Sporthalle in Gefahr Suhl darf nicht in marode Turnhalle investieren - Flüchtlinge bangen um Trainingsort

Sport verbindet, ist gut für den Körper und kann helfen, Aggressionen abzubauen. Diese positiven Eigenschaften von körperlicher Betätigung nutzt auch die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge auf dem Suhler Friedberg. Dreimal in der Woche können sich die Bewohner in der Halle auspowern. Doch die Stadt Suhl kann sich die Sporthalle nicht leisten. Sie soll Ende des Jahres schließen.

Junge Männer stehen vor einem Tor
In der Sporthalle auf dem Friedberg in Suhl trainieren regelmäßig die Bewohner der benachbarten Flüchtlingsunterkunft. Doch die Halle müsste dringend saniert werden - dafür fehlt der Stadt aber das Geld. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Suhl hat seit inzwischen sieben Jahren ein Finanzproblem. Damit die Stadt Finanzhilfen vom Land bekommt, muss sie einen strikten Sparkurs einhalten. Wo alles gespart wird, steht im sogenannten Haushaltssicherungskonzept. Auf Seite 147 steht es schwarz auf weiß: Die Sporthalle auf dem Friedberg gleich neben der Erstaufnahme schließt zum 31. Dezember.

Suhl spart dann knapp 50.000 Euro Kosten für Wasser und Strom pro Jahr. Eigentlich müssten auch der Hallenboden saniert und die Sanitäranlagen neu gemacht werden. Die Kosten dafür belaufen sich schätzungsweise auf mindestens eine halbe Million Euro.

Die Sporthalle von außen.
Es bröckelt an allen Ecken: Die Turnhalle stammt aus den 1980er-Jahren. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sporthalle soll schließen - Stadt darf nicht investieren

"Hier beißt sich die sprichwörtliche Katze in den Schwanz", sagt Ingrid Ehrhardt. Sie sitzt für die Freien Wähler im Stadtrat ist die Chefin des Finanzausschusses. "Natürlich wollen wir, dass Flüchtlinge hier weiter trainieren können, aber wir als Stadt dürfen schlichtweg nicht investieren. Das Landesverwaltungsamt erinnert uns ständig daran, sparsam zu sein", so die Finanzausschussvorsitzende.

Für Suhl geht es um viel Geld. In diesem Jahr klafft im Haushalt ein Loch von rund neun Millionen Euro. Thüringen zahlt die dringend nötigen Sonderzulagen nur dann, wenn sich Suhl an das Haushaltssicherungskonzept hält.

Natürlich wollen wir, dass Flüchtlinge hier weiter trainieren können, aber wir als Stadt dürfen schlichtweg nicht investieren.

Ingrid Erhardt, Vorsitzende des Suhler Finanzausschusses

Reinhard Meusel vom Suhler Sportbund spricht Klartext. "Wenn es diese Halle nicht mehr gibt, können wir dieses Angebot nicht mehr machen", sagt er. Statt einer Schließung hofft Meusel, dass die Halle künftig nicht nur an drei, sondern möglichst an fünf Tagen für Training öffnet. Der Bedarf dafür jedenfalls sei da.

Jugendliche spielen Fußball
Dreimal die Woche treffen sich die Flüchtlinge zum Fußballspielen oder Krafttraining. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Flüchtlinge froh über Sportangebot

Tatsächlich strömen am Mittwochmorgen um punkt 10 Uhr zwei Dutzend Jugendliche und junge Männer in die Halle. Ein Teil spielt Fußball, andere stemmen Hanteln oder boxen auf den Boxsack ein. Sie haben sichtlich Spaß. Einer von ihnen ist Asef Ahmed aus Afghanistan. "Das hier für uns ist wichtig", gibt er in noch gebrochenem Deutsch zu verstehen. Und fügt hinzu, dass das hier bitte nicht kaputtgemacht werden soll.

Ingrid Ehrhardt sieht nur eine Lösung des Problems: Das Land müsse die Turnhalle pachten oder komplett übernehmen. Auch Migrationsminister Dirk Adams (Grüne) hat bei einem Vor-Ort-Besuch bereits eine Lösung bis Ende des Jahres angekündigt. Über den Zustand der Halle war Adams sichtlich erschrocken.

Gefliester Raum
Die Sanitäranlagen der Turnhalle sind in einem katastrophalen Zustand. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Finanzausschuss: Land soll Halle übernehmen

Der Finanzausschussvorsitzenden geht das alles nicht schnell genug. "Wenn ich für eine Einrichtung wie die Erstaufnahme zuständig bin, muss ich doch wissen, ob ich diese Halle brauche oder nicht. Dann kann man doch auch eine Entscheidung fällen", so Ehrhardt.

Frank Roßner, der Präsident des Landesverwaltungsamtes in Weimar, das die Flüchtlingsunterkunft betreibt, lässt auf Anfrage folgendes Statement übermitteln: "Es ist legitim, dass die Stadt Suhl von Zeit zu Zeit auch die wirtschaftliche Situation überprüft. Wir sind sicher, dass Ende des Abwägungsprozesses eine Lösung gefunden wird, die das erfolgreiche Projekt des Suhler Sportbundes fortsetzen lässt und von allen Seiten getragen wird. Für die notwendigen Gespräche stehen wir jederzeit bereit und freuen uns auf eine entsprechende Einladung." Wie diese Geschichte ausgeht, bleibt spannend.

Turnhalle 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Mi 28.07.2021 19:00Uhr 02:06 min

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