Suhl Volkshochschulkurs führt in moderne Ahnenforschung ein

Ahnenforschung - ein verstaubtes Hobby für Rentner und Rentnerinnen? Aufwendig und teuer? Nein, das geht auch anders! Dank digitaler Datenbanken ist heute meist ein Großteil der Recherche im Internet möglich. Für Interessierte gibt es jetzt einen Kurs an der Volkshochschule in Suhl. Wir haben schon mal ein paar Tipps vorab.

Alte Bilder und Briefe
Der erste Schritt bei der Ahnenforschung ist das Gespräch mit Eltern und Großeltern. Bildrechte: IMAGO / Shotshop

Na, wie weit in die Vergangenheit kennen Sie die Geschichte ihrer Familie? Bei den meisten hört es wahrscheinlich bei den Eltern der Großeltern, also der Urgroßmütter und -väter auf. Aber wäre es nicht interessant zu wissen, wo und wie die eigenen Urahnen gelebt haben? Waren sie arm oder reich, verheiratet oder verwitwet? Lebten sie lange oder ereilte sie ein schneller Tod? Wer neugierig ist, darf sich der Ahnenforschung widmen. Aber, wie den Einstieg finden? Hier gibt's drei Tipps für den Anfang. Darüber hinaus bietet die VHS Suhl jetzt einen Kurs für Interessierte an.

1. Mit Eltern und Verwandten sprechen

Der erste, ganz unbürokratische Schritt ist, das Gespräch mit allen noch lebenden Verwandten zu suchen. In ihnen schlummert ganz sicher Wissen aus erster, aber auch zweiter und vielleicht dritter Hand. Leben die Großeltern noch, können die mindestens noch etwas über ihre eigenen Großeltern berichten. Und damit steckt man schon mitten drin in der Ahnenforschung!

2. Sammeln und sichern, was da ist

Was nicht aufgeschrieben wird, geht irgendwann verloren. Insofern ist es angeraten, die neu gewonnenen Informationen aufzuschreiben. Neben dem mündlich Überliefertem sollte man auch schauen, was an Dokumenten vorhanden ist. Dafür ist möglicherweise ein Gang auf den Dachboden oder in den Keller nötig - wenn es geht, nicht nur in den eigenen vier Wänden, sondern auch bei den Eltern oder Großeltern. Finden sich dort womöglich noch unentdeckte Hinterlassenschaften? Das können Fotos, Briefe, Urkunden oder andere Arten von Dokumenten sein. Alles sammeln, sichern und Verknüpfungen suchen.

3. Kirchenbücher - Das A und O der Ahnenforschung

Die wichtigste Quelle innerhalb der Familienforschung sind und bleiben die Kirchenbücher. Sie geben Aufschluss über alle kirchlichen Amtshandlungen wie Taufen, Trauungen, Beerdigungen und Konfirmationen. In Thüringen werden alle Kirchenbücher der Evangelischen Kirche im Landeskirchenarchiv in Eisenach aufbewahrt. Der gesamte Bestand umfasst etwa 60.000 Bücher aus mehr als 3.000 Thüringer Gemeinden. Die frühesten Exemplare datieren in die Zwanzigerjahre des 16. Jahrhunderts. Auf der Internetseite Archion.de werden sie fortlaufend digitalisiert. Dort finden sich neben den evangelischen Archiven auch Bistumsarchive. Um auf sie zugreifen zu können, müssen sich Interessierte allerdings ein Konto einrichten und eine Gebühr bezahlen. Wichtig ist zu außerdem zu wissen, dass Studium von Kirchenbüchern ein wenig Übung und Geduld verlangt, auch weil sie handschriftlich und in altdeutscher Schrift verfasst sind.

Ahnenforscher liest mit Lesegerät in Kirchenbuch
Kirchenbücher werden in Thüringen nach und nach digitalisiert. Bildrechte: IMAGO / epd

VHS-Kurs in Suhl zur Vertiefung

Der Kurs "Familienforschung leicht gemacht" an der Volkshochschule in Suhl möchte Interessierten dabei helfen, die Quellen lesen und verstehen zu können. Geleitet wird der Kurs von Matthias Bretschneider aus Meiningen, der als Autodidakt seit mehr als 30 Jahren Forschung zu Familiengeschichten betreibt. Seine eigene kann er inzwischen bis ins Jahr 1590 nachverfolgen. Der Kurs unter seiner Leitung beginnt am 5. Mai.

Inhalte sind unter anderem das Erlernen der altdeutschen Schriften, Verständnis für wichtige lateinische, in der Kirche gebräuchliche Begriffe zu erlangen und genealogische Quellen auch über die Kirchenbücher hinaus zu finden und zu nutzen. In dem mit zehn Einheiten geplanten Kurs sind noch Plätze frei.

MDR (nis)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 10. Mai 2022 | 11:05 Uhr

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