Gutscheine für Freizeiteinrichtungen Jede dritte Familie hat bislang die "Familienkarte" genutzt

Als Entschädigung für die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie hatte das Thüringer Familienministerium im Sommer eine "Familienkarte" entwickelt - ein Gutscheinheft, das für den Besuch von Freizeiteinrichtungen genutzt werden kann. Das Interesse ist bislang jedoch recht verhalten: Von den rund 360.000 berechtigten Familien mit Kindern haben rund 105.000 das Angebot bislang genutzt. Das Ministeriums rechnet nun mit weiterer Nachfrage in den Herbstferien.

Thüringer Familienkarte
Die "Familienkarte" enthält Gutscheine, mit denen Eintrittskarten für die teilnehmenden Freizeiteinrichtungen erworben werden können. Bildrechte: MDR/Juliane Maier-Lorenz

Das Interesse an der Thüringer "Familienkarte" mit Gutscheinen für Freizeitangebote ist weiter verhalten. Bis zum letzten Schultag vor den Herbstferien wurden laut Familienministerium knapp 105.000 "Familienkarten" abgeholt. Man gehe davon aus, dass noch einige Familien das Angebot mit Blick auf die Herbstferien nutzen wollen, sagte eine Sprecherin des Ministeriums der Nachrichtenagentur dpa.

Die Familienkarte ist ein Angebot des Familienministeriums im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Familien mit Kindern soll der kostenlose Besuch von Freizeiteinrichtungen ermöglicht werden, die sie wegen der corona-bedingten monatelangen Schließungen nicht besuchen konnten. Laut Ministerium nehmen 283 Einrichtungen an dem Programm teil.

Gutscheine auch zum Kauf von Jahreskarten nutzbar

Anhand erster Abrechnungszahlen sei zu erkennen, dass bisher besonders viele Gutscheine im Freizeit- und Erlebnisbad Saalemax und dem Bärenpark Worbis eingelöst wurden, sagte die Ministeriumssprecherin. "Wer es nicht mehr schafft, alle Gutscheine bis Mitte November einzulösen, kann vielerorts damit auch Jahreskarten erwerben, beispielsweise für Schwimmbäder, Museen, Zoos und Tierparks."

Ein Bär sitzt hinter einem Zaun
Bär im Bärenpark Worbis. Der Park gehört zu den beliebtesten Ausflugszielen von "Familienkarten"-Nutzern. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Insgesamt gibt es in Thüringen rund 360 000 kindergeldberechtigte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die Anspruch auf eine Familienkarte haben. Die Umsetzung der Familienkarte hatte auch für Ärger gesorgt. Geplant war der Start mit Beginn der Sommerferien Ende Juli. Er verspätete sich dann allerdings auf Ende August. Zudem ist die Ausgabe kompliziert: Berechtigte Familien erhalten per Post die Information, dass und wo sie die "Familienkarte" bekommen können. Sie gleich per Post zu verschicken, wäre laut Ministerium zu teuer geworden.

Eingeplantes Budget noch nicht ausgeschöpft

Auch wurde kritisiert, dass von den insgesamt verfügbaren 22,5 Millionen Euro zu wenig ausgegeben wurde. Nach Ministeriumsangaben haben die bisher abgeholten Hefte einem Gutscheinwert von rund 5,3 Millionen Euro. Davon seien bis Mitte Oktober rund 1,1 Millionen Euro abgerechnet worden. Aufgrund der strikten Sparvorhaben für den Haushalt 2022 konnten im aktuellen Haushaltsentwurf laut Ministerium keine Mittel für eine Fortsetzung der Familienkarte eingeplant werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 23. Oktober 2021 | 16:00 Uhr

3 Kommentare

freifrau vor 5 Wochen

Welch nette Geste sich die Heerscharen von geparkten Juristen des kleinsten Freistaates der Bundesrepublik wieder ausgedacht haben, leider haben Sie nicht nachgedacht. Hier werden mehr als 22 Millionen Euro bereitgestellt für ein bürokratisches Monster.
Layout, Webseite und Versand haben sicherlich 1/4 der bereitgestellten Mittel verschlungen. Der Rest wird nur zum Teil abgerufen, da die zumeist berufstätigen Eltern, aufgrund der zusätzlichen Belastungen durch die Corona-Pandemie, nicht noch die notwendige Zeit finden, die Gutscheinhefte abzuholen. Dies wäre wohl ein klarer Fall für den Rechnungshof. Es wäre einfacher gewesen, die mehr als 22 Millionen Euro in den öffentlichen Nahverkehr zu investieren um die kostenlose Nutzung der kindergeldberechtigten Kinder zu ermöglichen.

Alfons Sina vor 5 Wochen

Das Gutscheinheft für Familien ist gut gedacht, aber schlecht gemacht. Viel zu umständlich für Familien. Da bekommt man erst einen Brief, mit den man dann zu einer Aufgabenstellung -innerhalb bestimmter Öffnungszeiten - gehen muss, um sich dieses Heft da abzuholen und danach erst zu den bestimmten Freizeiteinrichtungen/-angeboten. Dann ist der Gutschein pro Angebot so niedrig, das lohnt den Aufwand nicht. Wenn man das Geld an das Kind hätte bringen wollen, dann hätten die Einrichtungen Tage anbieten können, an denen Kinder kostenlos reinkommen und das wäre mit dem Land abgewickelt worden. Oder man hätte das Gutscheinheft gleich per Post zusenden können. Oder man hätte es in Schulen und Kindergärten an jedes Kind verteilen können. So sind die Kinder davon abhängig, dass sich ihre Eltern darum kümmern...

Hobby-Viruloge007 vor 5 Wochen

Darf man fragen, was der Druck der Hefte und Anschreiben, der Versand der Briefe und die Verteilung der Hefte gekostet hat?

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