Polizei Weltweit im Einsatz: Thüringer Zielfahnder berichten

Gerichtsreporterin Cornelia (Conny) Hartmann vom MDR THÜRINGEN JOURNAL
Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Die sonnige Ferieninsel Mallorca ist ebenso ihr Einsatzgebiet wie überfüllte Gefängnisse in Südamerika: Auf der Suche nach flüchtigen Straftätern sind Zielfahnder der Polizei weltweit im Einsatz.

186 Straftäter haben die Thüringer Zielfahnder im vergangenen Jahr ins Gefängnis gebracht: Männer und - viel weniger - Frauen, die untergetaucht und für die Justiz nicht mehr greifbar waren. Die Gerichte hatten die Flüchtigen entweder zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt - oder wollten wegen schwerer Verbrechen gegen sie verhandeln. In ganz wenigen Fällen waren die Gesuchten auch dringend gebrauchte Zeugen. So zum Beispiel im Prozess um den Überfall auf einen 17 Jahre alten Syrer in einer Erfurter Straßenbahn.

Hochmotivierte Truppe

Thüringens Zielfahndungskommando ist eine kleine, hochmotivierte Truppe, sagt Thomas Ziegler vom Landeskriminalamt. Vielleicht eine der besten in der Bundesrepublik.

Thomas Ziegler, Chef der Zielfahnder der Thüringer Polizei.
Stolz auf seine erfolgreiche Truppe: Abteilungsleiter Thomas Ziegler Bildrechte: MDR THÜRINGEN JOURNAL

Im Laufe der vergangenen Jahre hat die Truppe demnach viele Prozesse möglich gemacht. Gefängnisausbrecher und ihre Helfer in Osteuropa gefunden und zurückgebracht, einen Mann, der 3.000 kinderpornografische Dateien auf dem Rechner hatte, in Serbien aufgespürt und abgeholt. Und auch in Südamerika waren die Zielfahnder erfolgreich. In einem schon lange zurückliegenden Fall holten sie einen Mann dort aus einer Gefängniszelle, in der auch ein toter Häftling lag.

Hintergrund: Thüringens Zielfahnder Thüringens Zielfahnder haben im Jahr 2021 insgesamt 186 Haftbefehle vollstreckt. Das beim Landeskriminalamt angesiedelte Zielfahndungskommando sucht flüchtige Straftäter, die eine Haftstrafe von mehr als drei Jahren nicht angetreten haben, oder denen eine Verurteilung mit mehr als fünf Jahren Haft droht. Manchmal treiben die Fahnder auch wichtige Zeugen auf - so zum Beispiel beim Prozess um den Überfall auf einen 17-jährigen Syrer in einer Erfurter Straßenbahn. 14 flüchtige Straftäter wurden 2021 im Ausland aufgespürt und zurück nach Deutschland gebracht.

Ziegler ist Abteilungsleiter der kleinen Truppe. Wer da arbeitet, hat mit besonders gefährlichen Straftätern zu tun, sagt er. Mit Menschen, die schwere Straftaten begangen haben. Die sich ihrer Verurteilung und der folgenden Haftstrafe mit allen Mitteln entziehen. Und die sich manchmal auch gegen ihre Festnahme wehren, wenn die Zielfahnder sie festnehmen wollen.

Schwarze Punkte zeigen die Einsatzorte

Im Büro von Thüringens oberstem Zielfahnder hängen Landkarten, auf denen fast alle Kontinente mit schwarzen Punkten markiert sind. Überall hat er jemanden festnehmen und zurück nach Deutschland bringen können. Mallorca ist unter den vielen schwarzen Punkten komplett verschwunden, scheint ein bevorzugter Rückzugsort für geflohene Straftäter zu sein.

Auf einer Weltkarte markieren schwarze Punkte die Einsatzorte Thüringer Zielfahnder.
Mallorca scheint ein bevorzugter Rückzugsort für Straftäter zu sein: Karte mit markierten Einsatzorten der Thüringer Zielfahnder. Bildrechte: MDR THÜRINGEN JOURNAL

Wenn die Gesuchten Europa verlassen, wird es schwierig, sagt der Zielfahnder, dessen Namen wir nicht nennen dürfen. In manchen Ländern sind die Gefängnisse selbst organisiert, da dauert es manchmal ein bisschen, bis er einen Häftling, den seine Truppe dort aufgespürt hat, an der Tür abholen kann. Auch er ist stolz auf seine Truppe, vieles sei Schreibtischarbeit, sagt er. Wo könnte der Gesuchte sein? Welche Bezugspersonen hat er, welche Hobbies?

Als Erste ins Flugzeug und als Letzte raus

Wenn jemand tatsächlich im Ausland gefunden wird, setzen sich die Thüringer mit den Behörden des jeweiligen Landes in Verbindung, fast überall gibt es BKA-Verbindungsbeamte, die sich da gut auskennen. Nicht in jedem Fall fliegen die Thüringer los, um jemanden zu holen. Wenn doch, dann sind sie auf dem Rückflug die ersten, die in die Maschine steigen - und die letzten, die sie verlassen. Die übrigen Passagiere bekommen oft gar nicht mit, wer da mit an Bord ist, sagt der Zielfahnder.

Ein Zielfahnder der Thüringer Polizei.
Seit 22 Jahren dabei: Zielfahnder der Thüringer Polizei. Er will nicht erkannt werden. Bildrechte: MDR THÜRINGEN JOURNAL

22 Jahre ist er jetzt dabei. Sein Job sei interessant und außergewöhnlich, aber davon gebe es noch mehr bei der Polizei, sagt er. Erlebt hat er viel, und ja, Angst hat er auch schon gehabt. "Polizeibeamter wird man nur, wenn man sich des Risikos bewusst ist, dass man vielleicht auch mal sein eigenes Leben einsetzen muss", sagt er. Und dass ein Feuerwehrmann immer rein müsse ins brennende Gebäude, während seine Truppe sich auch mal zurückziehen könne, wenn es zu gefährlich wird.

Privatleben ist möglich in diesem Job, den familiären Rückhalt brauche man auch. Und man müsse ja nicht in dem Bereich arbeiten, wenn einem das zu stressig ist, sagt der Mittfünfziger, der über die größte Polizeimützensammlung verfügen soll. 300 Exemplare aus aller Welt, da passt nur ein kleiner Teil in die Büroregale.

Sammlung von Polizeimützen aus aller Welt
Souvenirs aus der ganzen Welt Bildrechte: MDR/Cornelia Hartmann

MDR (dr)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 05. Februar 2022 | 19:00 Uhr

31 Kommentare

MDR-Team vor 43 Wochen

Wie bereits von User Janes erwähnt, driften Sie vom ursprünglichen Thema des Artikels ab. In dieser Kommentarspalte soll es um die Thüringer Zielfahnder gehen und nicht um den Impfstatus von Personal im Gesundheitswesen. Kehren Sie also bitte wieder zum Ausgangsthema zurück.

Beste Grüße
die MDR Thüringen-Onlineredaktion

Janes vor 43 Wochen

Ich hab keine Lust mehr mit ihnen so einen vagen uralten Einzelfall zu diskutieren, denn dabei geht der Inhalt des Artikels, die offenkundig erfolgreiche Arbeit der Thüringer Zielfahnder, unter.

Womöglich haben diese Beamten den Straftäter ja bereits gefasst.

Janes vor 43 Wochen

Letzter Gedanke dazu, denn es gehört hier nicht hin!

Ich will, wenn ich mich in "medizinische Behandlung" begebe darauf vertrauen dürfen, dass diese Leute die Arbeit (und mich) ernst nehmen und alles für meine (und ihre) Gesunderhaltung machen!

Mir ist dabei erstmal wurscht, was die für eine politische Meinung haben. Niemand hat die gezwungen, den Beruf zu ergreifen. Schlimm genug, dass die Poiltik nun zu solchen Mitteln greifen muss. Das ist durchaus streitbar. Ich hab mich impfen lassen und sehe das als notwenig und von mir leistbar (ist ja auch zu meinem Schutz).

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