Krieg in der Ukraine Mehr Ukraine-Flüchtlinge in Thüringen als erwartet

In Thüringen sind seit Beginn des Kriegs in der Ukraine mehr als 10.000 Flüchtlinge angekommen, darunter auch viele Kinder. Ihre Zahl steigt schneller als zunächst angenommen. Unter ihnen sind auch viele Kinder, für deren Unterricht laut Thüringer Lehrerverband klare Regeln fehlen. Im Rahmen einer internationalen Luftbrücke wird am Freitag ein Flugzeug aus Moldau erwartet mit 130 geflüchteten Ukrainern an Bord. Auch sie sollen in Thüringen unterkommen.

Mehrere Geflüchtete stehen vor einem Reisebus nach ihrer Ankunft in Bad Sulza
Mehrere Geflüchtete stehen vor einem Reisebus nach ihrer Ankunft in Bad Sulza. Bildrechte: MDR/Cornelia Mauroner

In Thüringen sind inzwischen mehr als 10.000 ukrainische Geflüchtete angekommen. Das geht aus Zahlen des Landesverwaltungsamtes vom Donnerstag hervor. Demnach seien bei den Ausländerbehörden der Kommunen 9.225 ukrainische Flüchtlinge registriert worden, sagte eine Sprecherin.

Würden Flüchtlinge hinzugerechnet, die sich nicht bei den Ausländer- aber bei anderen Behörden - zum Beispiel beim Einwohnermeldeamt oder beim Sozialamt - gemeldet hätten, seien es 10.927 Geflüchtete. Die Zahl könne durchaus noch höher sein, weil sich ukrainische Flüchtlinge grundsätzlich zunächst nicht bei Behörden melden müssen.

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MDR THÜRINGEN JOURNAL Sa 19.03.2022 19:00Uhr 02:01 min

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Zahl steigt schneller als erwartet

Nach den Zahlen des Landesverwaltungsamtes stieg die Zahl der Geflüchteten in Thüringen bisher etwas schneller als prognostiziert. Thüringens Migrationsminister Dirk Adams (Grüne) war noch am Dienstag vor einer Woche davon ausgegangen, dass bis Ende April/Anfang Mai rund 10.000 Flüchtlinge in Thüringen ankommen könnten.

Adams hatte betont, dass es sich um grobe Schätzungen handele und niemand genau sagen könne, wie viele Ukrainerinnen und Ukrainer nach Thüringen kommen würden. Die Sprecherin des Landesverwaltungsamtes sagte, die Zahl verändere sich ständig - auch, weil bereits registrierte Flüchtlinge den Freistaat wieder verlassen und weiterreisen könnten.

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MDR THÜRINGEN JOURNAL Do 17.03.2022 19:00Uhr 02:13 min

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Lehrerverband will klare Regeln für Unterricht

Für ukrainische Kinder fordert der Thüringer Lehrerverband klare Regeln für den Unterricht. Wie ein Sprecher des Verbands mitteilte, sind die Schulen in der gegenwärtigen Situation auf sich alleine gestellt. Für den Unterricht der ukrainischen Kinder gebe es bisher noch kein einheitliches Konzept und kaum Hilfen von den zuständigen staatlichen Schulämtern und dem Bildungsministerium.

Nach Angaben des Verbands gibt es an Schulen teilweise Angebote, die aber alle aus der Not heraus entstanden sind. Demnach versuchen viele Schulen derzeit durch einen separaten Deutschkurs ein Angebot für ukrainische Kinder zu schaffen. In einigen Schulen werde sogar ukrainisch-sprachiger Unterricht angeboten. Auch das Unterrichten auf Englisch sei eine Möglichkeit, wie die Kinder am Schulalltag teilnehmen könnten. Bundesweit wurden bereits 20.000 Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine aufgenommen. Für Thüringen liegen derzeit noch keine Zahlen vor.

Luftbrücke aus Moldau

Im Rahmen einer von der Bundesregierung angestoßenen internationalen Luftbrücke für Menschen aus der Ukraine wird in Erfurt Freitagnachmittag ein Flugzeug mit ukrainischen Kriegsflüchtlingen aus Moldau erwartet. Wie das Bundesinnenministerium mitteilte, wird der Flug durch Spenden finanziert. Er ist Teil einer internationalen Luftbrücke für Menschen, die in Nachbarländer der Ukraine geflüchtet sind. Die Geflüchteten sollen in Thüringen untergebracht werden. Vor einer Woche hatte erstmals eine Sondermaschine etwa 130 Ukraine-Flüchtlinge aus Moldau direkt nach Deutschland geflogen. Die Maschine landete in Frankfurt.

Die Bundesregierung arbeite bei der Vorbereitung der Flüge mit dem UN-Flüchtlingshilfswerk und der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zusammen, teilte die Sprecherin mit. Ziel sei, den Menschen in ihrer schwierigen Situation schnell zu helfen und Moldau zu entlasten. Seit Beginn des russischen Angriffs sind etwa 380.000 Menschen nach Moldau geflüchtet. Das Land hat 2,6 Millionen Einwohner.

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MDR(cfr),dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 31. März 2022 | 12:00 Uhr

21 Kommentare

Harka2 vor 7 Wochen

@Ralf G
Es tut mir leid, aber ich muss leider mal ein paar Fakten posten, die mit ihren soliden Vorurteilen und Lügen nicht zusammenpassen. Jeder Ukrainer mit einem gültigen Pass hat das Recht sich 90 Tage völlig frei in Westeuropa aufzuhalten. Der muss sich so wenig registrieren lassen wie ein Brite oder US-Amerikaner. Erst wenn er um Asyl ersucht, wird er registriert und dies dann zu 100 %.

Das die Anzahl der asylsuchenden Afghanen zugenommen hat, dürfte nur Alzheimerpatienten verwundern, alle anderen können sich daran erinnern, dass die politische Situation in Afghanistan sich dramatisch geändert hat.

Die Anzahl der Asylverfahren vor den Verwaltungsgerichten ist verschwindend gering und nicht mal ansatzweise mit den 1990er Jahren vergleichbar. Selbst im Kriesenjahr 2015 wurden die Zahlen der 1990er Jahre nicht annähernd auch nur erreicht.

Der von Menschen wie ihnen herbeigeredete Untergang des Abendlandes findet einfach nicht statt.

Ralf G vor 7 Wochen

Warum sollte, ironisch gefragt, in einer "Bananenrepublik" irgendwer registriert werden? Frau Faeser möchte das nicht. Grenzkontrolle und Registrierung ist für sie gleich Kriminalisierung. Übrigens sind seit Beginn des Jahres lt. n-tv 70% mehr arabische und afghanische Migranten gekommen als voriges Jahr. Warum auch nicht, alle Tore sind offen. Herrn Adams oft geäußerten Wünsche nach mehr Migranten für Thüringen werden erfüllt. Obwohl, Letztgenannte zieht es mehr in die schon bestehenden Parallelgesellschaften (Focus-online) der Großstädte.

Harka2 vor 7 Wochen

@Anni22
Was ich meine ist der rechtliche Status. Ein Kriegsflüchtling wird nicht automatisch zu einem Asylsuchenden. Nur wer auf Grund von Kriegen Asyl beantragt, der unterliegt den entsprechenden "Asyl"-Gesetzen. Diese Asylsuchenden werden alle registriert und die Verwaltung ist schon gar lange auch auf Massenanstürme vorbereitet.

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