Bundeswehr Sturmgewehr-Ausschreibung: Haenel weist Vorwürfe von Konkurrent H&K zurück

Der Suhler Waffenhersteller C.G. Haenel hat sich im Zusammenhang mit dem umstrittenen Vergabeverfahren für das neue Bundeswehr-Sturmgewehr gegen Vorwürfe verteidigt. Man sei "immer noch fest davon überzeugt, dass wir das beste Angebot abgegeben haben", teilte das Unternehmen in einer auf seiner Website veröffentlichten Erklärung mit. Das von Haenel in dem Verfahren eingereichte Sturmgewehr MK 556 sei "zu Recht ausgewählt" worden, heißt es darin weiter. Man hoffe nach wie vor, die Bundeswehr ausrüsten zu dürfen.

Zugleich wies Haenel Vorwürfe des Konkurrenten Heckler & Koch wegen angeblicher Patentrechtsverletzungen zurück. Diese Vorwürfe bezögen sich überhaupt nicht auf das Modell MK 556, sondern auf eine andere von Haenel produzierte Waffe. Dabei handelt es sich um das halbautomatische Gewehr CR 223, das unter anderem bei mehreren Landespolizeien in Deutschland verwendet wird. Man gehe aber davon aus, dass auch bei dieser Waffe kein Patent von Heckler & Koch verletzt worden sei, so Haenel in seiner Erklärung.

Das Model «MK 556» vom Thüringer Waffenhersteller C.G. Haenel ist das künftige Sturmgewehr der deutschen Streitkräfte.
Das MK 556 von Haenel Bildrechte: dpa

Streit um angebliche Patentrechtsverletzung

Heckler & Koch wirft Haenel vor, ein Patent für ein Bauteil verletzt zu haben, das für eine zügiges Ablaufen von eingedrungenem Wasser aus einem Gewehr sorgt. Deswegen führen beide Unternehmen derzeit einen Rechtsstreit vor Gericht.

Haenel war Mitte September vom Verteidigungsministerium als Sieger des Vergabeverfahrens für die Ausrüstung der Bundeswehr mit neuen Sturmgewehren benannt worden. Begründet wurde die Entscheidung damit, dass die aus Thüringen eingereichte Waffe bei den Tests besser abgeschnitten und Haenel das wirtschaftlich bessere Angebot abgegeben habe. 

Ein Firmenschild weist auf den Waffenhersteller C.G. Haenel und die Merkel Jagd- und Sportwaffen GmbH hin
Verweist auf eine lange Tradition: C.G. Haenel, Tochterfirma des Jagd- und Sportwaffenherstellers Merkel, der wiederum dem arabischen Gewehrproduzenten Caracal gehört. Bildrechte: dpa

Der unterlegene Anbieter Heckler & Koch aus Baden-Württemberg rügte daraufhin das Verfahren und stellte einen Nachprüfantrag bei der Vergabekammer des Bundes. Nach Auskunft des Ministeriums gab es dabei "ernst zu nehmende Hinweise auf mögliche Patentrechtsverletzungen" durch Haenel. Daraufhin stoppte das Ministerium Anfang Oktober das Vergabeverfahren und beauftragte einen Patentrechtsanwalt mit einem Gutachten dazu. Das Gutachten liegt noch nicht vor. 

Weiter Hoffnung auf den Zuschlag

Haenel erklärte nun, man hoffe, nach einer Neubewertung der Angebote durch das zuständige Bundesamt die Bundeswehr ausrüsten zu dürfen. Man sei als "verlässlicher Partner für Behörden mit exzellenter Reputation bekannt". Zu den Kunden zählten neben Polizei- und Spezialeinheiten in Deutschland auch verschiedene Nato-Streitkräfte. 

Der Südthüringer Bundestagsabgeordnete Mark Hauptmann sprach von einer "Schlammschlacht", die gegen das Suhler Unternehmen geführt werde. Haenel produziere "Topqualität", sagte der CDU-Politiker MDR THÜRINGEN. An dem Sturmgewehr-Auftrag hänge auch die "Hoffnung einer ganzen Region". 

Der Sturmgewehr-Auftrag für die Bundeswehr beinhaltet laut Ausschreibung die Lieferung von 120.000 Waffen. Er hat einen Umfang von rund 250 Millionen Euro. 

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 29. November 2020 | 18:00 Uhr

10 Kommentare

Querdenker vor 34 Wochen

Zitat: "Diese Vorwürfe bezögen sich überhaupt nicht auf das Modell MK 556, sondern auf eine andere von Haenel produzierte Waffe. Dabei handelt es sich um das halbautomatische Gewehr CR 223, das unter anderem bei mehreren Landespolizeien in Deutschland verwendet wird."

Zitat: "Heckler & Koch wirft Haenel vor, ein Patent für ein Bauteil verletzt zu haben, das für eine zügiges Ablaufen von eingedrungenem Wasser aus einem Gewehr sorgt."

siehe "wiki Haenel MK 556"

Zitat: "Die halbautomatische Version des MK 556, das CR 223, ist bereits bei der sächsischen Polizei im Einsatz."

Läuft das Wasser beim Modell MK 556 dann langsam ab?

siehe "insuedthueringen Neuer Sturm ums Suhler Gewehr"

Zitat: "… MK 556 so konstruiert, dass sie auch nach Untertauchen im Wasser schießen kann. … … Auf der Urkunde dieses Patents mit der Nummer EP2018508 B1 steht der Name des unterlegenen Konkurrenten Heckler & Koch (HK)."

Harka2 vor 34 Wochen

Ich denke mal, das H&K sich darauf verlassen hat, sowieso den Zuschlag zu bekommen, weil das eben schon immer so war. Deshalb hat man ein Angebot abgegeben, dass eher der eigenen Gewinnmaximierung diente. Haenel hingegen hat ein Kampfangebot abgegeben, um quasi einen Fuß in die Tür zu bekommen. Haenel verzichtet auf größere Gewinne, will aber sich nun auch die Bundeswehr auf ihre Referenzliste setzen. Die Waffe selber ist bewährte Technik und Haenel hat mit ihr schon wiederholt Ausschreibung z.B. bei der Polizei verschiedener Bundesländer gewonnen.

H&K hat sich verzockt. Mir wäre die Truppe schon deshalb suspekt, da sie ihr eigenes ursprüngliches Angebot inzwischen um ein Drittel des Preises reduziert haben! Das bedeutet doch nur, dass vorher ein völlig überteuertes Produkt angeboten wurde.

Thueringer Original vor 34 Wochen

Würde mich freuen, wenn Haenel den Zuschlag erhält, denn das wäre für Thüringen ein Vorteil. Weshalb man diesen Patentstreit hat, obwohl es um ein andres Gewehr gehen soll, verstehe ich nicht.

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