Thüringentrend Keine Mehrheit für Rot-Rot-Grün - Ramelow verliert deutlich an Zustimmung

Nach einer Umfrage hat das rot-rot-grüne Bündnis in Thüringen aktuell keine Mehrheit. Auch für eine Vierer-Koalition aus CDU, SPD, FDP und Grünen würde es nicht reichen. Schlechte Noten gibt es für das Corona-Krisenmanagement der Landesregierung. Und auch Bodo Ramelow verliert deutlich an Zustimmung.

Bodo Ramelow Ministerpräsident Thüringen
Die Zufriedenheit mit Ministerpräsident Bodo Ramelow ist deutlich gesunken. Bildrechte: dpa

Ein gutes halbes Jahr vor der Landtagswahl zeichnen sich in Thüringen keine klaren Mehrheiten ab. Laut einer Umfrage von infratest-dimap im Auftrag von MDR THÜRINGEN bleibt die Linke mit aktuell 29 Prozent stärkste Kraft. Das sind drei Prozentpunkte weniger als bei der letzten Befragung im August 2020.

Auf Platz zwei liegt wieder die AfD mit 23 Prozent (plus drei) - knapp vor der CDU mit 22 Prozent (minus zwei). Die SPD liegt unverändert bei zehn Prozent. Die Grünen verlieren einen Prozentpunkt auf jetzt nur noch fünf Prozent und landen damit hinter der FDP, die sich auf sechs Prozent (plus zwei) verbessert.

Damit hätte im Moment weder ein rot-rot-grünes Bündnis (44 Prozent) noch ein Viererbündnis aus CDU, SPD, FDP und Grünen (43 Prozent) eine Mehrheit. Rechnerisch möglich wären nur Bündnisse von Linken und CDU (51 Prozent) sowie von AfD, CDU und FDP (51 Prozent), welche die CDU aber ausschließt.

Zufriedenheit mit Rot-Rot-Grün sinkt deutlich

Die Zufriedenheit mit der rot-rot-grünen Regierung ist im vergangenen halben Jahr deutlich gesunken. Waren im August noch 63 Prozent der Befragten mit der Arbeit der Regierung zufrieden oder sehr zufrieden, so sind es aktuell nur noch 46 Prozent (minus 17). 52 Prozent sind weniger oder gar nicht zufrieden. Hinter der Landesregierung stehen die Anhänger von Rot-Rot-Grün, die CDU-Wähler sind geteilter Meinung. Im Lager der AfD überwiegt die Kritik an der Regierungsarbeit.

Ebenso ist auch die Zufriedenheit mit Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) deutlich gesunken - und zwar von 66 auf 51 Prozent. Damit bleibt Ramelow trotzdem der beliebteste Politiker im Freistaat.

Die grüne Umweltministerin Anja Siegesmund kommt mit 30 Prozent (minus eins) auf den zweiten Platz vor FDP-Landeschef Thomas Kemmerich, mit dem 21 Prozent (plus drei) der Befragten zufrieden oder sehr zufrieden sind. Dahinter liegen gleichauf die Spitzenkandidaten von SPD und CDU, Georg Maier und Mario Voigt, mit jeweils 18 Prozent. Am Ende der Beliebtheitsskala steht AfD-Partei- und Fraktionschef Björn Höcke, mit dem zwölf Prozent der Befragten zufrieden oder sehr zufrieden sind.

Stabilitätspakt wird kritischer gesehen

Auch der Stabilitätspakt von Linken, SPD und Grünen mit der CDU wird deutlich kritischer gesehen als vor einem halben Jahr. Waren damals 49 Prozent zufrieden und nur 42 Prozent unzufrieden, hat sich das Verhältnis mittlerweile umgedreht: 55 Prozent sind mit der Kooperation der vier Parteien unzufrieden und nur noch 40 Prozent zufrieden. 

Schlechte Noten bekommt die Landesregierung auch für das Management der Corona-Krise. Nur 25 Prozent der Befragten sind damit zufrieden oder sehr zufrieden, wie die Thüringer Politik die Pandemie meistert. 73 Prozent sind weniger zufrieden beziehungsweise gar nicht zufrieden.

Laut Umfrage sorgt sich die Mehrheit der Thüringer um die weitere wirtschaftliche Entwicklung im Freistaat. 35 äußerten sehr große und 37 Prozent große Sorgen angesichts der konjunkturellen Folgen der Pandemie. Geringer ausgeprägt ist die Sorge der persönlichen wirtschaftlichen Situation. 22 Prozent machen sich Sorgen, dass sich ihre Situation infolge der Corona-Pandemie verschlechtert. Bei 76 Prozent sind die Sorgen weniger groß oder klein ausgeprägt - bei Thüringern im erwerbsfähigen Alter allerdings stärker als bei über 65-Jährigen.

Mehrheit will sich impfen lassen

Etwas mehr als die Hälfte der Befragten gab an (51 Prozent), sich auf jeden Fall gegen das Coronavirus impfen zu lassen. 23 Prozent planen dies wahrscheinlich. Ältere Menschen würden sich eher impfen lassen als jüngere. So wollen sich bei den 18- bis 44-Jährigen 37 Prozent auf jeden Fall impfen lassen. Bei den Befragten im Alter von 65 und aufwärts sind es 72 Prozent. Grundsätzlich ist die Impfbereitschaft in Thüringen auf ähnlichem Niveau wie in Gesamtdeutschland.

Informationen zur Umfrage

Für die Umfrage befragte infratest-dimap vom 25. Februar bis 1. März telefonisch 1.000 Wahlberechtigte in Thüringen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/sar

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 02. März 2021 | 19:00 Uhr

406 Kommentare

Generation 55 vor 6 Wochen

ein Chip würde vieles erleichtern, mein Hand hat kein Wahl - Menschen bestimmen und so sollte uns die Möglichkeit geboten werden uns freiwillig "chipen" zu lassen, der überall signalisiert das ich zum Beispiel geimpft bin und gegen was, ob ich AIDS oder SARS habe ob ich Organ- und oder Blutspender bin uvm.
wer ehrlich ist braucht nichts zu befürchten, ich bin dazu bereit und sehe darin Möglichkeit wieder am "Lebn" teilzunehmen

Brigitte Schmidt vor 6 Wochen

" hat mir heute erklärt jetzt erst Recht AFD zu wählen"
Kleine Hilfe zum Textverständnis: Er hat ihr erklärt WEN ER wählt, nicht wen sie zu wählen hat.

Bernd1951 vor 6 Wochen

Hallo Anita L.,
zur Abstimmung über die Waldschlösschenbrücke: "Wenn den befragten klar gewesen wäre, dass mit dem Bauwerk in dieser Form der Weltkulturerbetitel für das Elbtal verloren geht, hätten sich m. E. mehr beteiligt und die Entscheidung wäre anders ausgefallen. Über die Einflussnahme des damalig amtierenden sächsischen Ministerpräsidenten auf das Stimmverhalten der Wähler ganz zu schweigen." Es braucht den informierten Wähler, der weiß, was er mit seinem Verhalten am Wahltag bewirkt.
Wenn sich ein bestimmter Anteil von Wählern nicht mehr vertreten fühlt, dann wählt er irgendwann Protest. Und was folgt darauf, die Anliegen dieser Wähler werden von den etablierten Parteien aufgegriffen. Es entwickelt sich dann daraus ein Teufelskreis.

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