Gefahr durch illegalen Welpenhandel? Tierärzte in Thüringen besorgt über Tollwut-Fälle in Osteuropa

Tierärzte in Thüringen sorgen sich über die Zunahme von Tollwut-Fällen in osteuropäischen Ländern. In Deutschland gilt die Krankheit seit Jahren als ausgerottet. Die Landesärztekammer befürchtet jedoch, dass die Seuche durch illegalen Welpenhandel wieder eingeschleppt werden könnte.

Schild Wildtollwut Gefährdeter Bezirk
In Deutschland gilt die Tollwut seit Jahren als ausgerottet. Doch die Landestierärztekammer ist besorgt über zunehmende Fälle im Ausland. Bildrechte: imago images / Manngold

Die Landestierärztekammer ist besorgt über die Zunahme von Tollwut-Fällen in einigen osteuropäischen Ländern. Allein in Polen wurden in diesem Jahr 19 Fälle bei Wildtieren nachgewiesen. Kammer-Präsident Lothar Hoffmann sagte MDR THÜRINGEN, insbesondere der illegale Welpenhandel mache das Problem wieder aktuell.

Tollwut in Thüringen: Letzter Fall fast 30 Jahre her

1993 wurde in Thüringen der letzte Tollwutfall nachgewiesen - bei einer Katze. In Deutschland gilt die Krankheit, die in der Regel durch Tier-Bisse auf den Menschen übertragen wird, seit Jahren als ausgerottet. Ob das so bleibt, ist nach Angaben der Tierärztekammer aber ungewiss.

Kammerpräsident Hofmann befürchtet, dass nichtgeimpfte Welpen aus Polen die Seuche nach Deutschland tragen könnten. Eigentlich müssen Haustiere bei Grenzübertritt geimpft sein, bei illegalen Welpen sei das aber oft nicht der Fall.

Tollwut: Tollwut ist eine weltweit verbreitete Zoonose, verursacht durch neurotrope Viren. Die Viren werden über den Speichel ausgeschieden und in der Regel durch Bisse auf den Menschen übertragen. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben weltweit jährlich rund 60.000 Menschen an Tollwut. Hauptsächlich betroffen sind dabei Asien und Afrika mit 95 Prozent der gemeldeten Fälle. Der letzte identifizierte Tollwutfall bei einem Wildtier (ausgenommen: Fledermäuse) trat in Deutschland im Februar 2006 bei einem Fuchs auf. Seit 2008 gilt Deutschland als frei von terrestrischer Tollwut. Der letzte Tollwutfall bei einem in Deutschland wohnhaften Menschen trat im Jahr 2007 auf. Es handelte sich um einen Mann, der in Marokko von einem streunenden Hund gebissen wurde. (Quelle: Robert-Koch-Institut)

RKI empfiehlt Distanz zu scheulosen Wildtieren

Auch bei den Füchsen sieht Hofmann eine Gefahrenquelle. In den 1990er-Jahren wurden sie durch Impfköder immunisiert. Die jetzige Fuchspopulation sei allerdings nicht mehr geimpft, so Kammerpräsident Hoffmann.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt, bei Wildtieren, die keine Scheu vor Menschen zeigen, besonders auf Distanz zu achten und Kontakt zu vermeiden. Dass wildlebende Tiere ihre Scheu vor Menschen verlieren, sei ein Symptom, das häufig zu Beginn einer Tollwut-Erkrankung auftritt.

Ein Fuchs auf der Pirsch. Er sucht in der Wiese nach Mäusen.
Füchse waren in Deutschland lange Zeit Überträger des Virus. Bildrechte: MDR/NDR/Doclights GmbH/Uwe Anders

Stiko: Wann gegen Tollwut impfen lassen?

Menschen können sich gegen Tollwut impfen lassen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt Personen mit beruflichem oder sonstigem engen Kontakt zu Fledermäusen sowie Personen, die in Laboratorien mit Tollwutviren arbeiten, sich impfen zu lassen. Auch bei Reisen in Gebiete, in denen Tollwut häufig auftritt - dazu zählen laut RKI vor allem Asien und Afrika -, wird eine Tollwut-Impfung empfohlen.

Eine Impfung von beispielsweise Tierärzten, Jägern, Forstpersonal, die nicht mit Fledermäusen arbeiten, ist laut Stiko in Deutschland derzeit nicht erforderlich. Mehr Informationen über die Tollwut gibt es auf der Seite des Robert-Koch-Instituts.

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Quelle: MDR THÜRINGEN/fno

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag | 30. Juli 2021 | 09:00 Uhr

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