Alles andere als Sonntagsfahrer Mit dem Bike auf den Schneekopf: Testfahrt für den Rennsteig-Ride

Um für den Rennsteig-Ride im September zu trainieren, fuhren einige Mountainbiker am Sonntag die Wettkampfstrecke ab: 33 Kilometer und 870 Höhenmeter. MDR THÜRINGEN-Reporterin Sandra Voigtmann fuhr mit.

Zwei Mountainbiker fahren über eine Wiese.
Anfang September startet der Rennsteig-Ride rund um Schmiedefeld am Rennsteig. Einige Mountainbiker haben die Strecke im Vorfeld getestet - einschließlich unserer Reporterin. Bildrechte: MDR/Sandra Voigntmann

Die Wetterprognosen sahen gar nicht gut aus für Sonntag, den 22. August. Starkregen und Gewitter sollte es geben - auch über dem Thüringer Wald. Egal, dachten sich 26 Mountainbiker und trafen sich zur zweiten und letzten Testfahrt für den fünften Rennsteig-Ride in Schmiedefeld. Erkundet werden sollte die Originalwettkampfstrecke über etwas mehr als 33 Kilometer und 870 positive Höhenmeter. Abfahrten von insgesamt 900 Höhenmeter gab es noch dazu.

MDR THÜRINGEN-Reporterin testet Rennsteig-Ride-Strecke

Treffpunkt ist der Sportplatz in Schmiedefeld. Hier war dreimal Start für den Rennsteig-Ride, der seit 2017 ausgetragen wird und das jüngste Kind der Rennsteiglauf-Familie ist. Coronabedingt wurde im letzten Jahr in Blöcken an der Winterwelt in Schmiedefeld gestartet. So wird es auch in diesem Jahr sein. Doch bevor es zum eigentlichen Beginn der Wettkampfstrecke quer durch den Ort geht, gibt es noch eine kurze Ansprache vom Streckenguide René Tann. Auch er ist nicht irgendwer, sondern ehemaliger Mitteldeutscher Meister im MTB sowie Juniorenmeister U23. "Bitte nicht wieder ein Wettrennen so wie beim letzten Mal", heißt es da.

Radfahrer mit Mountainbikes stehen auf einem Parkplatz.
Bereit zur Testfahrt: Mehr als 33 Kilometer und 870 Höhenmeter warten auf die 26 Mountainbiker und -bikerinnen. Bildrechte: MDR/Sandra Voigntmann

Das breite Grinsen in den Gesichtern der 24 Herren und zwei Damen spricht Bände. Sie wollen Spaß und den sollen sie auch bekommen. Ich denke da bereits zum ersten Mal: Warum mach' ich das hier eigentlich? Das habe ich beim 30-Kilometer-Training am Vortag über den Rennsteig nicht einmal gedacht. Nachdem ich aber bereits viermal über das Rennen berichtet habe für Radio und Fernsehen, wollte ich doch auch mal mitfahren. Ob ich mich anmelde fürs Rennen, entscheidet die Testfahrt.

Aussicht lohnt sich!

Und los! Für alle heißt es erstmal: quer durch den Ort zur Winterwelt Schmiedefeld und dem eigentlichen Beginn der Strecke. Ein Stopp kommt für die Mountainbiker auf ihren Fullys, Hardtails, E-Bikes oder Gravel-Bikes dort nicht in Frage. Sie gehen sofort steil - oder besser fahren. Denn der Skihang am Eisenberg will bis zum Mittelweg erobert werden. Der erste knackige Anstieg gleich zu Beginn wird mit einer herrlich herbstlichen Aussicht auf Schmiedefeld belohnt. Ob außer mir jemand Fotos oder Videos gemacht hat? Ich glaube nicht. Die Truppe ist längst rechts abgebogen in den Wald Richtung Bierfleck und dann hinauf zum 944 Meter hohen Finsterberg.

Blicks ins Tal.
Trotz des nicht allzu guten Wetters wird man mit einer schönen Aussicht belohnt. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Den Anstieg dort hinauf kann man mögen, muss man aber nicht. Wer hier schiebt, muss sich nicht schämen, behaupte ich. Und in einem großen Starterfeld könnte es hier ohnehin schwierig werden mit freier Fahrt bergab. Belohnt für die Mühen wird man dann mit einer rasanten Abfahrt Richtung Mordfleck. Hier kann man seinen "Drahtesel" laufen lassen. Wobei der Geschwindigkeiten eines Rennpferdes erreichen wird. Herrlich. Allein die geschotterten Pisten bringen mich in den Kurven kurz zur Vernunft. Soweit das geht, weil es einfach ein gutes Gefühl ist, so den Berg hinunter zu heizen.

Von Schmiedefeld bis auf den Schneekopf

Vom Mordfleck aus geht es dann ins Freibachtal zur tiefsten Stelle der Strecke - 661 Meter über Null. Es folgt der lange Anstieg über die Alte Salzmannstraße Richtung Schneekopf. Der Himmel hängt voller Wolken und der Nebel steigt aus dem Wald über die Baumwipfel. Die Hasen kochen Kaffee, sagt man hier wohl dazu. Kaffee wäre jetzt irgendwie auch schön, denke ich. Und ich bin mir sicher, dass ich die einzige mit diesen Gedanken bin in der Truppe. Ich kann zwar in die Köpfe der anderen nicht hineinschauen. Aber ich glaube, die denken nur "Gummi". Ich wäre einfach froh, wenn ich schon oben wäre auf dem Schneekopf, den ich so mag. Der heute aber wirklich hart erarbeitet werden muss. Und na klar, es tröpfelt. Jetzt kommt er doch noch, der vorhergesagte Regen.

Ein Fahrradlenker, im Hintergrund steht ein Turm im Nebel.
Hoch auf den Schneekopf - ausgerechnet hier fängt es an zu regnen. Bildrechte: MDR/Sandra Voigntmann

An der Schmücke angekommen ist kurz Erholung angesagt. Abfahrt zur Güldenen Brücke. Schön, aber leider zu schnell vorbei. Es beginnt die Klettertour auf den Schneekopf. Eineinhalb Kilometer können echt lang werden. Die Oberschenkel brennen. Am letzten Anstieg zum höchsten Punkt, dem Schneekopf mit 978 Metern über Null, bin ich nicht mehr die Einzige, die schiebt. Hier sind die Durchfahrer klar in der Unterzahl. Ausgerechnet hier kommt ein ordentlicher Regenguss. Was soll's. Wir wollten es ja alle so. Also noch ein schönes verregnetes Gruppenbild am Gipfelkreuz. Einige haben sich und ihrem Rad da schon eine ordentliche Schlammpackung verpasst. Beim Rennen am 4. September wird der Schneekopfturm einmal umrundet - ohne Fotostopp.

Fahrradfahrer stehen nebeneinander vor einem Gipfelkreuz.
Der höchste Punkt der Strecke ist erreicht - hier gibt's ein Gruppenfoto. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Zwei neue Trails eingebaut

Weiter geht es, raus aus dem Regen - wieder hinab in die Tiefen des Thüringer Waldes. Eingebaut in diesem Jahr wurden zwei neue Trails. Der eine führt hinterm Mordfleck durch den sogenannten Katzentiegel. Nach bergab kommt bergauf. Und so heißt es nochmal ordentlich in die Pedale treten bis hinauf zum Eisenberg. Von der Liftbaude aus ist das Ziel trotz vieler Wolken schon fast zu sehen. Bei Sonne ist es hier oben ein Traum. Doch sollte die am Wettkampftag scheinen, werden die Fahrer sie wohl lieber im Ziel genießen, das von hier nur noch wenige Kilometer entfernt liegt.

In den Vorjahren ging es ab dem Mittelweg immer über den Skihang flott nach unten. In diesem Jahr lockt ein zweiter neu eingebauter Singletrail. Und der erfordert Geschick und Aufmerksamkeit. Wer hier auf dem schmalen Pfad die Abbiegung nach rechts verpasst, der landet wohl auf der Pferdekoppel. Aber keine Sorge, heißt es da, am Renntag ist ja alles ausgeschildert. Vorbei geht es an einer Bank mit Herz in der Lehne. Wer die wohl mitten in den Wald gestellt hat? Über Schwimmbad, Naturlehrpfade und Rodelbahn rollt es zum Schlussanstieg. Nochmal Zähne zusammenbeißen und da ist es - das schönste Ziel der Welt - Schmiedefeld.

Ein Mann mit schlammbespritzen Beinen.
Bei diesem Rennen bleibt kein Rad und kein Bein vom Schlamm verschont. Bildrechte: MDR/Sandra Voigntmann

Rennen startet am 4. September

Lauter strahlende Gesichter mit Dreckspritzern auf den Wangen und Schlammpackung an den Beinen warten bereits im Ziel. Ich bin die Letzte - logisch. Und gemessen an den anderen bin ich wohl die einzige "Sonntagsfahrerin". Es war hart, aber schön. Die Schiefertafel für alle Finisher im Ziel beim Rennsteig-Ride am 4. September ist die Qualen wert. Für mich vielleicht erst im nächsten Jahr.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 04. September 2021 | 19:00 Uhr

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