Danke, dass Sie ihm helfen. Ich wünsche alles alles Gute!

helmut57 vor 31 Wochen

"Seit dem ich die Menschen kenne, liebe ich die Tiere".
Das ist doch einmal eine nette Geschichte, vielen Dank!

Saxe vor 31 Wochen

Ziemlich ambivalent: Ach wie niedlich...aber zu Ostern gibts wieder Lammbraten.

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