"Bürojob wäre nichts für mich" Autobahn-Winterdienst in Südthüringen: 49 Männer und eine Frau

Die Autobahnmeistereien haben mit dem Winterdienst aktuell viel zu tun. Der Beruf des Straßenwärters ist nach wie vor sehr männlich geprägt. Bei der Autobahnmeisterei in Zella-Mehlis gibt es 49 Kollegen und eine Kollegin. MDR THÜRINGEN hat die 33-Jährige bei einem Einsatz begleitet.

Eine Frau steht vor einem Fahrzeug der Autobahnmeisterei.
Carolin Seidel ist unter 50 Kollegen die einzige Frau bei der Autobahnmeisterei Zella-Mehlis. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Von November bis März sind die Straßenwärter der Autobahnmeisterei in Zella-Mehlis jeden Tag 24 Stunden im Einsatz. Die rund 50 Mitarbeiter arbeiten dabei in drei Schichten, es gibt einen Früh-, einen Tag-, und einen Nachtdienst.

Der ständige Blick aufs Thermometer

Der Frühdienst beginnt um 6 Uhr morgens. "Hier schaut jeder zuerst aufs Thermometer", erklärt Straßenmeister Jörg Wiese. Heute zeigt es Null Grad an. Dazu fällt ein leichter Schneeregen.

Die Mitarbeiter treffen sich zuerst in einem Aufenthaltsraum. Trotz früher Stunde ist die Stimmung hier munter. Schaut man sich in der Runde um, fällt eines auf: Die Truppe ist sehr männlich. Die einzige Ausnahme heißt Carolin Seidel. Die 33-jährige gebürtige Erfurterin hat ihre Ausbildung zur Straßenwärterin im ostthüringischen Hermsdorf gemacht. Seit zehn Jahren gehört sie nun schon zu der Truppe in Zella-Mehlis.

Eine Frau in orangefarbener Kleidung vor einem Winterdienst-Fahrzeug.
Seit zehn Jahren arbeitet die 33-Jährige bei der Autobahnmeisterei. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Die Arbeit beginnt mit einer Kontrollfahrt

Bei einer Tasse Kaffee teilt der Gruppenleiter die Arbeit ein. Carolin Seidel und die anderen bekommen je einen Unimog und eine Strecke zugeteilt. Da es über Nacht nicht geschneit hat, muss heute nicht geräumt, wohl aber gestreut werden. Klart der Morgen auf und die Temperaturen fallen, kann die Fahrbahn durch den nassen Schneeregen ganz plötzlich spiegelglatt werden.

Die erste Tour ist heute eine "Kontrollfahrt". "Jeder schaut, ob es auf der Strecke besondere Probleme gibt", erklärt Carolin Seidel. Durch den abschmelzenden Schnee der vergangenen Tage können sich zum Beispiel auf den Straßen Pfützen gebildet haben, die, wenn sie gefrieren, für die Autofahrer gefährlich werden können. In einem solchen Fall müssten die betroffenen Strecken gesäubert werden. Auch muss geprüft werden, ob die Schächte frei sind, sodass das Wasser abfließen kann.

Eine Frau reinigt ein Winterdienst-Fahrzeug.
Ein Bürojob käme für Carolin Seidel nicht infrage, sagt sie. Bei der Autobahnmeisterei ist sie "immer in Bewegung". Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Multitasking-Fähigkeit gefragt

Bevor es losgeht, checkt Straßenwärterin Carolin Seidel, wie viel Lauge und Salz sich noch im Fahrzeug befindet. Dann heißt es: Blinklichter an und los geht's. Auf der Straße gilt dann höchste Konzentration. Neben dem Manövrieren des großen Fahrzeugs muss Carolin Seidel den Streuer bedienen und bei Bedarf den Pflug ausfahren. "Die größte Herausforderung ist für mich der Verkehr", sagt sie. Das Winterdienst-Fahrzeug darf nicht schneller als 60 km/h fahren - logischerweise auch nicht auf der Überholspur. Manch einem Autofahrer geht das nicht schnell genug.

Eine Frau sitzt am Steuer.
60km/h - schneller darf das Winterdienst-Fahrzeug nicht fahren. Das geht manchen Autofahrern nicht schnell genug, weiß Carolin Seidel. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

"Ein Bürojob wäre nichts für mich"

Neben dem Winterdienst kümmern sich Carolin Seidel und ihre Kollegen ganzjährig um die Wartung der Autobahn, das heißt, sie reparieren zum Beispiel kaputte Leitpfosten und Schilder. Darüber hinaus ist es die Aufgabe der Meisterei, bei Straßensanierungen Abschnitte abzusichern und bei Unfällen zu sperren.

Carolin Seidel schätzt an ihrer Arbeit, dass sie so abwechslungsreich ist und sie dabei körperlich immer in Bewegung ist: "Mir war schon immer klar: Ein Bürojob, das wäre nichts für mich." Dass sie die einzige Frau in der Südthüringer Truppe ist stört sie nicht - eigentlich spiele das keine große Rolle: "Wir sind einfach ein gutes Team."

Zum Ende der ersten Runde: Salz und Lauge nachladen

Am Ende der morgendlichen Kontrollfahrt fährt Carolin Seidel in der Nähe von Eisfeld von der Autobahn ab, um bei der dortigen Silo-Anlage Lauge und Salz nachzufüllen. Wenn man Glück hat, trifft man dort auch einen der Kollegen für einen kleinen Plausch. Dann geht es erst einmal zurück zur Meisterei. Bei einem zweiten Kaffee gibt es dann ab etwa 9 Uhr eine weitere Lagebesprechung.

Zwei Winterdienst-Fahrzeuge stehen unter Silos.
In der Silo-Anlage bei Eisfeld werden Lauge und Salz nachgefüllt. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Sofern es keine Querschläger gibt, wird die Frühschicht im weiteren Verlauf des Tages Parkplätze und Zufahrten räumen - und dabei natürlich auch schon den Blick auf die Wetterprognosen für die kommende Nacht haben.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 11. Januar 2022 | 06:50 Uhr

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