Interview zu Corona-Maßnahmen Holter: Winterferien werden auf Januar vorgezogen - und es wird Zeugnisse geben

Nach dem jüngsten Corona-Gipfel stehen auch Eltern und Schüler offenbar wieder vor neuen Herausforderungen. Und es sind noch viele Fragen offen. MDR THÜRINGEN sprach darüber mit Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke).

MDR THÜRINGEN: Herr Holter, nun kommt es, wie Sie vorgeschlagen haben: Die Winterferien werden auf die letzte Januar-Woche vorgezogen, die Ferien im Februar entfallen. Wie sieht nun die Lösung für alle aus, die schon Urlaub beim Arbeitgeber beantragt hatten?

Helmut Holter: Ich möchte noch einmal betonen, dass wir in einer besonderen Situation sind. Wir müssen uns mit der Pandemie nicht nur auseinandersetzen, sondern müssen entschiedene Maßnahmen treffen, um das Infektionsgeschehen einzuschränken. Die Maßnahme, die Ferien vorzuziehen, die gestern Abend oder in der Nacht durch das Kabinett beschlossen und damit mein Vorschlag bestätigt wurde, ist eine solche einschneidende Maßnahme, die natürlich zu Einschränkungen in den Familien führt. Wir wollen aber für diejenigen, die den Urlaub so geplant haben, dass bestimmte Verträge eingegangen sind, die Möglichkeit schaffen, dass dann die Präsenzpflicht ausgesetzt wird und die Familien dann auch ihren geplanten Urlaub umsetzen können. Es ist aber nach wie vor auch der Appell an die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, einer Verschiebung des Urlaubs zuzustimmen.

Das heißt also, im Ernstfall entscheide ich, ob mein Kind in die Schule soll oder nicht?

Im Ernstfall müssen Sie deutlich machen, dass Sie etwas geplant haben, von mir aus eine Reise gebucht haben, wobei das unter Corona-Bedingungen natürlich schon eine kühne Aussage war eben, oder andere Dinge schon so geplant haben, dass sie unaufschiebbar sind und das entsprechend nachweisen können, können Sie Ihr Kind aus der Schule nehmen.

Wie gehts danach weiter - wann und in welchem Umfang machen die Schulen und Kitas wieder auf?

Wir haben gestern Abend als Regierung entschieden, dass ab 1. Februar die Kindergärten und die Schulen in den eingeschränkten Regelbetrieb übergehen. Das betrifft alle Schulen und alle Kindergärten. Das heißt, wir haben in den Kindergärten und in den Grundschulen die feste Gruppe, und ab Klasse sieben den Wechsel zwischen Distanz- und Präsenzunterricht. Und wir legen besonderen Wert auf die Kleinen, die ganz jungen Schülerinnen und Schüler, diejenigen, die besonderer Unterstützung bedürfen, und wie das jetzt auch schon ist, diejenigen, die vor dem Abschluss stehen, die sollen in erster Linie auch Präsenzunterricht erhalten.

Im Februar gibts eigentlich auch Zeugnisse, die zum Beispiel für Viert-, Neunt- und Zehntklässler über die Zukunft entscheiden. Können Sie überhaupt garantieren, dass jeder ein Zeugnis in der Hand hat?

Ja, das garantiere ich. Zeugnisse wird es geben. Die wird es jetzt nicht vor den Winterferien geben im Januar, sondern das haben wir rückgekoppelt auch mit den Praktikerinnen und Praktikern in den Schulen. Wir brauchen natürlich die Zeit bis Anfang Februar, um die Zeugnisse zu erstellen. Aber die Zeugnisse werden dann am 5. Februar oder auch am 12. Februar ausgeteilt, sodass also faktisch mit dem Ende des ersten Schulhalbjahres dann auch wie geplant die Zeugnisse zur Verfügung stehen.

Stichwort Notbetreuung: Wer kann die in Anspruch nehmen, hat sich da etwas geändert?

Da hat sich etwas geändert. Notbetreuung bleibt. Notbetreuung gibt es auch in den Ferien, das will ich nochmal ganz deutlich sagen. Wir haben ganz klar gesagt, dass der Personenkreis eingegrenzt wird, aber nicht so eingegrenzt wird, dass es zu ganz stringenten Entscheidungen kommt. Es geht um diejenigen, die aus dienstlichen oder betrieblichen Gründen ihre Arbeit nicht zu Hause im Homeoffice erledigen können und für die Pandemie-Abwehr gebraucht werden oder in Bereichen von erheblichem öffentlichem Interesse sind, also zum Beispiel Gesundheitsversorgung, Pflege, Bildung und Erziehung ist dabei, aber auch die öffentliche Sicherheit, aber auch sowas wie öffentliche Infrastruktur, Transport und andere Dinge, auch die Medien sind dabei, um das für Sie nochmal zu unterstreichen.

Das erarbeiten wir jetzt eben gerade beginnend im Ministerium, um deutlich zu machen, wie das im Einzelnen aussieht. Wichtig ist, dass es eine Arbeitgeber-Bescheinigung gibt und dass man erklärt, dass keine weitere Betreuungsperson zur Verfügung steht. Es gibt auch keine Ein- und Zwei-Eltern-Regel mehr, wie wir das im Frühjahr 2020 hatten.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 06. Januar 2021 | 08:22 Uhr

25 Kommentare

sinnlostelefon vor 13 Wochen

Blöde Diskussion hier, wegen Urlaub und Ferien. Viele machen einfach nur Urlaub um die Kinder zu Hause zu betreuen. Urlaub heißt NICHT = verreisen.....und außerdem sind viele Großeltern berufstätig !.... mal Gehirn einschalten !

Leon_03 vor 13 Wochen

Man kann eine sogenannten "Urlaub planen", wenn die Großeltern nicht in Erfurt zum beispiel wohnen, sondern in Suhl kann man die Großeltern für eine woche besuchen (Kind hinfahren, kind dort lassen und wieder nach hause fahren). Mit Urlaub ist nicht gleich fliegen, Meer, etc verbunden

Leon_03 vor 13 Wochen

Man sollte nicht sobald die Zahlen anfangen zu sinken, an Lockerungen zu denken (auch wenn es schwer für alle Betriebe, Gastronomie, etc ist), man sollte den Lockdown durch ziehen und nicht gleich wieder Lockerung machen. Weil wenn wieder Lockerungen kommen, wird das ewig noch so weiter gehen mit Corona. Einfach mal den Lockdown durchziehen bis März April OHNE Lockerungen und dann passt das auch (wenn nicht auch viel länger). Wenn der Lockdown so lange geht, bis die Zahlen unter 10 neu infizierte bei 100.000 Einwohner liegt, dann kann man über Lockerung reden. @MDR was denken Sie denn dazu? Nicht jeder ist bereit sich zu Impfen und Keiner kann mir sagen das der Impfstoff funktioniert. Keiner kann innerhalb von einen Jahr ein Impfstoff herstellen, bei 5-10 Jahre ja. Denkt mal drüber nach, wie lange der Impfstoff für andere Sachen gebraucht hat und für was es noch keinen gibt, obwohl Menschen jahre lang daran sitzen und es versuchen! Alles nur Witzfiguren in der Politik

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