Niedrige Gehälter Ministerin: Betriebe zahlen zu wenig Tariflöhne

Nur in einem Bundesland werden niedrigere Löhne als in Thüringen gezahlt. Das kritisiert die Landesregierung. Statistisch gesehen verdiente ein Thüringer im Vollzeitjob zuletzt im Schnitt 3.300 Euro brutto.

Thüringens Arbeitsministerin Heike Werner
Thüringens Arbeitsministerin Heike Werner (Linke). Bildrechte: dpa

Thüringens Arbeitsministerin Heike Werner (Linke) fordert von Unternehmen mehr Löhne nach Tarif. Werner sagte MDR THÜRINGEN, die Brutto-Löhne in Thüringen seien vergleichsweise niedrig. Das liege vor allem an der niedrigen Tarifbindung der Unternehmen.

Nur etwa jedes fünfte Unternehmen in Ostdeutschland sei Mitglied in einem Tarifverbund, beklagte Werner. Von einer Tarifbindung würden aber am Ende die Unternehmen und die Beschäftigten profitieren.

Auch das vom SPD-Politiker Wolfgang Tiefensee geführte Thüringer Wirtschaftsministerium forderte mehr Löhne nach Tarif. Wirtschaftsstaatssekretär Carsten Feller sagte, gute Löhne seien eine wichtige Voraussetzung, um sich im Wettbewerb um Fachleute behaupten zu können. Dazu gehörten neben einer guten Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch die Löhne, weshalb sich mehr Unternehmen einem Flächentarifvertrag anschließen müssten.

Zu wenig Großunternehmen

Nach Angaben des Verbandes der Wirtschaft Thüringens sind die vergleichsweise niedrigen Löhne aber auch darauf zurückzuführen, dass es in Thüringen keine Großkonzerne, dafür aber viele kleine Betriebe gibt. Zudem verwies der Verband darauf, dass die Löhne in den letzten Jahren in Thüringen überdurchschnittlich stark gestiegen seien.

Verband: Löhne überdurchschnittlich gestiegen

Auch das Gastgewerbe, wo zuletzt die Gehälter mit am niedrigsten waren, will jetzt aufholen. Laut Thüringer Hotel- und Gaststättenverband werden bis Herbst nächsten Jahres die Löhne in der Branche um über 20 Prozent angehoben.

Im Schnitt 3300 Euro für Vollzeitjob

Nach Angaben des Landesamtes für Statistik hat ein Thüringer Arbeitnehmer mit Vollzeitjob im vergangenen Jahr durchschnittlich 3.327 Euro brutto verdient. Im Vergleich der Bundesländer waren die Löhne nur in Mecklenburg-Vorpommern niedriger.

MDR (rom)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 12. April 2022 | 10:00 Uhr

4 Kommentare

Ilse vor 43 Wochen

Der Pegauer
"einem Hochschulstudium mit 900 Ostmark brutto abgespeist wurde"

Die mit Hochschulstudium hätten auch min. 1200.-Mark verdient, wenn sie bereit gewesen werden im 3-Schicht-System auf Leistung zu arbeiten. Aber da hätten sie gesundheitsbedingt weniger Lebenszeit u. Tagesrhythmus gehabt, soviel zu ihrem Leistungsbegriff.

Hobby-Viruloge007 vor 43 Wochen

Die Friseuse erhält Ende des Jahres mindestens Mindestlohn von 12 Euro die Stunde, dass sind in Vollzeit mehr als 1800 Euro brutto. Das lässt sich mit einem Dienstleistungspreis um die 40 Euro /h durchaus finanzieren. In den Trockenzeiten musss die Friseuse ja nicht rumsitzen .....

Der Pegauer vor 43 Wochen

Zu DDR-Zeiten gab es ein Staatssekretariat für Arbeit und Löhne. Da wurden die Löhne und Gehälter vom Staat festgelegt. Deshalb konnte ein Sitzengebliebene/r mit Abschluss 7. Klasse auch 1.200 Ostmark brutto verdienen, während einer mit einem Hochschulstudium mit 900 Ostmark brutto abgespeist wurde. Und dann noch die unterschiedliche Besteuerung der leistungsabhängigen Lohn- bzw. Gehaltsbestandteile: 5% beim Arbeiter, 20 % beim Angestellten. Ich habe es genossen, dass 1990 der Spuk vorbei war. Da wurde der von Honecker hofierte Arbeiter vom Sockel gestoßen und es zog halbwegs ein Leistungsprinzip ein. Aber wahrscheinlich schweben Frau Werner solche Verhältnisse wie früher in der DDR vor. Wenn der Verkauf von Produkten u. Dienstleistungen nicht mehr einbringt, dann müssen sich alle Ausgaben danach richten. Auch die Löhne. Und wenn die Friseuse eben 1800 € brutto verdienen soll, dann bitteschön, rauf mit den Preisen für einen Haarschnitt auf 150 €. Oder es bleibt bei den alten Preisen!

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