Beginn der Auszählung der abgegebenen Stimmzettel in einem Wahllokal
In Thüringen (hier in Erfurt) wurden am Abend die Stimmen zur Kommunalwahl und Europawahl ausgezählt. Bildrechte: IMAGO / Funke Foto Services

Kommunalwahl Machtwechsel nach Stichwahl in Thüringen - AfD geht leer aus

10. Juni 2024, 12:23 Uhr

Bei den Stichwahlen um Thüringer Landratsposten ist die AfD leer ausgegangen, vor allem CDU und SPD stellen nun die Landräte. Bei der parallel stattfindenden Europawahl erhielt die AfD fast ein Drittel der Stimmen in Thüringen. Während in Jena der alte Oberbürgermeister auch der neue ist, gibt es unter anderem in Erfurt einen Machtwechsel. Die Ereignisse des Wahlsonntags im Überblick.

CDU gewinnt die meisten Stichwahlen - SPD-Politiker mit zwei Siegen

Bei den kommunalen Stichwahlen hat die CDU die meisten Duelle für sich entschieden. Neunmal setzten sich CDU-Kandidaten durch, SPD-Bewerber zweimal, Freie Wähler und parteilose Kandidaten dreimal. Insgesamt acht Landräte stellt die CDU nun im Freistaat. Das ist einer weniger als nach der letzten Kommunalwahl. Die CDU bleibt damit weiterhin vor allem in Ost- und Mittelthüringen stark.

In Westthüringen konnte die SPD dagegen einige ihrer Hochburgen verteidigen. So stellen die Sozialdemokraten im Kyffhäuserkreis und im Landkreis Gotha weiterhin den Landrat. Im Landkreis Schmalkalden-Meiningen gewann die von der SPD unterstützte parteilose Amtsinhaberin Peggy Greiser erneut. Aufgrund der Niederlage von Harald Zanker im Unstrut-Hainich-Kreis verliert die SPD jedoch einen Lankreis und stellt nur noch vier Landräte in Thüringen. Auch im Kreis Saalfeld-Rudolstadt gibt es einen SPD-Landrat.

AfD stellt keinen weiteren Landrat oder Bürgermeister

Bei den Kommunalwahlen in Thüringen hat die AfD keinen der offenen Landrats- oder Bürgermeisterposten für sich gewinnen können. Im Kreis Altenburger Land erreichte der Kandidat Heiko Philipp mit 45,9 Prozent der Stimmen das beste Ergebnis für die AfD. Bei den Wahlen setzten sich die jeweiligen Kandidaten von CDU, SPD und Freien Wählern sowie in einem Fall eine parteilose Amtsinhaberin durch. Der deutschlandweit einzige AfD-Landrat bleibt damit weiter Robert Sesselmann im Kreis Sonneberg.

Machtwechsel in Erfurt und Gera

In den Städten Erfurt und Gera müssen die Oberbürgermeister Andreas Bausewein und Julian Vonarb Platz für ihre Herausforderer Andreas Horn und Kurt Dannenberg machen. Die CDU stellt somit nun in drei der fünf kreisfreien Städte Thüringens den Oberbürgermeister. In Weimar unterstützten die Christdemokraten zudem gemeinsam mit dem Weimarwerk Bürgerbündnis den parteilosen Amtsinhaber Peter Kleine.

In Jena dagegen konnte Amtsinhaber Thomas Nitzsche sein Amt gegen Kathleen Lützkendorf von den Grünen verteidigen. Damit ist Nitzsche weiterhin der einzige FDP-Oberbürgermeister in Thüringen

Freie Wähler erstmals mit zwei Landräten - Ära endet im Unstrut-Hainich-Kreis

Im Unstrut-Hainich-Kreis endet eine Ära. SPD-Landrat Harald Zanker muss sich in der Stichwahl mit 42,6 Prozent gegen Thomas Ahke geschlagen geben. Der Kandidat der Freien Wählergemeinschaft holte 57,4 Prozent der Stimmen und ist damit neuer Landrat.

Bei der Stichwahl zum Landrat in Hildburghausen unterlag zudem der vom Landesamt für Verfassungsschutz als "bundesweit bekannter Rechtsextremist" geführte Tommy Frenck deutlich. Er konnte jedoch 30 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen. Auch hier gewann der Kandidat der Freien Wähler, Sven Gregor. Die Partei stellt damit erstmals zwei Landräte im Freistaat.

Stichwahl-Ergebnisse in Thüringen im Überblick

  • Mittelthüringen

In Mittelthüringen dürfte der Machtwechsel in Erfurt das größte Aufsehen erregen: Andreas Horn (CDU) wird Andreas Bausewein (SPD) als Oberbürgermeister der Landeshauptstadt ablösen. Auch in Apolda gibt es eine neue Stadtspitze: In der Wahl um das Bürgermeisteramt gewann der von der CDU unterstützte Einzelbewerber Olaf Müller klar gegen seinen Herausforderer Simon Ehrenreich (AfD). Noch-Bürgermeister Rüdiger Eisenbrand war aus Altersgründen nicht noch einmal angetreten. Christiane Schmidt-Rose bleibt Landrätin im Weimarer Land. Die CDU-Politikerin gewann gegen Herausforderer Dirk Geyer (Bürgerinitiativen). Neuer Landrat im Kreis Sömmerda ist Christian Karl von der CDU, der sich gegen Herausforderer Stefan Schröder von der AfD durchsetzte.

  • Südthüringen

Die langjährige Amtsinhaberin Petra Enders (parteilos) bleibt Landrätin im Ilm-Kreis. Sie verwies ihren Kontrahenten Ralf Gohritz, den die AfD nominiert hatte, in der Stichwahl am Sonntag auf Platz zwei. Im Kreis Hildburghausen gewinnt Sven Gregor von den Freien Wählern die Stichwahl mit einem deutlichen Vorsprung vor dem Neonazi Tommy Frenck.

  • Ostthüringen

In Ostthüringen setzt sich die CDU vielerorts durch. Geras neuer Oberbürgermeister heißt Kurt Dannenberg und beerbt seinen bisherigen Vorgesetzten, den parteilosen Julian Vonarb. In den drei Ostthüringer Landkreisen liegen die Landratskandidaten der Union zum Teil klar vor denen der AfD: Im Altenburger Land gibt es für Uwe Melzer eine zweite Amtszeit, im Saale-Holzland-Kreis übernimmt Johann Waschnewski und im Landkreis Greiz wird Ulli Schäfer der neue Landrat. Der einzige FDP-Oberbürgermeister in Thüringen, Thomas Nitzsche, konnte die Wähler in Jena erneut überzeugen.

  • Westthüringen

Bei den Stichwahlen in den beiden Landkreisen in Westthüringen setzen sich die Kandidaten von CDU und SPD durch. Im Kreis Gotha wurde Landrat Onno Eckert von der SPD als Landrat wiedergewählt, mit klarem Vorsprung vor dem AfD-Kandidaten Stephan Steinbrück. In der Stadt Gotha verteidigte Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD) sein Amt gegen den parteilosen Robert Luhn, der für die CDU angetreten war. Im Wartburgkreis feierten die Christdemokraten zwei Stichwahl-Erfolge: Der Bad Liebensteiner Bürgermeister Michael Brodführer wird neuer Landrat. Neuer Rathauschef in Eisenach wird Christoph Ihling. In Waltershausen gewann der 26-jährige Leon Graupner die Stichwahl um das Amt des Bürgermeisters gegen Sven Wiesenthal (CDU).

  • Nordthüringen

In Nordthüringen hat die CDU ihre Hochburg im katholisch geprägten Eichsfeld verteidigt. Ihre Kandidatin für das Landratsamt, Marion Frant, bekam 70,2 Prozent der Stimmen. Ihr Mitbewerber, der von der AfD nominierte parteilose Marcel König, bekam 29,8 Prozent. Im Eichsfeld ging es um die Nachfolge des dienstältesten deutschen Landrats, Werner Henning. An der Spitze des Landratsamtes im Kyffhäuserkreis steht weiter die langjährige SPD-Landrätin Antje Hochwind-Schneider. Im Unstrut-Hainich-Kreis muss Landrat Harald Zanker von der SPD gehen. Er war 30 Jahre Chef der Kreisverwaltung. Neuer Landrat ist dort Thomas Ahke von den Freien Wählern.

Europawahl: AfD in Thüringen klar vor CDU

Parallel zur Kommunalwahl lief auch die Europawahl. Nach Auszählung aller 3.044 Wahlbezirke liegt die AfD in Thüringen mit 30,7 Prozent der ausgezählten Stimmen deutlich vorn. Dahinter folgen: CDU mit 23,2 Prozent, Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) mit 15,0 Prozent, die SPD mit 8,2 Prozent, die Linke mit 5,7 Prozent.

Einstellig sind auch Grüne (4,2 Prozent), FDP (2,0 Prozent), Die Partei (2,0 Prozent), Freie Wähler (1,8 Prozent), Volt (1,3 Prozent), Familie (1,0 Prozent) und Tierschutzpartei (1,0).

In Thüringen deuten CDU und AfD das Abschneiden ihrer Parteien bei der Europawahl als Signal für die im Herbst anstehende Landtagswahl. "Die Europawahl hat gezeigt, dass die Menschen in Thüringen und Deutschland bereit für einen Wechsel sind", schrieb Thüringens CDU-Chef Mario Voigt auf dem Portal X. Die CDU sei die einzige Partei, die eine verantwortungsvolle Alternative "zur gescheiterten Politik der Linken & dem gefährlichen Extremismus der Rechtsextremen" biete. Thüringens AfD-Co-Vorsitzender Stefan Möller schrieb ebenfalls bei X, gegen seine Partei gebe es "seit Monaten Dauerfeuer". Platz zwei sei da ein starkes Europawahl-Ergebnis. "Das ist eine gute Ausgangsbasis für die Landtagswahlen im September."

Bundesweit holten CDU und CSU bei der Europawahl die meisten Stimmen, gefolgt von der AfD. Weitere Ergebnisse finden Sie hier.

Etwas höhere Wahlbeteiligung

Für die Kommunalwahl waren am Sonntag etwa 1,3 Millionen Thüringerinnen und Thüringer zum erneuten Urnengang aufgerufen - dort, wo Kandidaten im ersten Durchgang vor zwei Wochen keine absolute Mehrheit geholt hatten.

Die Wahlbeteiligung lag bei 61,9 Prozent und damit leicht über dem Ergebnis vor fünf Jahren ab. Erstmals konnten auch 16- und 17-Jährige abstimmen.

Alle Thüringer Entscheidungen im Überblick

Mehr zu den Ergebnissen der Kommunalwahl in den einzelnen Regionen finden Sie in dem jeweiligen Beitrag aus der Liste:

Warum wurde in den Thüringer Kommunen erneut gewählt?

Bei den Kommunalwahlen der Landräte und Oberbürgermeister vor knapp zwei Wochen hatten es nur in Suhl, Weimar und Schmalkalden-Meiningen Kandidaten geschafft, auf Anhieb mehr als die Hälfte der Stimmen auf sich zu vereinen.

In zwölf Landkreisen und drei kreisfreien Städten mussten deswegen jetzt die beiden Bewerber mit den meisten Stimmen in eine Stichwahl.

Auch bei den Wahlen der Bürgermeister gab es in einigen Orten Stichwahlen - darunter in Gotha, Eisenach und Sömmerda. Insgesamt konnten hier rund 154.000 Wahlberechtigte ihre Stimme abgeben.

Welche Besonderheiten gab es bei den Wahlen in Thüringen?

Die meisten Duelle auf Kreisebene gab es zwischen CDU- und AfD-Kandidaten, die sich in sechs Landkreisen gegenüberstanden. Davon lagen im ersten Wahldurchgang die CDU-Bewerber in fünf Kreisen teils klar vorn, nur im Altenburger Land hatte der AfD-Kandidat Heiko Philipp mit 33 Prozent leicht besser abgeschnitten als Amtsinhaber Uwe Melzer (CDU), der auf 32,3 Prozent kam.

Duelle zwischen AfD- und SPD-Kandidaten gab es in den Kreisen Kyffhäuser und im Landkreis Gotha. Im Ilm-Kreis musste die parteilose Amtsinhaberin Petra Enders in die Stichwahl gegen einen AfD-Kandidaten, lag aber im ersten Wahlgang vorn. Bisher gibt es im Südthüringer Kreis Sonneberg mit Robert Sesselmann einen AfD-Landrat, er war bundesweit der erste.

Für Aufsehen hatte das Abschneiden eines Neonazis bei der Landratswahl im Kreis Hildburghausen gesorgt. Der Rechtsextremist Tommy Frenck schaffte es in die Stichwahl, deren Ausgang nun mit Spannung verfolgt werden dürfte. Dem Extremisten werden nicht viele Chancen auf den Chefsessel im Landratsamt ausgerechnet, sein Kontrahent Sven Gregor, der für die Freien Wähler in dem südthüringischen Landkreis antrat, holte im ersten Wahldurchgang 42,4 Prozent.

Oberbürgermeisterwahl: Wie ist die Situation in Erfurt?

Es gehörte zu den großen Überraschungen der Kommunalwahl, dass in Erfurt der CDU-Herausforderer Andreas Horn den langjährigen Amtsinhaber und SPD-Politiker Andreas Bausewein überholte: Horn kam im ersten Wahldurchgang auf 28,4 Prozent, Bausewein auf 22,7 Prozent. Nach 18 Jahren an der Spitze der Landeshauptstadt muss Bausewein nun sein Amt abgeben.

Erfurt galt lange als Hochburg der SPD, Bausewein war einige Jahre lang auch SPD-Parteivorsitzender in Thüringen. Er war in den vergangenen Monaten vor allem wegen seines Agierens bei Personalquerelen und Verfehlungen am Theater Erfurt in die Kritik geraten. Zwischenzeitlich soll Bausewein Medienberichten zufolge einen Wechsel zum Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) erwogen, dann aber abgesagt haben. Bei der Oberbürgermeisterwahl ging er erneut für die SPD ins Rennen.

Alle Infos zur Kommunalwahl in Thüringen

MDR (rom/maf)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 09. Juni 2024 | 19:00 Uhr

71 Kommentare

Rico Marbach vor 4 Wochen

Ich finde es gut, dass man beim MDR kommentieren kann - gerade für Diejenigen, die nicht stets und ständig in sozialen Netzwerken unterwegs sein wollen.
Hr. Bausewein hat die Oberbürgermeisterwahl doch mehr als deutlich verloren; bis auf zwei Briefwahllokale unterlag er komplett seinem Herausforderer. Insofern dürfte es auch nicht ganz einfach werden mit dem BSW...
Klar ist , dass die Wähler einfach keine sozialistische und grüne Politik wollen. . Dies muss die CDU, Irgendwie, berücksichtigen; jedenfalls keine Koalition unter Beteiligung der Grünen... Vielleicht mit dem BSW - aus meiner Sicht nach dem gestrigen Eklat im Bundestag auch schwieriger geworden!

Wessi vor 4 Wochen

Ach was @ Eule.Nur weil anscheinend immer noch in den Russen das "Brudervolk" sieht, ist es das lange nicht mehr.Respektive: Ihr habt die DDR selbst kaputt gemacht und heute wird gejammert, denn trotz allem gabs viele gute Dinge.Bananen+Freiheit wiegen nicht viele soziale Errungenschaften auf.Und wo sind die Antworten auf meine Fragen?Nichts als der Versuch einer beleidigenden Unterstellung.

Wessi vor 4 Wochen

Spotten Sie nur @ Eule 58...wenn jemand unser System und die Weltordnung zerstören will, unsere Freunde (ich rede hier ersteinmal von Balten und Polen, aber auch von der Ukraine9 mordend und zerstörend angreift, so ist jede einzelne Waffe berechtigt.Das und alles andere würde mit der CDU an der Spitze nicht viel aners laufen, naja, vllt. gäbe es auch noch mehr Waffen für die Ukraine...!"Verschlechterung der inneren Sicherheit"?Wie belegen Sie das in Realitas?Sollte man die AfD verbieten? Ihr Problem und das vieler Menschen östlich der Elbe scheint zu sein, daß Ihr selber "Eure" DDR kaputt gemacht habt und heute so spaltet, damit "Ihr" sie wiederbekommt, oder?!

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