Bundeswehr Gutachten stärkt Zweifel am Haenel-Sturmgewehr

Hat das vom Beschaffungsamt der Bundeswehr ausgewählte Sturmgewehr aus Thüringen ein Patent des Konkurrenten Heckler & Koch verletzt? Ein Fachgutachten untermauert entsprechende Zweifel.

Ein Firmenschild weist auf den Waffenhersteller C.G. Haenel und die Merkel Jagd- und Sportwaffen GmbH hin
Verweist auf eine lange Tradition: C.G. Haenel, Tochterfirma des Jagd- und Sportwaffenherstellers Merkel, der wiederum dem arabischen Gewehrproduzenten Caracal gehört. Bildrechte: dpa

Ein Expertengutachten stärkt juristische Zweifel an dem von Bundeswehr-Beschaffern zunächst ausgewählten Sturmgewehr des Thüringer Herstellers C.G. Haenel. Nachdem die Untersuchung am Freitag vorlag, teilte das Verteidigungsministerium in Berlin mit: "Dem betreffenden Unternehmen wird Gelegenheit gegeben, sich bis Mitte Januar zu den Ergebnissen der patentrechtlichen Begutachtungen zu äußern." Haenel hatte sich bei dem Bieterverfahren für 120.000 Waffen überraschend gegen den Traditionslieferanten Heckler & Koch durchgesetzt.

Das Verteidigungsministerium hatte die Vergabe an Haenel im Oktober zurückgezogen. Es begründete die Entscheidung mit möglichen Patentrechtsverletzungen zulasten des unterlegenen Bieters Heckler & Koch. Dabei ging es um spezielle Bohrungen, aus denen eingedrungenes Wasser wieder austreten kann. Die Waffe ist so schneller schussbereit.

Gutachten muss nun ausgewertet werden

Allerdings standen auch weitere Beschwerdepunkte an dem Vergabeverfahren im Raum. "Mit der Zurücknahme des Zuschlags haben wir signalisiert, dass wir Zweifel patentrechtlicher Natur haben. Und dass nun vorgelegte Gutachten stärkt uns in dieser Ansicht", sagte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. Das Gutachten müsse von der Vergabestelle noch ausgewertet werden. "Allen Parteien wird die Möglichkeit einer Stellung eingeräumt", sagte sie.

Haenel wollte sich auf Anfrage von MDR THÜRINGEN am Freitag nicht zu den aktuellen Entwicklungen äußern.

Quelle: MDR THÜRINGEN/mm, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 18. Dezember 2020 | 21:00 Uhr

2 Kommentare

part vor 32 Wochen

Europäische Rüstungsfirmen lassen im Ausland fertigen um Exportbeschränkungen zu umgehen und wenn es mal etwas anders herum läuft entwickelt sich ein gewisses Geschmäckle, das sowieso schon vorher übergeordnet vorhanden war. Die Gutachter und Waffenbeschaffer sind nun im Focus der Lobbyisten und Lobbyvertreter obwohl es besser wäre statt Waffen in den Umweltschutz und die Zukunft zu investieren...

Mediator vor 32 Wochen

Anscheinend wird es immer zweifelhafter, dass die 9 Mann Bude Haenel, das zukünftige Sturmgewehr der Bundeswehr fertigen wird. Letztendlich wurde diese Waffe ja nicht einmal in Deutschland entwickelt, sondern ist das Werk eines arabischen Rüstungskonzerns. Da lobe ich mir die Eigenentwicklungen von H&K die weltweit und bei unseren NAchbarn ihre Qualität bewiesen haben.

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